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Bildrechte: Landratsamt Würzburg/ Eva Schorno

Vor dem Landratsamt Würzburg weht nun wieder die israelische Nationalflagge. Es ist bereits die zweite, die Landrat Thomas Eberth hisst. Unbekannte hatten die erste in der Nacht zum Donnerstag mutwillig zerstört.

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Nach Zerstörung: Neue israelische Flagge am Landratsamt Würzburg

Vor dem Landratsamt Würzburg weht nun wieder die israelische Nationalflagge. Es ist bereits die zweite, die Landrat Thomas Eberth hisst. Unbekannte hatten die erste in der Nacht zum Donnerstag mutwillig zerstört.

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Von
  • Josef Lindner
  • Pirmin Breninek
  • BR24 Redaktion

Landrat Thomas Eberth (CSU) nennt es einen "Gewaltakt des Antisemitismus", der ihn schockiere und gegen den er schnell ein Zeichen setzen wolle: Am Freitagvormittag hisst er erneut eine israelische Flagge vor dem Würzburger Landratsamt, nachdem die erste vom Mast gerissen und zerstört worden war.

Über mögliche Täter ist bisher nichts bekannt. Der Landrat hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. "Uns war sofort klar, dass wir eine neue Fahre hissen", sagte Eberth: "Um eben zu zeigen, wir lassen uns nicht von Gewalt, von Terror, von antisemitischem Gedankengut ins Bockshorn jagen."

Josef Schuster blickt besorgt auf Proteste am Wochenende

Der Würzburger Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte dem BR, eine neue Fahne zu hissen sei "genau die adäquate und richtige Reaktion". Er blickt mit Sorgen auf das anstehende Wochenende, an dem für mehrere deutsche Städte antiisraelische Proteste angekündigt sind. "Ich gehe aber davon aus, dass die Sicherheitsbehörden diese Demonstration alle auf dem Schirm haben und entsprechend eingreifen werden, wenn es zu antisemitischen Handlungen und Worten kommt", so Schuster.

Schuster: Antisemitisch zu skandieren geht weit über Meinungsfreiheit hinaus

In den vergangenen Tagen hatte es an verschiedenen Orten in Deutschland antisemitische Vorfälle gegeben: in Bonn, Münster oder Gelsenkirchen. "Wir haben Meinungsfreiheit, wir haben Demonstrationsrecht, das sind hohe Güter der Demokratie", erklärte Schuster. "Dabei aber Gotteshäuser anzugreifen oder antisemitisch zu skandieren, das ist weit über das hinaus, was die Meinungsfreiheit hergibt." Für Schuster ist es unverständlich, warum das Aufflammen des Konflikts im Nahen Osten, in Deutschland zu antisemitischen Parolen führt: "Hier werden Juden in Deutschland, die deutsche Staatsbürger sind, für das Geschehen in Israel verantwortlich gemacht."

Landrat Ebert mahnt zu friedlichem Miteinander

Die israelische Nationalflagge vor dem Landratsamt Würzburg war zum Gedenken an den Jahrestag der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 und an die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland am 12. Mai 1965 gehisst worden. Laut Landrat Thomas Eberth soll sie auch eine Mahnung sein für ein friedliches Miteinander aller Menschen und Religionen.

Landkreis Würzburg: Partnerschaft mit Mateh Yehuda in Israel

Der Landkreis Würzburg pflegt seit 1997 eine offizielle Partnerschaft mit der Regionalverwaltung Mateh Yehuda in Israel. Eberth sagte, dass es der erste "antisemitische Anschlag" in der Region gewesen sei.

"Die Zerstörung der Nationalflagge muss auch als Drohgebärde gegen die bei uns lebenden Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens gewertet werden. Dieser Akt der Anfeindung, Bedrohung und Gewalt muss uns alle aufrütteln, um sich gegen jede Art von Antisemitismus und Rassismus zu stemmen." Landrat Thomas Eberth

Nach der Eskalation im Nahost-Konflikt zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensergruppen hat es in Deutschland in mehreren Städten antisemitische und anti-israelische Demonstrationen gegeben. Dabei sind auch Israel-Flaggen angezündet oder entwendet worden.

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