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Die Wiederansiedlung der zwei Bartgeier-Küken im Nationalpark Berchtesgaden zählt zu den großen Artenschutzprojekten in den Alpen. Weil die beiden Aasfresser noch nicht fliegen können, müssen sie gefüttert werden. Ein Biologe trägt das Futter hoch.

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Nationalpark Berchtesgaden: Biologe füttert junge Bartgeier

Die Wiederansiedlung der zwei Bartgeier-Küken im Nationalpark Berchtesgaden zählt zu den großen Artenschutzprojekten in den Alpen. Weil die beiden Aasfresser noch nicht fliegen können, müssen sie gefüttert werden. Ein Biologe trägt das Futter hoch.

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Von
  • Georg Bayerle

Seit 1986 werden in den Alpen Bartgeier wieder ausgewildert, nachdem sie vor 115 Jahren als vermeintliche Lämmer- und Kälberjäger ausgerottet wurden. Die beiden Tiere, die sich jetzt erstmals im Nationalpark Berchtesgaden an ihre Umwelt gewöhnen sollen, sitzen derzeit in einer gut geschützten Felsnische oben am Berg. Weil sie noch nicht fliegen können, werden sie regelmäßig gefüttert. Rund zwei Wochen wird das noch dauern, bis dahin steigt der Biologe Toni Wegscheider alle drei bis vier Tage auf und wirft Bavaria und Wally ihr Futter in die Auswilderungsnische.

"Wir verfüttern hier das, was bei der regulären Nationalparkjagd abfällt. Es finden Abschüsse bei der Gams statt und die Teile, die wir früher weggeschmissen haben, das wird jetzt als Bartgeierfutter verwertet." Toni Wegscheider, Biologe

Bei dem Futter handelt es sich vor allem um Knochenstücke, die mundgerecht zerkleinert werden. Die frischen Stücke trägt Toni Wegscheider auf der Kraxe durchs unwegsame Gelände unter den Felsabbrüchen der Reiter Alpe. In der Abenddämmerung, wenn die Geier zur Ruhe kommen, steigt er auf. Denn stören will er sie nicht.

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Der Biologe Toni Wegscheider auf dem Weg zur Fütterung. Im Eimer: Gamsstücke.

Bartgeier-Leibspeise: Knochen

So lernen die beiden Jungvögel, die mittlerweile 100 Tage alt und voll ausgewachsen sind, die zehn bis 15 Zentimeter langen Teile zu schlucken. Mit der schärfsten Magensäure im Tierreich verdauen sie praktisch alles. In stoischer Ruhe hocken die prächtigen Vögel in einer Felsecke, während Toni Wegscheider, am Seil gesichert, aus der Entfernung die Brocken hinaufwirft. Der Biologe aus Schönau, der das Projekt drei Jahre lang vorbereitet hat, ist in den vergangenen Wochen zum Ziehvater der beiden ersten Bartgeier geworden, die auf bayerischem Boden ausgewildert werden.

"Wenn wir sie nicht füttern würden, würden sie dort oben verhungern.“ Toni Wegscheider, Biologe

Bis zu 200 Mal am Tag schlagen sie inzwischen mit den Flügeln. Das Fliegen haben sie genauso in den Genen wie das Fressen von Knochen und lernen es ohne das Vorbild der richtigen Eltern. Bald wird man die mit rund 2,80 Meter Spannweite zweitgrößten Vögel Europas im Nationalpark Berchtesgaden am Himmel beobachten können, bis sie, wie es ihre Art ist, erstmal auf Reisen gehen. Aufgrund ihrer Peilsender werden Toni Wegscheider und seine Kollegen die Alpenflüge von Wally und Bavaria dann auch weiterhin verfolgen können.

Immer beobachten lassen sich Wally und Bavaria über die LBV-Webcam: https://www.lbv.de/naturschutz/arten-schuetzen/voegel/bartgeier/bartgeier-webcam

Zusehen bei dieser speziellen alpinen Fütterungsaktion können Sie im BR-Fernsehen am Sonntag um 17:45 Uhr in der Sendung "Schwaben & Altbayern" und in der BR-Mediathek.

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