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Nacktbilder: Polizei und Psychologen warnen vor "Sexting"-Folgen | BR24

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In der Oberpfalz kommt es laut Polizei vermehrt zu Missbrauch beim "Sexting", dem Verschicken und Weitergeben von Nacktfotos. Für die Betroffenen können die Folgen dramatisch sein. Auch jugendlichen Tätern drohen Strafen.

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Nacktbilder: Polizei und Psychologen warnen vor "Sexting"-Folgen

In der Oberpfalz kommt es laut Polizei vermehrt zu Missbrauch beim sogenannten "Sexting", dem Verschicken und Weitergeben von Nacktfotos. Für die Betroffenen können die Folgen dramatisch sein. Auch jugendlichen Tätern drohen Strafen.

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Der Begriff "Sexting" (zusammengesetzt aus Sex und texting, engl. für "schreiben") beschreibt das Austauschen von Mails mit erotischem Inhalt. Das ist nicht ungefährlich, wie die Polizei weiß. Auch in der Oberpfalz nimmt der Missbrauch zu.

Jugendlicher Leichtsinn

"Es kommt immer wieder vor: Schüler kommen aus jugendlichem Leichtsinn leider häufiger auf solche Ideen. Das ist schon heftig angestiegen", sagt Franziska Meinl, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Der klassische Fall sieht so aus: Zwei junge Menschen verlieben sich. Als Liebesbeweis schicken sie sich Selfies, auf denen sie nackt oder leichtbekleidet zu sehen sind. Doch nicht immer bleibt die intime Liebesbotschaft unter vier Augen. Bei Trennungen können solche Bilder auch schnell aus Rache im Klassenchat landen. Doch sobald solche intimen Fotos von Minderjährigen an andere ohne Einverständnis weitergegeben werden, ist es ein Fall für die Polizei.

Zahl der Fälle schwer zu ermitteln

Die Kriminalstatistik erfasst diese "Sexting"-Missbrauchsfälle nicht separat. Die genauen Zahlen sind deshalb schwer zu ermitteln, denn die Fälle werden statistisch unter dem Delikt Kinderpornografie mitgezählt, wenn die Betroffenen noch jung sind. Innerhalb der Oberpfalz registrierte die Polizei im Jahr 2019 150 Fälle der Kinderpornografie. Der Anteil des "Sextings" an dieser Zahl sei erheblich, so Franziska Meinl.

Missbrauchter Liebesbeweis

Für die Betroffenen seien die Auswirkungen meist hart, sagt Daniela Groß, Psychologin bei der Beratungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg. "Das ist furchtbar, weil die Jugendlichen damit nicht rechnen", sagt Groß. Viele Jugendliche wollen sich hier ausprobieren, vielleicht einen Liebesbeweis verschicken. Wenn das dann missbraucht wird, hat das Folgen. Vor allem, wenn die Bilder dann im Internet die Runde machen. "Das sind Aufnahmen, die intim sind, die man nur dieser einen Person schicken wollte und dann sieht die plötzlich jeder. Das ist eine Bloßstellung für die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes", sagt Groß.

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Daniela Groß, Psychologin bei der Beratungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg.

Prominente als Vorbild

Oft seien sich die jungen Menschen nicht im Klaren, wie gefährlich das Versenden von Nacktfotos sein kann, sagt die Psychologin. Für viele sei es wohl normal, da auf Plattformen wie Instagram auch viele Prominente Fotos teilen, auf denen sie leichtbekleidet posieren. Auch langfristig könne es Folgen haben, wenn schon in jungen Jahren ein derartiger Vertrauensmissbrauch passiert, so Groß. "Oft sind gerade das in gewisser Weise die ersten sexuellen Erfahrungen. Wenn dann gleich so schlechte Erfahrungen gemacht werden, kann das dazu führen, dass die Jugendlichen später Probleme haben, jemand anderem wieder zu vertrauen", sagt Groß.

Täter drohen Strafen

Doch nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Täter kann das Weitergeben von Bildern Folgen haben. Die Polizei ist bei dem Thema sensibilisiert, sagt Franziska Meinl. Kommt es zu einer Anzeige kann das Handy durchsucht und sogar eingezogen werden. Auch Erziehungsmaßnahmen oder Jugendstrafen sind möglich, sagt Meinl. Erst kürzlich habe ein 15-jähriger Schüler in der Oberpfalz ein 12-jähriges Mädchen aufgefordert, ein Nacktbild von sich zu machen. Da er das Foto über Whatsapp an seine Freunde weitergeleitet hatte, machte er sich unter anderem wegen Verbreitung und Besitz kinderpornographischer Bilder strafbar, so Meinl. Das Jugendgericht verhängte eine erzieherische Maßnahme gegen den 15-Jährigen.

Betroffene sollten Hilfe suchen

Betroffene sollten sich in ähnlichen Fällen an die Polizei wenden, sagt Meinl. Doch oft sind bei Betroffenen die Hemmungen groß, sich zu öffnen. Alternativ seien auch Jugend-Beratungsstellen oder die "Nummer gegen Kummer", 116 111 (Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhr) eine gute Anlaufstelle. Auch Schul-Sozialarbeiter oder Vertrauenslehrer können erste Ansprechpartner sein, sagt Psychologin Groß. Wenn das Verhältnis gut ist, sind für sie aber die Eltern die wichtigste Anlaufstation. Denn im Ernstfall müssen neben der Schulleitung auch die Polizei und die verschiedenen Nachrichtendienste wie Whatsapp oder Instagram direkt informiert werden, um die verbreiteten Bilder vielleicht doch wieder einfangen zu können. Hier können auch Anwälte hilfreich sein, sagt Groß.

Information und Prävention wichtig

Am Ende sei sicher auch Information und Prävention bei dem Thema wichtig. Wenngleich es trotzdem immer wieder zu Fällen kommen wird, glaubt Groß. "Es gibt einfach ein Alter, da blendet man alles aus. Man hat das zwar mal gehört, aber dann doch plötzlich diesen vermeintlich netten Freund. Dann wirfst du alles andere über Bord, wie das ja immer wieder im Jugendalter ist."

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