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Nachbarschaftsstreit: Wie können Konflikte gelöst werden? | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Eine Frau fühlt sich von ihren Nachbarn gestört (Symbolbild).

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Nachbarschaftsstreit: Wie können Konflikte gelöst werden?

Egal, ob Kuhglocken oder zu hohe Gartenzäune - Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören oft zu den skurrilsten Fällen, die vor Gericht landen - und bisweilen gehen sie bis in die letzte Instanz. Viele Streitfälle lassen sich aber auch anders klären.

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Was tun, wenn der Streit mit dem Nachbarn eskaliert? Selbst, wenn man das Gefühl hat, schon alles versucht zu haben, bleibt als sinnvoller Ausweg oft nur: Miteinander reden statt streiten.

Oft lohnt es sich, das Gespräch zu suchen, auch wenn die Situation noch so verfahren ist. Nachbarschaftsstreitigkeiten müssen nicht vor Gericht landen. Dieser Meinung ist auch Rudolf Stürzer vom Eigentümerverband "Haus und Grund München". 

"Erstmal sollte man miteinander sprechen - und zwar möglichst gleich, nachdem die ersten Probleme oder Schwierigkeiten auftreten - und eben nicht gleich einen Anwalt einschalten. Denn ein Anwaltsbrief verhärtet meist die Fronten: Die Gegenseite nimmt sich dann auch einen Anwalt und stellt auf stur." Rudolf Stürzer, Haus und Grund München

In vielen Städten gebe es eine ständige Verdichtung von Wohnraum, erklärt Stürzer. Je enger die Menschen zusammenlebten, desto mehr soziale Konflikte gebe es.

Neutrale Vermittler können helfen

Viele Streitfälle lassen sich durch einen neutralen Vermittler, einen Mediator, schlichten. Das spart Zeit und Nerven. Schließlich soll ein Streit beendet und kein Krieg begonnen werden. Der Mediator vermittelt zwischen den beiden Streitparteien, er ist unparteiisch. Der Mediator bewertet nicht die Positionen der Parteien und erarbeitet auch keine konkreten Lösungsvorschläge, sondern bemüht sich vielmehr um eine methodische Vorgehensweise.

Die Kosten für ein Mediationsverfahren übernimmt in vielen Fällen die Rechtsschutzversicherung. Sollte die Methode nicht erfolgreich sein, können die Parteien anschließend immer noch vor Gericht ziehen. Klar sollte jedoch sein: Wer gegen seinen Nachbarn vor Gericht ziehen möchte, muss mit teils erheblichen Kosten rechnen.

Gemeinsame Lösung im Schlichtungsverfahren

Statt eines Mediators kann man auch einen Schlichter bemühen. Gegenüber einem Prozess vor Gericht hat das Schlichtungsverfahren den Vorteil, dass die Parteien das Ergebnis der Verhandlung bestimmen und unter Vermittlung des Schlichters gemeinsam eine Konfliktlösung erarbeiten können. Wird vor dem Schlichter einer Gütestelle im Sinne von Artikel 5 des Bayerischen Schlichtungsgesetzes ein Vergleich geschlossen, kann dieser unmittelbar vollstreckt werden wie ein Gerichtsurteil.

Hier unterscheidet sich das Schlichtungsverfahren vor einer Gütestelle von der Mediation, bei der die Parteien im Allgemeinen keinen vollstreckbaren Titel erlangen können. Das Bayerische Schlichtungsgesetz bestimmt, in welchen Fällen ein Schlichtungsversuch zu unternehmen ist, bevor vor dem Amtsgericht geklagt werden kann. Erfasst ist aber nur ein kleiner Teil der nachbarrechtlichen Streitigkeiten, zum Beispiel wenn es um die Verletzung der Ehre geht. Ein Schlichtungsverfahren muss außerdem nur dann durchgeführt werden, wenn die Parteien ihren Wohnsitz in demselben Landgerichtsbezirk haben.

Wer kann schlichten?

Der Schlichtungsversuch muss vor einer Schlichtungs- und Gütestelle unternommen werden. Als solche kommen Rechtsanwälte, Notare, dauerhaft eingerichtete Schlichtungsstellen der Kammern, Innungen, Verbände und ähnlicher Institutionen sowie anerkannte Gütestellen in Betracht.

Vorteile eines Schlichtungsverfahrens

Wird vor Klageerhebung zuerst ein Schlichtungsverfahren durchgeführt, fallen nicht so hohe Kosten an wie bei einem Zivilprozess. Können außerdem Nachbarn außergerichtlich eine Lösung für ihr Problem finden, ist ein friedliches Zusammenleben der Parteien auch in Zukunft möglich.

Dagegen verhärten sich die Fronten bei einem Verfahren vor Gericht und das führt oft zu einem endgültigen Zerwürfnis der Beteiligten. Außerdem hemmt das Verfahren, das vor einer anerkannten Gütestelle durchgeführt wurde, die Verjährung. War der Schlichtungsversuch letztendlich erfolgreich, so stellt der vor der Schlichtungsstelle geschlossene Vergleich einen Vollstreckungstitel dar und ist 30 Jahre lang gültig. Damit kann ein langwieriges und kostenintensives Gerichtsverfahren häufig vermieden werden.