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Nachwuchssorgen: Bischöfe fürchten um ihre Priesterseminare | BR24

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Immer weniger junge Männer wollen Priester werden. Jetzt will man ihre Ausbildung auf drei Standorte konzentrieren, darunter München. Die Bischöfe fürchten dabei um ihre Priesterseminare, also die Häuser für den geistlichen Nachwuchs.

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Nachwuchssorgen: Bischöfe fürchten um ihre Priesterseminare

Immer weniger junge Männer wollen Priester werden. Jetzt will man ihre Ausbildung auf drei Standorte konzentrieren, darunter München. Die Bischöfe fürchten dabei um ihre Priesterseminare, also die Häuser für den geistlichen Nachwuchs.

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Quasi eine WG mitsamt Ausbildungsstätte, nur für Priester, und zwar für ziemlich viele. In einer großen katholischen Gemeinschaft leben und lernen: Das war einmal das Konzept der Priesterseminare, die es praktisch in allen Bistümern gibt. Nur: Immer weniger junge Männer wollen Priester werden, die Häuser für die katholischen Nachwuchs-Geistlichen stehen darum teilweise fast leer. Selbst in großen Bistümern bestehen die Priesterseminare inzwischen teils aus weniger als 20 Mann – die Häuser sind aber auf ein Vielfaches ausgelegt.

Ausbildung nur noch in Münster, Mainz und München?

In Bayern kooperieren manche Bistümer deshalb bereits: Bamberg und Würzburg arbeiten bei der Ausbildung zusammen und haben kürzlich entschieden, ihre zwanzig Priesteranwärter zum Theologie-Studium nach München zu schicken. Die anderen Bistümer sollen sich daran ein Beispiel nehmen, so ein Vorschlag aus der Deutschen Bischofskonferenz, nach der es deutschlandweit nur noch drei Standorte für die Priesterausbildung geben soll: Münster, Mainz und München. Das könnte bedeuten: Die Priesterseminare, wo die Anwärter während der Ausbildung zusammen leben, drohen in den einzelnen Diözesen überflüssig zu werden, wenn der Weg zur Uni zu weit wird.

"Priester sind heute Einzelkämpfer"

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer will sein Priesterseminar nicht aufgeben. Es gebe dort eine "große Lerngruppe", auch weil die Anwärter aus dem Nachbarbistum Passau mit ausgebildet werden. An der Standortfrage will Voderholzer deshalb nichts ändern, da sei er sich mit Bischof Stephan Oster von Passau einig: "Das Erste und Wichtigste, was angesichts der freien Zimmer im Priesterseminar zu tun ist, ist den Himmel zu bestürmen und um Priesterberufe zu beten, zu werben", findet Voderholzer.

Hat das Priesterseminar eine Zukunft?

Professor Martin Stuflesser von der katholischen Fakultät der Uni Würzburg zweifelt am Zweck des fast klösterlichen Zusammenlebens der Priesteranwärter in Großunterkünften. So wie zu seiner Seminarzeit im Mainzer Priesterseminar mit einst gut 100 Seminaristen sei es schließlich lange nicht mehr: "Priester sind heute im Regelfall Einzelkämpfer", so Martin Stuflesser. Das Priesterseminar ist am Ende seiner historischen Laufzeit, sagt auch Godehard Brüntrup. Der Jesuit und Professor an der Hochschule für Philosophie in München findet: Es braucht neue Formen des Zusammenlebens von Priesteranwärtern, zum Beispiel in kleineren Wohngemeinschaften. Bei den Jesuiten in München gibt es die bereits. Für Godehard Brüntrup haben die bisherigen Priesterseminare fast schon etwas "Kasernenhaftes": lange Flure, viele Zimmer. Er könnte sich vorstellen, die bisherigen Wohneinheiten in kleinere überschaubare Unterkünfte umzuwandeln und auch Nicht-Priester dort wohnen zu lassen:

"Viele haben angemahnt, dass der Kontakt zu Frauen stärker gepflegt werden sollte. Dass dieses Männerbündische teilweise zu Missbrauch geführt hat und das überwunden werden muss." Godehard Brüntrup

Universitäten würden Studenten verlieren

Auch die Universitäten, an denen die Priesteranwärter bisher studiert haben, wären von einer Verlegung des Studiums beispielsweise nach München betroffen: Sie würden Studenten verlieren und müssten vielleicht die Fakultäten verkleinern. Nach ihrer Meinung wurden sie im Vorfeld nicht gefragt, heißt es aus Würzburg. Doch die Bestrebungen der Deutschen Bischofskonferenz seien schon länger bekannt gewesen, meint Professor Jürgen Bärsch von der katholischen Universität Eichstätt:

"Meiner Meinung nach sollte man jetzt in Ruhe und ernsthaft darüber diskutieren, ohne vorschnell schon festzuklopfen, was geht und was auf gar keinen Fall geht." Jürgen Bärsch

Bärsch wünscht sich, dass die Bischöfe jetzt das Gespräch suchen: mit Fakultäten, Professoren, Studenten. Ergebnis: Offen.

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