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Aktivisten des Bund Naturschutz

Die Geschichte erinnert an den Widerstand im Hambacher Forst: Seit Jahrzehnten wird in einem Steinbruch bei Thüngersheim (Lkr. Würzburg) Muschelkalk abgebaut. Nun will der Betreiber expandieren, bereits 2009 hat er dafür eine Genehmigung beim Landratsamt Würzburg eingeholt. Die galt jeweils für drei Jahre und wurde zweimal verlängert.

Bestandsaufnahme nicht umfassend?

Aus Sicht der Naturschützer hat die Behörde schon vor neun Jahren gravierende Fehler gemacht: "Man hat damals die Tierarten in diesem Waldabschnitt überhaupt nicht vor Ort kartiert, sondern man hat sich auf Aussagen Dritter verlassen. Und man hat eine noch ältere Artenschutzkartierung zur Rate gezogen", sagt Steffen Jodl vom Bund Naturschutz Würzburg.

Die Behörde stütze sich auf diese Daten, die im Laufe der Jahre zudem überhaupt nicht aktualisiert worden seien: Offensichtlich wurde in dem Waldgebiet keine neue Bestandsaufnahme der dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten gemacht.

Schriftliche Stellungnahme vom Landratsamt Würzburg

Während der Betreiber des Steinbruchs auf Anfragen des Bayerischen Rundfunks nicht reagiert, äußert sich das Landratsamt Würzburg schriftlich:

"Da sich im vorliegenden Fall weder die Nutzung noch die Struktur des Gebietes wesentlich geändert haben, sind keine gravierenden Änderungen zu erkennen. […] Darüber hinaus sind [...] keine weiteren, nachträglich eingewanderten, besonders geschützten Arten bekannt." Landratsamt Würzburg

Außerdem sei eine verlässliche Bestandsaufnahme im Wald jetzt nicht mehr möglich, denn die Rodung habe bereits begonnen.

Rodungsstopp gefordert

Am Mittwoch hat der Bund Naturschutz die Regierung von Unterfranken deshalb aufgefordert, einen sofortigen Rodungsstopp auszusprechen. "Wenn die Genehmigungsbehörde fahrlässig Fehler macht, kann das nicht auf Kosten von Natur und Umwelt ausgetragen werden", so Steffen Jodl. Die Regierung will den Vorgang jetzt prüfen.