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Neue BR-Intendantin: Die Pläne von Katja Wildermuth | BR24

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Bildrechte: BR| Marcus Konvalin

Heute übernimmt erstmals eine Frau die Leitung des Bayerischen Rundfunks: Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Katja Wildermuth will im BR Kreativität und Diversität fördern – und zunächst vor allem zuhören. Ein Portrait der neuen Intendantin.

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Neue BR-Intendantin: Die Pläne von Katja Wildermuth

Heute, zum 1. Februar übernimmt erstmals eine Frau die Leitung des Bayerischen Rundfunks: Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Katja Wildermuth will im BR Kreativität und Diversität fördern – und zunächst vor allem zuhören. Ein Interview.

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Von
  • Nina Landhofer

Der BR gilt in puncto Zusammenführung von Radio, Fernsehen und Online als Vorreiter in der ARD. Ist das schon genug Trimedialität?

Katja Wildermuth: Ich fürchte, dass wir uns von der Idee eines Ausruhens oder eines Ankommens dauerhaft werden verabschieden müssen. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie ständig neue Kommunikationsformen, neue Ausspielwege, neue Plattformen entstehen. Das ist ein sehr dynamisches Umfeld, in dem wir arbeiten und diese Dynamik wird uns weiter begleiten. Warum aber Crossmedialität trotzdem sehr wichtig ist und auch der Weg, den der BR eingeschlagen hat, dann gibt es dafür viele Gründe: Der Wichtigste ist, dass wir tolle Inhalte haben, zum Beispiel auf Bayern 2, mit wunderbaren Hörfunkfeatures, die aber auch Leute interessieren würden, die gerade nicht in diesem Moment Bayern 2 eingeschaltet haben oder die vielleicht überhaupt gar keinen Hörfunk mehr hören. Die aber an diesen Inhalten sehr interessiert sind. Deswegen ist Crossmedialität also der Versuch, unsere wertvollen Inhalte auf möglichst vielen Ausspielwegen möglichst vielen Leuten zugänglich zu machen.

Das heißt für digitale und technische Entwicklungen: Einfach ausprobieren, experimentieren?

Katja Wildermuth: Ja, absolut. Keiner kann vorhersagen, ob sich die eine Plattform durchsetzt oder die andere in einem halben Jahr schon weg ist. Ich finde, wir müssen uns Experimentierfreude leisten. Entwicklungen haben Auswirkungen auf das Storytelling, auf Ansprachen und vieles mehr. Außerdem gibt es so viele Kolleginnen und Kollegen im Haus, die sehr gute Ideen haben. Dafür gibt es viele Beispiele: von der News-WG bis zu BR Klassik. Also ist wichtig: immer wieder etwas ausprobieren. Und wenn es mal nicht läuft, dann probieren wir es anders.

Was steht für die nächsten Wochen ganz oben auf Ihrer Liste?

Katja Wildermuth: Zuhören, zuhören, zuhören. Fragen: Was bewegt die Kolleginnen und Kollegen im Haus? Wie steht es um Gleichstellung? Wie wird moderne Unternehmenskultur gelebt? Ich will schauen, wie all die bisherigen Umstrukturierungen im Alltag angekommen sind, in den Herzen, nicht nur in den Köpfen. Was gibt es für Ideen? Und damit meine ich nicht nur das Programm, sondern wie wir den BR als Unternehmen fit machen können für die Zukunft.

Sie sind die erste Frau an der Spitze des BR. Bedeutet das, dass auch vermehrt darüber nachgedacht wird, wie Frauenförderung, wie mehr Diversität umgesetzt werden kann?

Katja Wildermuth: Die Tatsache, dass eine Frau Intendantin ist, das ist ein historischer Schritt für den Bayerischen Rundfunk. Für mich ist das eher ein Schritt in Richtung Selbstverständlichkeit. Wir sind eine vielfältige Gesellschaft und das sollte sich auch auf allen Ebenen und Positionen widerspiegeln. Mir ist eine moderne Unternehmenskultur wichtig, eine Kultur, die auf Stärkung von Eigenverantwortung setzt, die wertschätzend ist, die in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vertrauen hat. Außerdem müssen wir unsere Prozesse transparent machen, wir müssen diskutieren und streiten und einander zuhören.

Es sind nun vier Intendantinnen innerhalb der ARD. Was bedeutet das denn für die ARD?

Für mich gehört Frauenförderung ganz klar zu Diversität. Wir müssen uns immer wieder die Frage stellen: Wie rekrutieren wir unseren Nachwuchs? Sind wir vielleicht zu homogen? Haben wir ein Verhältnis zwischen sozialer Herkunft, regionaler Herkunft, Urbanität, Land, Lebenswirklichkeiten, in dieser immer vielfältiger werdenden Gesellschaft? Die Intendantenrunde ist eine Runde aus Vertretern verschiedener Landesrundfunkanstalten, mit föderalen Interessen, aber auch gemeinsamen Interessen als ARD. Daran ändert eine Verschiebung in der Geschlechterzusammensetzung nichts. Aber vielleicht gelingt es uns in dieser Runde, hier und da den Tonfall zu ändern, denn der macht bekanntlich auch die Musik.

Ein großes Thema ist die Erhöhung des Rundfunkbeitrags und seiner momentanen Blockade. Was sind die konkreten Folgen für den BR?

Katja Wildermuth: Wenn die Beitragsanpassung, die ja von einer unabhängigen Kommission empfohlen wurde, jetzt erst mal nicht kommt, hätten wir als BR im Jahr 2021 rein rechnerisch ein weiteres Defizit von 31,5 Millionen Euro. Wir müssen uns also ganz genau anschauen: Was machen wir da? Für eine Weile können wir, das hat uns das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung zum Eilantrag nahegelegt, in eine sogenannte Vorleistung gehen. Das werden wir auch erst einmal tun. Ich halte nichts davon, dass wir vorschnell im Programm kürzen. Abhängig ist das davon, wie lange die Entscheidung des BVerfG in der Hauptsache dauert. Wir können das eine Weile machen, aber nicht zwei, drei Jahre. Dann müssen wir weitersehen.

Sie kommen aus der Nähe von München, aus Anzing, jetzt kehren Sie zurück nach Bayern. Was bedeutet Ihnen die Rückkehr in den Freistaat?

Katja Wildermuth: Der große Teil meiner Familie ist immer hier in der Gegend gewesen. Ich bin 1994 ganz bewusst in den Osten gegangen, weil ich diese historisch einmalige Situation, die Transformation von einer Gesellschaftsform in eine andere, gerne begleiten wollte, hautnah, als Journalistin. Und ich habe sehr viel darüber gelernt, was Transformation Menschen abverlangt. Aber klar, wenn ich jetzt heimkomme, dann ist das eine ganz große Freude.

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