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Neue Behörden schon dahoam? So läuft die Verlagerung aufs Land | BR24

© BR/Arne Wilsdorff

Weg von München, raus aufs Land - die Verlagerung von Behörden in die Regionen ist Teil der bayerischen Heimat-Strategie. Nach gut vier Jahren ist die Umsiedlung zu rund einem Drittel geschafft. Kritik gibt es nur noch vereinzelt.

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Neue Behörden schon dahoam? So läuft die Verlagerung aufs Land

Weg von München, raus aufs Land - die Verlagerung von Behörden in die Regionen ist Teil der bayerischen Heimat-Strategie. Nach gut vier Jahren ist die Umsiedlung zu rund einem Drittel geschafft. Kritik gibt es nur noch vereinzelt.

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Für die bayerische Staatsregierung ist die Heimat- und Verlagerungsstrategie von 2015 eine "Erfolgsgeschichte". Nach offiziellen Angaben ist jetzt schon jeder dritte Arbeitsplatz dort, wo er letztlich hin soll. Laut dem Heimatministerium haben bis Mitte dieses Jahres 832 Bedienstete ihre Arbeit in 48 Behörden und staatlichen Einrichtungen neu aufgenommen. Hinzu kommen 430 Studenten an neu gegründeten oder ausgelagerten Hochschul-Standorten.

Das aber ist nur ein Zwischenschritt. Denn die Ziele der Behördenverlagerung sind deutlich ambitionierter: Bis zum Jahr 2025 sollen in 70 Behörden und staatlichen Einrichtungen an neuen Standorten im Freistaat insgesamt mehr als 2.700 Menschen arbeiten und 930 studieren.

Der Anspruch: Gleichwertige Lebensverhältnisse

Der Ansatz ist dabei nicht neu: Bereits seit den 1960er-Jahren macht der Freistaat positive Erfahrungen mit seinen Universitäts- und Fachhochschulgründungen. Sichtbar ist das etwa an der Entwicklung von Regensburg, Bayreuth oder Passau. In den 1990er-Jahren verlagerte die Regierung Stoiber dann unter anderem Teile des Landesamts für Umwelt von München nach Hof in Oberfranken - oder die Staatsoberkasse ins niederbayerische Landshut.

Versetzungen ohne Mitarbeiter-Proteste

Aus früheren Erfahrungen mit Zwangsversetzungen und Widerständen unter den Mitarbeitern haben die Regierungen Seehofer und Söder offenbar gelernt. Nach Auskunft des Bayerischen Beamtenbunds laufen die aktuellen Behördenverlagerungen ohne Mitarbeiter-Beschwerden ab. Die Stellen würden durch eine Kombination von Versetzungswünschen und auch Neueinstellungen von Ortsansässigen besetzt, teilte das Heimatministerium auf BR-Anfrage mit.

Jeder vierte Mitarbeiter kommt demnach aus der jeweiligen Region. Damit würde Heimat nah Arbeitsplätze geschaffen, Menschen müssten nicht in die Ballungsräume umziehen. Allerdings kritisieren Insider, dass viel Fachwissen in Behörden verloren gehe, weil Beamte in München an andere Ämter wechseln. Andererseits sorgten neue Mitarbeiter, etwa im Nürnberger Gesundheitsministerium, für eine Verjüngung und neue Impulse.

Nord- und Ostbayern profitieren besonders

100 Beschäftigte beim Heimatministerium in Nürnberg, 200 Studenten ab 2022 an der Beamtenfachhochschule in Kronach plus Lehrpersonal und Verwaltung, eine neue Justizvollzugsanstalt in Marktredwitz – das im Vergleich zum Ballungsraum München strukturschwache Nordbayern profitiert bei der Behördenverlagerung besonders.

Danach kommt gleich Niederbayern. Dort wird etwa der Finanzamts-Standort Zwiesel durch eine Außenstelle des Landesamts für Steuern mit 100 Mitarbeitern aufgewertet. Weitere Stellen gehen nach Freyung und Deggendorf.

Einigkeit über symbolisch positive Wirkung

Bürgermeister, Landräte und Wahlkreisabgeordnete in Gegenden mit neuen Behörden oder Hochschulen begrüßen einstimmig positive Effekte für ihre Standorte. Über die symbolisch positive Wirkung für die Regionen herrscht also Einigkeit.

Opposition und Wissenschaft kritisieren dagegen regelmäßig die Kosten der Verlagerungen - und die schwer messbaren tatsächlichen Effekte für den Arbeitsmarkt und das Bevölkerungswachstum. Denn Arbeitsplätze im ganz großen Stil werden erst geschaffen, wenn sich nach Behörden und Hochschulen auch Unternehmen ansiedeln und Fachkräfte einstellen. Darauf hofft auch die Bayerische Staatsregierung.