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Neu-Ulmer Arzt beklagt "Verschwendung von Impfstoff" | BR24

© BR/Peter Allgaier

Neu-Ulmer Arzt möchte, dass Impfampullen besser genutzt werden.

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Neu-Ulmer Arzt beklagt "Verschwendung von Impfstoff"

Impfstoff gegen das Coronavirus ist knapp. Umso ärgerlicher, wenn kostbares Vakzin verschwendet wird, findet ein Neu-Ulmer Arzt. Er möchte, dass Impfampullen besser genutzt werden. Das ist aber nicht so einfach.

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Von
  • Peter Allgaier
  • Alexander Brutscher

"Jeden Tag landet Impfstoff im Müll, dabei könnten wir damit Leben retten", sagt Christian Kröner. Der Neu-Ulmer Hausarzt setzt seit Wochen Spritzen im Impfzentrum Weissenhorn. Doch eines treibt ihn um. Dass aus den Ampullen nur sechs Impfdosen entnommen werden. "Dabei könnten es mit ein bisschen Geschick und Sorgfalt sieben sein", sagt Kröner. Doch warum wird Vakzin entsorgt, wenn gleichzeitig viele Senioren noch immer auf einen Impftermin warten?

EU: Nur mit genug Vakzin ist eine Impfung wirksam

Die grundsätzliche Vorgabe stammt von der Europäischen Arzneimittelbehörde. Sie hatte erst vor ein paar Wochen die Zahl der Impfdosen pro Ampulle angehoben, von fünf auf sechs. Doch noch immer bleibt Impfstoff übrig. Denn der Hersteller überfüllt die Ampullen, weil er kalkuliert, dass immer ein wenig daneben geht oder einfach Reste im Fläschchen oder der Spritze zurückbleiben. 2,25 Milliliter stecken in einer Ampulle, 0,3 braucht man für jede Spitze, macht nach Adam Riese also 7,5 Impfungen. Die EU möchte mit ihrer Vorgabe sichergehen, dass genug Vakzin in jeder Spritze landet, denn nur so ist die Impfung wirksam. Doch nicht alle Bundesländer halten sich auch daran.

Siebte Impfung in Bayern erlaubt - Verantwortung beim Arzt

Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben offiziell erlaubt, auch die siebte Dosis zu spritzen. Vorausgesetzt, die Spritze wird nicht aus mehreren Fläschchen zusammengepanscht, sondern man kann sie aus einer Ampulle holen. Bayern steht der Situation etwas reservierter gegenüber. Eine siebte Impfung ist den Ärzten zwar erlaubt, aber bei der Haftungsfrage sieht das Gesundheitsministerium den Arzt in der Verantwortung, sollte ein Schaden entstehen. Schließlich nutzt er den Impfstoff "Off-Label" also außerhalb der Maßgabe der Arzneimittelbehörde. Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen sieht dagegen weiterhin den Hersteller des Impfstoffs in der Verantwortung. Schließlich unterscheide sich eine siebte Dosis, vorausgesetzt sie kann vollständig entnommen werden, nicht von den sechs vorangegangen.

Arzt appelliert an Söder

Hausarzt Kröner hatte sich auch schon an Biontech/Pfizer gewandt, um nachzufragen, warum man denn eigentlich nicht auch die Reste mehrerer Ampullen mischen dürfe. Schließlich sei das Risiko einer Verunreinigung durch die sterile Impfumgebung minimal. Als Antwort bekam Kröner, dass er Impfstoff auf keinen Fall mischen solle. Warum, könne man ihm aber auch nicht sagen. Dass Tag für Tag so viel Vakzin verschwendet wird, bewegt Kröner sichtlich. "Ich bin ja schließlich Arzt geworden, um Menschenleben zu retten", betont er. Gerade in einem Katastrophenfall dürfe die Rechtssicherheit nicht an erster Stelle stehen. Der Hausarzt hat deshalb über Social Media auch an Bayerns Ministerpräsidenten appelliert. Er möge doch Mut fassen und damit tausende Menschenleben retten.

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