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Naturschützerprotest gegen geplantes Gewerbegebiet | BR24

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Der BUND Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben bei Teublitz in der Oberpfalz gegen ein geplantes neues Gewerbegebiet protestiert.

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Naturschützerprotest gegen geplantes Gewerbegebiet

Der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz haben gegen ein geplantes Gewerbegebiet in Teublitz protestiert. Das Projekt zerstöre Waldfläche und vernichte geschützte Tiere. Das Projekt schaffe Arbeitsplätze, argumentieren andere.

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Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben bei Teublitz (Lkr. Schwandorf) gegen ein geplantes neues Gewerbegebiet protestiert. Sie sehen in dem Projekt an der Autobahn A93 ein weiteres drastisches Beispiel für ungebremsten Flächenverbrauch und die fortschreitende Naturzerstörung in Bayern.

Naturschützer fürchten Vernichtung geschützter Tiere

Den Naturschützern zufolge sollen – drei Kilometer von Teublitz entfernt – bis zu 20 Hektar Staatswald den Plänen zum Opfer fallen. Der Bestand dort sei aber Teil eines bisher völlig unverbauten Waldgebiets mit vielen Buchen, Eichen und Erlen am Westrand des Bayerischen Waldes, so die Naturschützer. Entstehe das Gewerbegebiet, müssten Quellen verrohrt werden und viele geschützte Tiere und Pflanzen würden vernichtet. Als Beispiele wurden in einer Mitteilung die Erdkröte, der Feinstreifige Laufkäfer oder Torfmoos genannt.

Verband sieht Staatsregierung in der Pflicht

Bei einem Ortstermin forderten die Landesvorsitzenden von LBV und BN, Norbert Schäffer und Richard Mergner, die Bayerische Staatsregierung auf, gegenzusteuern und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und die Natur schonende Wirtschaftsentwicklung in den Kommunen zu schaffen. Schäffer betonte, dass es auf dem Areal schon immer Wald gab: "Hier ein Gewerbegebiet reinzusetzen widerspricht allen gesellschaftlichen und politischen Zielen zur Bewahrung unserer Lebensgrundlagen."

Kritik an Städten und Gemeinden

Mergner kritisierte die generelle Haltung vieler Städte und Gemeinden: "Jede Kommune denkt nur in ihren eigenen Grenzen, vor allem im Hinblick auf erhoffte Einnahmen, insbesondere aus der Gewerbesteuer." Es könne nicht sein, dass zum Beispiel im benachbarten Burglengenfeld eine große Industrieruine leer stehe und wenige Kilometer weiter ein neues Gewerbe- und Industriegebiet ohne jegliche Rücksicht auf die Umwelt aus dem Boden gestampft werde.

Naturschützer kritisieren rechtliche Rahmenbedingungen

Die Naturschutzverbände monieren auch das nach wie vor geltende gelockerte Anbindegebot für Gewerbegebiete im Landesentwicklungsprogramm. Das Bayerische Kabinett habe zwar bereits vor einem Jahr diese Lockerung wieder rückgängig gemacht, aber diese Entscheidung vom 16. Juli 2019 sei noch nicht rechtskräftig. Dadurch würden Gewerbegebiete ohne jegliche Anbindung an bestehende Siedlungen wie im Beispiel Teublitz leichter ermöglicht.

Bürgermeister argumentiert mit wirtschaftlicher Entwicklung

Teublitz' Bürgermeister Thomas Beer (CSU) hat durchaus Verständnis für die Bedenken der Naturschützer, verweist aber darauf, dass es die erste Ausschreibung eines Gewerbegebiets seit 30 Jahren sei. Als Bürgermeister müsse er auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und damit Arbeitsplätze im Blick haben, so Beer. Das geplante Gewerbegebiet an der Autobahnausfahrt hält Beer für ideal: Zum einen entlaste es die viel befahrene Straße im Ortskern, durch den sich auch LKW täglich drücken. Zum anderen verlangen interessierte Unternehmen nach einer guten und direkten Verkehrsanbindung. Die sei an der Autobahn gegeben.