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Der Bund Naturschutz reagiert mit Unverständnis auf die Forderung von Landwirtschaftsministerin Kaniber, Wölfe künftig leichter töten zu können.

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"Neue Ausrottung des Wolfes": Naturschützer kritisieren Kaniber

Die Forderung von Agrarministerin Kaniber, den Wolf in Bayern zu jagen, stößt bei Naturschützern auf Kritik. Kaniber widerspräche ihrem eigenen Ministerium, wiege die Weidetierhalter in falscher Sicherheit und führe das Ausrotten des Wolfes herbei.

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Von
  • Thorsten Gütling

Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern reagiert mit Unverständnis auf die Forderung von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), Wölfe künftig leichter töten zu können. In einem Schreiben der Naturschützer heißt es, dauerhaft könnten die Wildtiere nur mit Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäunen geschützt werden. Die jüngsten Angriffe seien allesamt dort geschehen, wo keine geeigneten Schutzzäune vorhanden waren. Die Anschaffung dieser bekommen Halter von Weidetieren in Revieren von standorttreuen Wölfen zu 100 Prozent gefördert, den Unterhalt allerdings nicht.

BN: "Aktionsplan Wolf" mit Kanibers Ministerium abgestimmt

Aus den erfolgten Rissen eine Notwendigkeit abzuleiten, Wölfe einfacher töten zu müssen, widerspreche zudem den Vorgaben des "Bayerischen Aktionsplans Wolf", so der BN-Landesbeauftragte, Martin Geilhufe.

Der Plan sei seit 2018 Grundlage des bayerischen Wolfsmanagements und in einem langjährigen Abstimmungsprozess unter anderem mit Kanibers eigenem Ministeriums erstellt worden. Darin sei eindeutig geregelt, dass das Töten von Wölfen erst dann möglich sei, wenn andere Maßnahmen zum Herdenschutz nicht mehr griffen.

Schutz ohne Elektrozäune erst nach Ausrottung des Wolfes

Kanibers Ruf nach Abschüssen wiege die Halter von Weidetieren zudem in dem Glauben, dass Risse künftig ohne weitere Schutzmaßnahmen vermieden werden könnten. Da Wölfe aber problemlos innerhalb weniger Tage mehrere hundert Kilometer zurücklegten, sei ein Schutz der Wildtiere erst nach Abschuss aller Wölfe in Bayern und den Nachbarländern sichergestellt. Das käme einer erneuten Ausrottung des Wolfes gleich.

"Der Wolf gehört als heimisches Wildtier ebenso zu Bayern wie die Weidetierhaltung, der wir vielerorts die Erhaltung seltener Tiere und Pflanzen und landschaftliche Vielfalt und Schönheit zu verdanken haben." Bund Naturschutz in einer Pressemitteilung

Nach zwei potenziellen Wolf-Attacken binnen weniger Tage in Betzenstein im Landkreis Bayreuth hatte Kaniber eine Absenkung der Schutzvorgaben für Wölfe gefordert. Tötungen müssten künftig deutlich leichter möglich sein, so die Ministerin.

Zuvor hatte bereits der Bayerische Bauernverband gefordert, den Wolf überall dort abzuschießen, wo er fest abgesteckte Territorien verlasse.

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Nachdem einige Tiere in Betzenstein tot aufgefunden wurden, wird der Abschuss von Wölfen diskutiert. Auch Landwirte berichten von der Präsenz von Wölfen und fordern eine Lösung des Problems, da ihre Tiere leicht in Panik geraten.

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