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Der Landesbund für Vogelschutz verlangt, dass Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) die Diskussion um das Töten von Wölfen beendet.

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Naturschützer fordern Ende der Abschusspläne für den Wolf

Nach dem Bund Naturschutz fordert auch der Landesbund für Vogelschutz ein Ende der Abschusspläne für den Wolf. Diese hatte zuvor Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) ins Spiel gebracht. Auch Umweltminister Glauber (FW) widerspricht.

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Von
  • Ulla Küffner
  • Thorsten Gütling
  • BR24 Redaktion

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) fordert, dass Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) die Diskussion um das Töten von Wölfen beendet. Gleiches hatte zuvor bereits der Bund Naturschutz verlangt.

Experten: Wölfe haben 25 Tiere im Landkreis Bayreuth gerissen

Wie es in einer Mitteilung der Vogelschützer heißt, bedauere man die beiden Übergriffe durch einen Wolf auf zwei Wildtiergatter bei Betzenstein im Landkreis Bayreuth und den entstandenen Schaden. Innerhalb von nur vier Tagen waren 25 Damwild-Tiere, Hirsche und Wildschafe tot aufgefunden worden. Obwohl eine endgültige Klärung mittels DNA-Proben noch aussteht, zeigten sich Experten bereits sicher, dass die Tiere einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen waren.

LBV: Wolfsrisse wären vermeidbar gewesen

Allerdings seien beide Zwischenfälle vermeidbar gewesen, so der Landesbund für Vogelschutz. Die zuständigen Landwirtschaftsbehörden sowie die Halter der Wildtiere hätten nur rechtzeitig die notwendigen Herdenschutzmaßnahmen ergreifen müssen.

"Alarmglocken hätten läuten müssen"

Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, sagt, man wisse bereits seit drei Jahren, dass im angrenzenden Veldensteiner Forst ein Wolfsrudel lebe, und so hätten allerspätestens nach dem Übergriff auf das erste Gatter alle Alarmglocken zum Schutz des benachbarten und aller weiterer in der Nähe befindlichen Gehege läuten müssen.

Landesbund für Vogelschutz: Behörden haben unzureichend informiert

Aus Sicht des LBV hätten die zuständigen Landwirtschaftsbehörden die betroffenen Gatterhalter in der Region informieren müssen, wie sie ihr Gehegewild schützen können und wie dies vom Staat finanziert und gefördert werde. Im vergangenen Jahr benannte das Landesamt für Umwelt die Gebiete in Bayern, in denen Wölfe bereits dauerhaft ansässig sind und in denen Maßnahmen zum Herdenschutz zu 100 Prozent finanziert werden. Zu diesen Gebieten zählen neben dem Veldensteiner Forst auch die Rhön, der Nationalpark Bayerischer Wald, der Truppenübungsplatz Grafenwöhr, sowie das südliche Allgäu, wo immer wieder Wölfe aus Österreich gesichtet werden.

Landwirtschaftsministerium weist Vorwürfe zurück

Das Landwirtschaftsministerium weist Kritik, Nutztierhalter nicht ausreichend informiert zu haben, zurück. Vielmehr gebe es diverse Angebote zum Herdenschutz, sagte ein Sprecher. Die Behörden appellieren an die Halter, die Möglichkeiten zu nutzen, sie seien aber freiwillig. In der Region Betzenstein berate zudem seit 2010 eine Spezialistin Nutztierhalter zum Herdenschutz. Zudem habe jedes Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Freistaat seit 2019 einen eigenen Ansprechpartner für Herdenschutz.

Nachfrage nach Maßnahmen zum Herdenschutz "massiv gestiegen"

Dem Ministerium zufolge seien seit April 2020 rund 300 Anträge auf Herdenschutzmaßnahmen bewilligt und dafür etwa 500.000 Euro ausgezahlt worden. Die Nachfrage sei seit den Übergriffen von Betzenstein "massiv gestiegen", heißt es weiter.

Aus der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising heißt es, würden in den gefährdeten Gebieten alle Herden sicher gegen Wolfsangriffe eingezäunt, würde das rund 240 Millionen Euro kosten. Abgesehen davon sei der Bau von Elektrozäunen beispielsweise in bergigen Regionen nicht immer möglich.

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Nachdem einige Tiere in Betzenstein tot aufgefunden wurden, wird der Abschuss von Wölfen diskutiert. Auch Landwirte berichten von der Präsenz von Wölfen und fordern eine Lösung des Problems, da ihre Tiere leicht in Panik geraten.

"Aktionsplan Wolf": Abschuss erst, wenn Herdenschutz nicht wirkt

Ein von der Politik und dem Bauernverband geforderter Abschuss der Wölfe dürfe nicht zur Diskussion stehen, heißt es aus dem Landesbund für Vogelschutz weiter. Rechtlich wäre ein Abschuss nur dann möglich, wenn der Wolf sachgerecht geschützte Nutztiere verletze oder töte und Wiederholungsgefahr bestehe. Das sieht der 2018 von der Staatsregierung verabschiedete "Aktionsplan Wolf" vor.

"Wo kein wolfsabweisender Zaun steht, darf auch kein Abschuss gefordert werden, denn der stellt das letzte Mittel dar, wenn Prävention ohne Erfolg geblieben ist." Willi Reinbold, Wolfsbeauftragter des LBV

Umweltminister Glauber lehnt Abschuss der Wölfe ab

Auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat bei einem Besuch in Betzenstein den Abschuss von Wölfen abgelehnt. Die Rechtslage sei eindeutig. Der Freistaat könne nicht von den strengen Schutzvorgaben der EU und des Bundes abweichen. Um das Rotwild zu schützen, werde das Landesamt für Umwelt nun aber mobile Schutzzäune zur Verfügung stellen.

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Der Wolf ist zurück in den fränkischen Wäldern. Rund um Betzenstein gab es mehrfach Angriffe auf Wildgehege. Ein Landwirt aus Bayreuth hat schon lange vor den mutmaßlichen Wolfsangriffen einen Zaun gebaut, um seine Rinder zu schützen.

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