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Naturpark Spessart beerntet seine Wiesen | BR24

© Svenja Fischer

Rangerin Berit Arendt beim Abladen von Saatgut im Naturpark Spessart

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    Naturpark Spessart beerntet seine Wiesen

    Das Samenerntegerät "eBeetle" ist im Naturpark Spessart unterwegs und erntet Saatgut aus besonders wertvollen Wiesen. Dafür bürstet der Samenernter reife Pflanzensamen mit dem Ziel ab, seltene Pflanzenarten zu vermehren.

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    Dieses Jahr kommt die Ansaat auf die vom Landschaftspflegeverband Aschaffenburg entbuschten Hangbereiche im Naturschutzgebiet Spessartwiesen bei Wiesen. Das Saatgut dafür besorgen Naturpark-Ranger und Gebietsbetreuer auf Heuwiesen des Wiesener Rinderhalters Stefan Köhler. Er ist auch Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes und bewirtschaftet die Flächen im Naturschutzgebiet. Dort soll statt Gebüschen wieder der Lebensraumtyp magere Flachlandmähwiese entstehen. Damit reife Pflanzensamen von möglichst vielen Arten geerntet werden können, mäht Köhler deshalb die Spenderflächen später als sonst.

    Aus Ackerland Blühwiesen machen

    In Massenbuch will der ehemalige Leiter der Lohrer Augenklinik Michael Armbrust aus Naturschutzgründen Ackerflächen wieder in artenreiches Grünland umwandeln. Derzeit trocknet in seiner Garage Saatgut von besonders blütenreichen Wiesen bei Ruppertshütten. Weitere Samen sollen von der Rechtenbacher Weikertswiese kommen. Das Thema Saatgut ist fachlich wie rechtlich sehr anspruchsvoll und noch in Entwicklung, sagt Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart. Zum Schutz der Biodiversität trage wesentlich bei, regionaltypische Genetik und Artenkombinationen zu erhalten. Wenn die Pflanzenwelt durch Saatgut großräumig vereinheitlicht würde, sei das negativ für die Stabilität unserer Ökosysteme, so der Naturschutzvertreter.

    Saatgut ist teuer und schwer zu beschaffen

    Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet mittlerweile, gebietsfremdes Saatgut in der freien Landschaft auszubreiten. Davon befreit sind land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, aber auch hier können gebietsabhängig naturschutzrechtliche Einschränkungen gelten. Im Zweifelsfall auf Grünland kein Saatgut ohne Abstimmung mit den Fachbehörden ausbringen, etwa im Hinblick auf gut gemeinte Blühmaßnahmen oder die Nachsaat von lückigen Wiesen und Schwarzwildschäden. An ein bekanntes Problem müsse gearbeitet werden: Geeignetes Saatgut für "Naturschutzflächen" ist bislang nur begrenzt erhältlich und meist auch nicht billig.

    © Andreas Gries

    Gebietsbetreuer Christian Salomon und Stephan Köhler im Einsatz

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