BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Naturnaher Garten – einfach chaotisch oder wild und romantisch? | BR24

© BR/ Sigrid Korn

Naturnaher Garten in Veitshöchheim im Landkreis Würzburg

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie

Naturnaher Garten – einfach chaotisch oder wild und romantisch?

Verwildert und morbide oder doch geordnete, romantische Wildnis? Naturnahe Gärten sind laut einer Studie der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau alles andere als beliebt. Völlig zu Unrecht, finden zwei Hobby-Gärtner aus Veitshöchheim.

Per Mail sharen

Der naturnahe Garten erfreut sich bei Gartenbesitzern nicht allzu großer Beliebtheit. In einer Studie der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) über die Typologie von Hobbygärtnern ist der naturnahe Garten Letzter im Ranking.

Nutzgärten im Ranking beliebter als naturnahe Gärten

Gerade einmal 16 Prozent aller Befragten sprechen sich laut Studie für einen naturnahen Garten aus. 18 Prozent wollen lieber einen Nutzgarten und 26 Prozent wollen ihren Garten kreativ gestalten. Knapp ein Drittel der Studienteilnehmer, genauer 29 Prozent, möchten im eigenen Garten aber vor allem eines: Entspannen. Der naturnahe Garten ist unter Hobby-Gärtnern oft ein Stiefkind, gut gemacht kann er jedoch alle vier Facetten in sich vereinen.

In Veitshöchheim lässt Dornröschen grüßen

Es sieht ein bisschen aus wie bei Dornröschen im Garten von Helga und Hans Bätz aus Veitshöchheim. Wildromantisch, morbide und doch zauberhaft schön. Die Pfingstrosen blühen in kräftigem Rot und über den Teich fährt ein Deko-Frosch auf seinem Floß zwischen den Gräsern. Durch zwei pflanzenberankte Torbögen führt ein verschlungener Pfad vorbei an einer verwitterten Schaukel hinein in ein gärtnerisches Schlaraffenland. Hier werden 30 verschiedene Obst- und Gemüsearten angebaut. Das Paar aus Veitshöchheim hat sich ganz bewusst für einen naturnahen Garten entschieden – die geordnete Wildnis ein Paradies für Pflanze, Mensch und Tier sein.

Gepflegter Wildwuchs – naturnaher Garten für Gestalter

Auch wenn es auf den ersten Blick wie Kraut und Rüben aussehen mag, in einem echten naturnahen Garten stecken viel Arbeit und Gedanken. Auch hier kann sich der Gärtner durchaus kreativ entfalten. Wer seinen Garten gerne gestaltet, kann das auch gut im naturnahen Garten tun. Die Philosophie dahinter: gepflegter Wildwuchs.

Auch Helga und Hans Bätz haben ganz bewusst Stauden, Wege, Blumen und Mäuerchen angelegt. Sie wollen ihren Garten aber nicht einzwängen und lassen deshalb bewusst auch einmal Pflanzen wachsen, die sie nicht gepflanzt haben – wie das Vergissmeinnicht, das wild in den Fugen der Bruchsteinmauer aufgeht, oder Löwenzahn und Gänseblümchen, die sich im Rasen breitmachen. Laub und Rasenschnitt dürfen unter Bäumen und Hecken liegenbleiben und abgestorbene Bäume bleiben als Hort für Vögel und Insekten stehen. Leben und leben lassen lautet hier in Veitshöchheim der Deal zwischen Mensch und Natur.

My Home is my Garten

"So ein naturnaher Garten, wie wir ihn haben, ist für mich was für die Seele", schwärmt Helga Bätz und spricht damit tatsächlich vielen aus der Seele. Für naturbezogene Gartennutzer ist der Garten Teil ihrer Lebensphilosophie. Wenn man die Studie der LWG betrachtet, ist Helga Bätz der Prototyp des naturnahen Gärtners: Verheiratete Frau über 50, die im eigenen Haus lebt und sich der Gestaltung und Pflege des Gartens komplett selbst widmet.

Bio, öko, naturnah – Nutzgarten

Weil der enge Kontakt zur Natur im Vordergrund steht, achtet Helga Bätz auf unbehandelte Samen und Pflanzen und verwendet biologischen Dünger. Ideale Voraussetzungen also für einen Nutzgarten. Bei den 30 verschiedenen Arten von Obst und Gemüse verzichtet Familie Bätz komplett auf chemische und mineralische Dünger und Spritzmittel. Kompost ist erlaubt, Unkraut zupfen auch – das ist es, was den naturnahen Garten anstrengend macht, aber die Früchte auch gesünder.

Erfolgsrezept für den naturnahen Garten: weniger ist mehr

Es gilt für den Dünger genauso wie für die Pflege und die Gestaltung: weniger ist mehr im naturnahen Garten. Er will sich entfalten und auch mal in Ruhe gelassen werden, trotzdem braucht er Pflege. Dann kann er über die Jahre zu einem Paradies heranwachsen und entspricht in Zeiten von Klimaschutz, Bienen-Volksbegehren und Urban Gardening eigentlich genau dem Zeitgeist.

💡 Sechs Tipps für gepflegten Wildwuchs

Hans Bätz, der selbst lange Jahre in der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau tätig war, hat ein paar Tipps auf Lager:

  • Die Pflanzen sollten standortgerecht sein, also in den Garten passen, miteinander harmonieren und auch wachsen dürfen.
  • Mäuerchen und Wege können auch im naturnahen Garten angelegt werden, am besten mit Naturstein. Außerdem soll zwischen den Fugen auch ruhig etwas wachsen dürfen.
  • Am besten bienen- und insektenfreundliche Pflanzen wählen, um der Natur damit etwas zurückzugeben.
  • Der Garten sollte nicht zu aufgeräumt sein, also darf auch einmal etwas liegengelassen werden. Über Laub in den Hecken und unter Bäumen freuen sich Igel, Würmer, Schnecken und Insekten.
  • Ruhig auch einmal etwas recyclen, zum Beispiel verblühte Blumenzwiebeln. Diese nicht wegwerfen, sondern einfach in ein Beet oder in die Wiese setzen. Im nächsten Frühjahr danken sie es mit einem bunten Blumengruß.
  • Abgestorbene Bäume bieten Insekten und Vögeln ein Zuhause, genauso wie die verwilderte Schaukel. Mit Efeu oder wilder Clematis berankt geben sie dem Garten außerdem einen wildromantischen Charme.
© BR/ Sigrid Korn

Mit Pflanzen bewachsene Steine im naturnahen Garten in Veitshöchheim

© BR/ Sigrid Korn

Verwunschene Feuerstelle mit Sitzmöglichkeiten

© BR/ Sigrid Korn

Im naturnahen Garten in Veitshöchheim sind die Gartenzwerge auch einmal mit Moos bewachsen

© BR/ Sigrid Korn

Ein Teich ist im naturnahen Garten in Veitshöchheim ein Paradies für Frösche

© BR/ Sigrid Korn

Verwunschene Wege zum Gemüsebeet – Dornröschen lässt grüßen

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!