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BR24-Redakteur Lorenz Storch über den aktuellen Stand in Sachen Elektro-Busse im öffentlichen Nahverkehr

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BR24 Drangeblieben: Immer mehr Elektrobusse in Bayern

Vor zwei Jahren haben Nahverkehrsunternehmen in Bayerns Städten begonnen, mit Elektrobussen zu experimentieren. Damals noch eher zaghaft. Seitdem gibt es jedoch merkliche Fortschritte bei der Elektrifizierung im Nahverkehr.

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Von
  • Michael Küster
  • Lorenz Storch

Im Herbst 2019 hatte die Nürnberger Verkehrsaktiengesellschaft (VAG) gerade begonnen, sich dem Thema Elektrobusse zu nähern. Genau einen batterie-elektrisch betriebenen Bus hatte die VAG zunächst gekauft. Von der polnischen Firma Solaris, damals Marktführer. Man wollte die neue Technik erstmal ausprobieren. Man war interessiert, aber durchaus auch skeptisch in Nürnberg.

Zunächst noch Rückstand bei Reichweite und Zuverlässigkeit

Immerhin 130.000 Kilometer ist dieser erste Elektrobus seither schon gefahren. "Ganz ordentlich", findet Tim Dahlmann-Resing, Technik-Vorstand bei der VAG. Aber dieser erste Bus fällt noch deutlich öfter aus als herkömmliche Dieselbusse. "Nicht die Verfügbarkeit, die wir brauchen um stabil zu fahren", urteilt der Nahverkehrsmanager.

Schnelle Fortschritte bei der Elektrobustechnik

Doch die Entwicklung ist nicht stehen geblieben, sondern es gab schnelle Fortschritte. Vor eineinhalb Jahren hat Solaris noch einmal sechs Busse geliefert, darunter auch große Gelenkbusse, die vorher mit Elektroantrieb gar nicht verfügbar waren. Diese neueren E-Busse fallen schon seltener aus und verfügen über eine größere Reichweite.

Deutsche Hersteller haben aufgeholt

Gerade macht die Nürnberger VAG den dritten Schritt in die Elektrifizierung ihres Fuhrparks: 39 Elektrobusse werden bis August geliefert. Diesmal jedoch nicht aus Polen, sondern vom bayerischen Bushersteller MAN. Auch hier hat sich Entscheidendes verändert: Die deutschen Bushersteller MAN und Daimler konnten vor zwei Jahren noch gar keine voll-elektrischen Linienbusse liefern.

Was zu Kritik führte, sie hätten die Entwicklung verschlafen und seien zu spät dran. Jetzt aber sind deutsche Elektrobusse auf dem Markt – und konnten sich bei der ersten großen Ausschreibung in Nürnberg tatsächlich durchsetzen. Die Reichweite der neuen Busse liegt bei über 250 Kilometern und ist damit bereits etwa doppelt so groß wie beim ersten Modell aus Polen.

"Es geht in die richtige Richtung", resümiert der VAG-Technikvorstand. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden die Elektrobusse vollständig mit den Dieselbussen gleichziehen bei Verfügbarkeit und Reichweite, erwartet er.

Neue Technik noch mehr als doppelt so teuer

Allerdings: Ohne Subventionen würden sich Elektrobusse nach wie vor nicht lohnen. Zwar sind die laufenden Kosten während des Betriebes günstiger. Aber in der Anschaffung sind E-Busse mehr als doppelt so teuer wie die Diesel-Pendants. Es fallen große Investitionen an, um die Betriebshöfe mit Ladestellen umzurüsten. Und weil es eine neue Technik ist, fehlen noch Langzeit-Erfahrungswerte dazu, wie haltbar die Batterien sind.

Förderung vom Staat - Quote von der EU

Der Staat unterstützt allerdings die Markteinführung der Elektrobusse. Die Bundesregierung übernimmt zwischen 40 und 80 Prozent der Mehrkosten. Und die EU zwingt mit ihrer "Clean Vehicles Directive" die Verkehrsunternehmen, mittelfristig einen hohen Anteil ihrer Flotte auf emissionsfreie Antriebe umzustellen.

Wasserstoffbusse künftig eine Option?

Deshalb befasst sich nach Angaben des Verbands der Verkehrsunternehmen (VDV) in Bayern inzwischen jede Verkehrsgesellschaft damit, die Busantriebe umzustellen. Der Elektroantrieb spielt dabei eine große Rolle. Manche Verkehrsunternehmen denken auch über Wasserstoffbusse nach. Die Großstädte sind laut VDV tendenziell vorn bei der Elektrifizierung ihrer Flotten – denn dort geht es auch um die saubere Luft in den Straßen. Außerdem spielt dort die Reichweite der Busse eine geringere Rolle als bei Überlandfahrten auf dem Land.

VAG Nürnberg wird voll elektrisch

Die VAG in Nürnberg wird diesen Sommer ein Viertel ihrer Busse auf Elektroantrieb umgestellt haben. In zwei Jahren kommt nochmal ein Schwung Elektrobusse, dann beträgt ihr Anteil am Stadtverkehr in Nürnberg 50 Prozent. Und in ungefähr zehn Jahren will der Nürnberger Verkehrsbetrieb dann voll elektrisch fahren. Diesel- und Erdgasbusse haben dann ausgedient.

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