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Hecken: Bauern zwischen Naturschutz und Bürokratie | BR24

© picture-alliance/Wieland Hollweg

Nicht nur der Acker bringt Geld, sondern auch die Hecke um den Acker.

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    Hecken: Bauern zwischen Naturschutz und Bürokratie

    Landwirte verbringen immer mehr Arbeitszeit am Schreibtisch - mit Bürokratie. Denn sie leben zum Teil auch von staatlichen Zuschüssen. Das birgt auch Probleme, wenn sich beispielsweise Vorschriften und Naturschutz in die Quere kommen.

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    Klaus Hafner ist Biolandwirt in Feldheim. Das Gras für seine Milchkühe wächst auf Wiesen rund um das Dorf. Wiesen, die er auch mal später mäht, damit die Blumen blühen können. Dafür bekommen er im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms Zuschüsse.

    Einige seiner Wiesen sind von Hecken umgeben. Auch die lässt der Landwirt wachsen: "Das ist doch das Schöne, wenn ein Baum sich entfalten kann, eine Hecke sich entfalten kann, auch mal die Größe und die Weite zeigt, was da für eine Kraft dahintersteckt. Man braucht ja nur einmal zu horchen, was da für ein Vogelgezwitscher sich abspielt."

    Hecken bringen Zuschüsse aus Kulturlandschaftsprogramm

    Unter der Hecke wächst Johanniskraut, eine Pflanze, die im Schatten gedeiht. Schlehe, Weißdorn, Schwarzdorn gedeihen rings herum. Vögel nisten hier, finden Nahrung. "Wenn man im Frühjahr hier ist, während die Schlehe blüht: Es gibt nichts Schöneres. Das sind die Landschaftselemente, die wir brauchen", ist Hafner überzeugt. "Man muss so eine Hecke sich entfalten lassen."

    Allerdings ragen die Hecken inzwischen in seine Wiesen hinein. Jedes Jahr ein Stückchen mehr. Das heißt: Die Wiese wird Jahr um Jahr ein bisschen kleiner. Und hier liegt das Problem: Landwirte müssen genau angeben, wie groß die Fläche ist, die sie bewirtschaften. Dafür bekommen sie Zuschüsse, Direktzahlungen, von der EU. Meist machen sie das über einen Mehrfachantrag gleich für mehrere Jahre.

    Problem Flächenangabe: Die Bürokratie hinkt hinter der Natur her

    Ob die Angaben der Landwirte stimmen, wird routinemäßig kontrolliert, erklärt Manfred Faber, Leiter des Nördlinger Landwirtschaftsamts: "Es wird von oben mit Satellitenfotos geprüft. Man fliegt drüber, macht Aufnahmen, so dass man sagen kann, wie bewirtschaftet ein Landwirt die Fläche. Das wird mit den Angaben auf dem Antrag verglichen."

    Abweichende Flächenangaben werden sanktioniert

    Das hat Hafner bei seinem Antrag auch berücksichtigt. Nur ist die Hecke inzwischen weiter gewachsen. Dieses aktuelle Foto wird im Amt für Landwirtschaft in Nördlingen mit der beantragten Fläche verglichen, sagt Behördenleiter Manfred Faber: Wenn die Fläche nicht übereinstimme mit den Angaben des Antrags, dann gibt es Sanktionen. Wenn ein gewisser Toleranzwert überschritten ist, müsse der Landwirt die Gelder zurückzahlen.

    Aufwand lohnt für Landwirte nicht

    So soll sichergestellt werden, dass die EU-Gelder auch für das verwendet werden, wofür sie gedacht sind. Bei dem Feldheimer Landwirt ging es um keine hohen Beträge, ein paar Hundert Euro. Der dazugehörige Papierkram aber füllt mehrere Aktenordner. "Der Aufwand, die Kontrolle, die durchgeführt wurde, hat gedauert, alles muss aufgearbeitet werden - das steht in keiner Relation", so Landwirt Hafner.

    Sehr aufwendig wäre es auch, die Flächen immer wieder neu zu vermessen: "Das ist ein bürokratischer Riesenaufwand. Es ist alles machbar, aber, ob es sich rentiert, ist die Frage. Dabei ist der Erhalt von Hecken ja durchaus gewünscht. Landwirte bekommen sogar Geld dafür, wenn sie Hecken auf ihrem Grund pflanzen und pflegen. Vorausgesetzt, sie haben das richtige Förderprogramm dafür beantragt.

    Viele Landwirte entfernen Hecken lieber gleich

    Ein Anreiz dafür, die Natur auch mal Natur sein zu lassen und eben nicht jede Fläche bis zum Rand zu bewirtschaften, seien solche Sanktionen allerdings nicht, so Hafner: "Wenn man sich in der Landschaft umschaut, verschwindet immer wieder ein Feldgehölz oder Baum. Nicht nur, weil es in der Landwirtschaft stört, sondern auch weil man bestraft wird, wenn man es stehenlässt. Also entfernt man es lieber. Das ist eigentlich total unsinnig."

    Was Hecken bringen: Kühlung, Lebensraum, Wasserspeicher

    Natur und Vorschriften – das passt offenbar nicht immer wirklich gut zusammen. Naturschutz und Landwirtschaft – die passen dagegen schon, findet Klaus Hafner: "So eine Hecke kühlt ja auch die Luft, es wächst mehr in der Wiese, die spendet Schatten, Wasser." Die Symbiose aus Hecke und Landwirtschaft ist wichtig und wird in Zukunft auch mehr Einzug halten.

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