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Bildrechte: Jörg Beckmann

Nach der Ankunft im Tiergarten Nürnberg: Die beiden Bartgeier werden untersucht und für die Auswilderung vorbereitet.

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    Nationalpark Berchtesgaden: Die Bartgeier können kommen

    Im Nationalpark Berchtesgaden sind die Vorbereitungen für die Auswilderung der Bartgeier in vollem Gange. Wetterbedingt wird die letzte Etappe bis zur Felsnische jedoch schwierig.

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    Von
    • Theresa Krinninger

    Am Eingang des Klausbachtals zurren drei Männer eine durchlöcherte Holzkiste auf einer Tragekraxe fest. Es sind die letzten Probeläufe vor dem großen Tag. Einer von ihnen schultert die schwere Kiste.

    "Da kommen nochmal sechs Kilo dazu", sagt der Leiter des Bartgeier-Projekts beim Nationalpark Jochen Grab. Damit meint er einen der fast ausgewachsenen Bartgeier, die am Donnerstag zur Felsnische im Steilgelände hochgetragen werden. "Am wichtigsten ist, dass sie sicher oben ankommen, das ist unsere Verantwortung", sagt der Projektleiter.

    Überall wird angepackt

    Jochen Grab koordiniert derzeit rund 20 Projektmitarbeitende, Ranger und Praktikanten, die seit Tagen mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt sind: Während die beiden weiblichen Jungvögel aus einem Zuchtprogramm in Andalusien im Tierpark Nürnberg beringt, markiert und mit Sendern ausgestattet werden, bereiten die Helfer im Nationalpark das Futter für die Geier vor, andere bauen die beiden Nester in der Felsnische und installieren Webcams.

    Auch der Aufstieg für die Fütterung muss gesichert und die Beobachtungsstelle einige hundert Meter entfernt von der Auswilderungsstelle aufgebaut werden.

    Auswilderungsprojekt soll Lücke in den Ostalpen schließen

    Obwohl die Auswilderung im Alpenraum auf mehr als 30 Jahre Erfahrung baut, liegen die Nerven bei Anton Wegscheider vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) ziemlich blank: "Ich schlafe seit Tagen nicht mehr und überlege, was kann schiefgehen, was muss noch erledigt werden."

    Auch der Aufstieg zur Felsnische birgt Risiken: "Es ist schwieriges Gelände, dort herrscht Steinschlaggefahr, und es wird vielleicht gewittern", sagt er. Während die Auswilderung und natürliche Vermehrung der Bartgeier in den West- und Zentralalpen erfolgreich ist, geht die Ansiedlung in den Ostalpen nur langsam voran.

    Jungvögel lernen sich erst im Nest kennen

    Noch ist auch nicht klar, wie sich die beiden Jungvögel in der Felsnische verstehen. Bislang sind sie getrennt voneinander aufgezogen worden. Erst nachdem sie in ihre Nester gesetzt werden, lernen sie sich kennen. "Es wird Reibereien geben, sie werden streiten und sich hacken, wir werden eventuell eingreifen müssen, falls der eine den anderen Vogel aus dem Nest drängt", so der Biologe Anton Wegscheider.

    Aber man sei gut vorbereitet, die Vögel werden rund um die Uhr von der Beobachtungsstelle aus überwacht, außerdem verfolgt das Monitoring-Team das Geschehen per Webcam, Infrarotkameras und Fotofallen. Weil die drei Monate alten Weibchen bis auf die Nahrungsversorgung relativ selbstständig sind, ist Wegscheider aber zuversichtlich, dass sie sich gut entwickeln werden.

    Per Videostream Auswilderung mitverfolgen

    Bei der Ankunft der Bartgeier am Donnerstagvormittag am Klausbachhaus werden die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Thorsten Glauber teilnehmen. Bevor eine Gruppe sich an den Aufstieg zur Felsnische im Gebiet der Reiteralm macht, werden die Weibchen getauft.

    Interessierte können die Auswilderung ab ca. 13.00 Uhr auf der Facebook-Seite des Nationalpark Berchtesgaden live per Videostream verfolgen. Auf der LBV-Website kann man die Weibchen in ihren Nestern außerdem per Webcam rund um die Uhr beobachten. Anfang Juli erwarten die Bartgeier-Experten die ersten Flugversuche.

    Jedes Jahr sollen weitere Bartgeier nachrücken

    Der LBV und der Nationalpark Berchtesgaden verbinden bei der deutschlandweit ersten Bartgeierauswilderung ihre Kompetenzen. Der Nationalpark hat die Personalstärke durch seine Ranger und sein Personal im bestehenden Steinadler-Projekt aufgestockt, der LBV stellt die Finanzierung der Zuchtgebühren, die Webcams am Nest sowie das Personal für Monitoring und Fütterung bis hin zu künftigen Besucherführungen sicher.

    Das Projekt ist auf mindestens zehn Jahre angelegt. Jährlich sollen bis zu vier junge Bartgeier ausgewildert werden und sich in den Ostalpen selbstständig vermehren. Die Hoffnung ist groß, dass sich die Tiere nach den ersten Wanderjahren mit Beginn der Geschlechtsreife an ihre Heimat erinnern und ein Revier im Nationalpark abstecken.

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