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Nachbarschaftsstreit vor Gericht: Es geht um 18 Zentimeter | BR24

© BR/Melanie Marks

Das Bayerische Oberste Landesgericht urteilt heute in einem etwas skurrilen Nachbarschaftsstreit: Der Kläger wollte die Außenfassade seines Hauses dämmen – müsste dafür aber 18 cm des Nachbargrundstücks bebauen.

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Nachbarschaftsstreit vor Gericht: Es geht um 18 Zentimeter

Das Bayerische Oberste Landesgericht urteilt heute in einem etwas skurrilen Nachbarschaftsstreit: Der Kläger aus Würzburg wollte die Außenfassade seines Hauses dämmen – müsste dafür aber 18 Zentimeter des Nachbargrundstücks bebauen.

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Es sind nur 18 Zentimeter, die einen Streit vor Gericht ausgelöst haben. 18 Zentimeter, die eigentlich schon zu einem fremden Grundstück gehören, in den Augen des Klägers aber notwendig sind, um sein Haus zu dämmen.

Dämmung ragt auf fremdes Grundstück

Nachträglich wollte er an der Außenfassade seines Hauses in Würzburg jene Wärmedämmung anbringen. Doch das Problem: Sein Haus steht bereits direkt an der Grundstücksgrenze und die Nachbarn wollen keine 18 Zentimeter Dämmung auf ihrem Grundstück. Also zog der Mann mit dem Argument vor Gericht, eine vergleichbare Wärmedämmung sei auf andere Weise – als an der Innenwand – nicht zu erreichen.

Experten halten Innendämmung für machbar

Experten sagen, grundsätzlich sei eine Außendämmung besser. Sie sei vergleichbar mit einem Pullover, der über das Haus gezogen würde und auf diese Weise vollständig dämme. Zum Vergleich: Bei einer Innendämmung kann an keiner Schnittstelle zwischen Wand und Decke gedämmt werden. Hier geht immer Wärme verloren. Die Ergebnisse, so die Experten, seien jedoch sehr ähnlich.

Wäre das nicht der Fall, dann sieht das Gesetz eine Duldungspflicht des Nachbarn vor. Das bedeutet, er ist verpflichtet, die Dämmung auf seinem Grundstück hinzunehmen, sofern er nicht durch den Überbau beeinträchtigt wird.

BayObLG entscheidet in letzter Instanz

Das zuständige Amtsgericht gab dem Kläger in erster Instanz teilweise Recht und gewährte eine fünf Zentimeter dicke Dämmung an der Außenfassade – also 13 Zentimeter weniger als gewünscht. Dem Kläger reichte das nicht aus, den Nachbarn war es zu viel. Beide gingen in Berufung.

Das Landgericht Würzburg holte also ein neues Gutachten ein – und wies im Anschluss die Klage insgesamt ab. Die Revision zum Bayerischen Obersten Landesgericht hingegen ließ das Gericht zu. Dieses wird das Urteil der vorigen Instanz prüfen und ein Urteil in letzter Instanz sprechen.