BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Naturschutz im Donaumoos: Pilotprojekt will Grundwasser anheben | BR24

© BR

Der Donaumoos-Zweckverband will den Grundwasserspiegel anheben, um das Moor zu retten und damit auch das Klima zu schützen. Dazu ist ein Pilotprojekt geplant. Es soll die seit dem 18. Jahrhundert laufende Entwässerung der dortigen Felder umkehren.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Naturschutz im Donaumoos: Pilotprojekt will Grundwasser anheben

Zum Schutz des Klimas eine Rolle rückwärts! Im größten Niedermoor Süddeutschlands im Kreis Neuburg-Schrobenhausen haben Bauern 200 Jahre lang das Donaumoos entwässert. Nun soll der Grundwasserspiegel angehoben werden, ohne den Bauern zu schaden.

Per Mail sharen

Auf den ersten Blick scheinen sie unvereinbar, die Bedürfnisse des Moors und des Klimas auf der einen Seite und die der Bauern auf der anderen. Jan Rauschenberger vom Donaumoos-Zweckverband weiß das: "Optimal für das Moor wäre ein Wasserstand direkt an der Oberfläche." Wenn der Grundwasserspiegel weiter sinkt, schwindet das Moor und das im Torf gespeicherte CO2 entweicht weiterhin tonnenweise in die Atmosphäre.

Landwirte brauchen festen Boden

Die Moos-Bauern hingegen brauchen festen Boden unter ihren Feldern, betont Landwirt Walter Humbold: "Weil sie einfach nicht mehr befahrbar sind und auch nicht mehr wachsen, die Kulturen."

Was also tun? Grundwasser rauf oder runter? Die Antwort lautet: Alles zu seiner Zeit! Das Pilotprojekt will den Stand des Grundwassers je nach Jahreszeit und Anforderungen regulieren, erklärt Jan Rauschenberger vom Donaumoos Zweckverband: "Was man letztlich möchte, ist, dass man in Absprache mit der Landwirtschaft den Wasserstand zu bestimmten Zeiten hochfährt und, sobald die Landwirte auf die Flächen drauf müssen, wird der Wasserstand wieder heruntergefahren."

Simple Technik, große Wirkung

Möglich machen soll dies eine sehr einfache Technik. Im Kern handelt es sich um zwei kleine Stauwehre, die in Entwässerungsgräben eingebaut werden, vier Meter breit und eineinhalb Meter hoch. "Man muss es sich so vorstellen: Es sind Stahlträger, die in den Boden gerammt werden. Und zwischen diesen Stahlträgern werden Holzbalken angebracht. Und je nachdem, wieviele Holzbalken man anbringt, wird der Wasserstand höher oder weiter runtergefahren", so Rauschenberger.

Bauern fürchten Vernässung

Kontrolliert wird der Grundwasserstand an mehreren Messstellen. Im besten Fall kann das Projekt auch die natürlichen Schwankungen des Grundwassers ausgleichen. Denn im Winter tritt das Wasser oft an die Oberfläche, fällt aber dann im Sommer bis zu eineinhalb Meter ab. Das beschleunigt die Torfzersetzung und den Klimawandel, schadet aber auch den Bauern, denn zu wenig Wasser kann künftig auch für sie zum Problem werden. Noch aber betrachten etliche Bauern das Projekt kritisch. Sie weisen auf eine mögliche Mückenplage hin und befürchten auf lange Sicht eine Vernässung, also eine Anhebung des Grundwassers bis an die Oberfläche, erklärt Walter Humbold: "Vernässung für die Landwirte bedeutet, dass sie den Ackerbau einstellen müssen und ihr Einkommen nicht mehr bestreiten können."

Moorschutz und Landwirtschaft auf derselben Fläche

Solche negativen Konsequenzen schließt Projektbetreuer Jan Rauschenberger aus. Schließlich sieht der Donauzweckverband die Bauern bei dem Projekt mit im Boot. "Man möchte hier Moorschutz mit Landwirtschaft vereinen. Beide müssen auf derselben Fläche möglich sein." Und weil das Pilotprojekt zunächst nur auf einem winzigen Bruchteil des Donaumooses geplant ist, auf 100 von insgesamt 12.000 Hektar Moorfläche, unterstützt auch Bauer Humbold den Testlauf.

Erfolg zeigt sich frühestens zum Jahresende

Der Erfolg oder Misserfolg des Projekts wird sich frühestens Ende des Jahres zeigen, wenn das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist und die Stauwehre gebaut werden. Funktioniert die Regulierung des Grundwassers wie geplant, sollen die Wehre auf Dauer bleiben. Eine Ausweitung des Projekts ist aber, wenn überhaupt, nur auf sehr lange Sicht denkbar, heißt es bei den Verantwortlichen, die hier über das Projekt informieren.

© BR

Zum Schutz des Klimas eine Rolle rückwärts! Im größten Niedermoor Süddeutschlands im Kreis Neuburg-Schrobenhausen haben Bauern 200 Jahre lang das Donaumoos entwässert. Nun soll der Grundwasserspiegel angehoben werden, ohne den Bauern zu schaden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!