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"My Turns" will für nachhaltigen Konsum stehen und Fairness entlang der Lieferkette garantieren

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    Nachhaltiges Sneaker-Label in Ansbach gegründet

    In Ansbach hat eine 30-Jährige trotz Corona-Pandemie ihr eigenes Sneaker-Label gegründet. "My Turns" will für nachhaltigen Konsum stehen und Fairness entlang der Lieferkette garantieren. Ein besonderes Detail soll die Schuhe unverwechselbar machen.

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    Von
    • Laura Grun

    "My Turns", so heißt das Sneaker-Label, dass Katja Wagner gegründet hat. In Anlehnung an den englischen Ausspruch "it’s my turn", zu Deutsch, "jetzt bin ich an der Reihe". Die 30-Jährige will Turnschuhe auf den Markt bringen, die nachhaltig produziert werden. Die Idee hatte Wagner schon im Jahr 2019. Ihr Antrieb: Im Textilbereich gebe es bereits viele Modelabel, die nachhaltig produzieren und ihrer Meinung nach einen guten Job machen. Anders sei das auf dem Schuhmarkt. Er sei noch nicht so nachhaltig, wie er eigentlich sein müsste, sagt Wagner.

    Projekt drohte zu scheitern

    Das Ziel der studierten Textilbetriebswirtschafterin war es eine Alternative zu den herkömmlichen Sneaker-Labels zu erschaffen. Ein Turnschuh: modern, nachhaltig, bezahlbar und in Deutschland produziert. Sie besuchte viele Produzenten aus der Region, doch kam schnell an ihre Grenzen. Kaum einer war bereit gemeinsam das Risiko eines Start-Ups zu tragen. Es sei für viele einfach nicht rentabel genug, so Wagner. Das Projekt drohte zu scheitern, eine Alternative musste her.

    Faire Lieferkette, transparente Kalkulation

    Produziert werden die Turnschuhe nun in Portugal in der Nähe von Porto. Diese Region sei ein Mekka für Schuhproduzenten, sagt Wagner. Alle Rohstofflieferanten und Experten seien vor Ort und man hätte auch dort kurze Wege. Statt mit dem Flugzeug kämen die Sneakers dann per Zug nach Deutschland. Das hänge im Moment auch an den sehr geringen Produktionsmengen. Der Preis für ein Paar ist entsprechend hoch und auch der sei nur zu halten, da die Schuhe nicht im Einzelhandel sondern ausschließlich Online bezogen werden können.

    Aus Sicht von Wagner trage die Produktion den größten Teil der Wertschöpfung eines Sneakers und dem solle auch in der Kalkulation Preis getragen werden. So seien die Produktionskosten von "My Turns" rund doppelt so hoch wie die Kosten eines Konzernsneakers, sagt die 30-Jährige. Anders als viele andere will sie transparenter mit ihrer Kalkulation umgehen und legt sie daher auf der Homepage offen. Unterstützung bekommt sie bei ihrem Vorhaben vom Pixel Campus der Hochschule Ansbach. Studierende drehen im Moment Produktvideos, Designer helfen beim Entwurf des Logos – denn Gewinn falle im Moment natürlich noch nicht an, sagt Wagner.

    Ein Turnschuh für den Kompost

    Katja Wagners großes Ziel sei es einen Schuh herzustellen, der komplett recyclebar sei. Davon ist sie im Moment aber noch weit entfernt, gibt sie zu. Die Sohle bestehe zu 30 Prozent aus einer recycelten Kunststoff-Materialmischung. Hierfür werden Produktionsabfälle wie alte Autoreifen, abgetragene Schuhsohlen oder silikonhaltige Topfuntersetzer verwendet. Die übrigen 70 Prozent bestehen derzeit noch aus Neuware, um die Farbechtheit garantieren zu können, nur so erstrahlen die Schuhe in Weiß. Erhöhe man den Anteil von Recycling-Kunststoff müsste mehr Bleiche verwendet werden und damit wäre der nachhaltige Aspekt wieder dahin, so Wagner weiter. Beim Schaft aus Baumwolle beträgt das Verhältnis 60 Prozent wiederverwendete Baumwolle zu 40 Prozent Neuwolle. Beim Design orientiert sie sich an einem klassischen Sneaker. Das besondere Detail findet sich an den Schnürsenkel-Enden: Sie haben zwei unterschiedliche Farben.

    Crowd-Funding: Kleine Mengen, limitierte Auflage

    Noch hat die Jungunternehmerin keinen einzigen Schuh verkauft. Der Startschuss für die Crowdfunding-Kampagne fällt am 1. April. Dann können sich Kunden auf der Homepage von "My Turns" ihre Schuhe vorreservieren. Neben der Finanzspritze helfe es dem Unternehmen einen ersten Überblick über die Größen zu erhalten und so den richtigen Größenschlüssel zu errechnen, sagt Wagner. Ein Erfolg wären 100 Bestellungen, dann könne in Produktion gegangen werden. Neben Schuhen haben Wagner und ihr Team noch weiße Sneaker-Socken entworfen. Diese werden bereits in Deutschland, im sächsischen Plauen hergestellt. Die Besonderheit: Das Bündchen ragt an der Fersenseite über den Schuh hinaus und trägt auf der linken Seite den Schriftzug "ehrlich" und auf der rechten Socke das Wort "lässig". In Planung sind derzeit auch noch zwei Taschenmodelle mit Wechselhenkeln.

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