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Nach Weihnachten: Viele Lebensmittel landen im Müll | BR24

© pa/dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Weihnachten: Viele Lebensmittel landen im Müll

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Nach Weihnachten: Viele Lebensmittel landen im Müll

In den Regalen der Supermärkte ist in diesem Jahr nach den Feiertagen besonders viel übrig geblieben. Tafeln für Bedürftige können sich deshalb über Lieferungen freuen. Kritiker befürchten, dass am Ende trotzdem viele Lebensmittel im Müll landen.

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Von
  • Betina Hummel
  • BR24 Redaktion

So genannte Foodsaver kämpfen gegen Verschwendung von Lebensmitteln. Sie machen sich Sorgen, dass besonders nach Weihnachten viele Lebensmittel weggeworfen werden. Im Leben eines Foodsavers sei der schlimmste Tag im Jahr immer der erste Tag nach den Weihnachtsfeiertagen, schreibt Tabea Piltz auf Facebook bei der Plattform "foodsharing München".

Foodsaver retten Riesenladung an nur einem Supermarkt

Die Liste der Lebensmittel, die die Lebensmittelretter am Montag von einem einzigen Supermarkt abgeholt haben, ist beeindruckend: 102 Kisten Obst und Gemüse, drei Kartons Brote und Kekse, sechs große Kisten Fleisch und Fisch, die Hälfte davon Bio, 1,5 Kisten Käse, Wurst und diverse andere gekühlte Lebensmittel, 116 Pakete Eier und 41 Pakete Tarteletts. Tabea Piltz schreibt, da habe sie sich "nur noch in die Ecke setzen und weinen" wollen.

Einkauf ist für Lebensmittelhändler Glücksspiel

Tatsächlich war die Nachfrage vor Weihnachten im Corona-Jahr für den Lebensmitteleinzelhandel schwerer einzuschätzen als sonst. Laut Matthias Zwingel, Vizepräsident des Handelsverbands Bayern, hatten die Händler Hamsterkäufe wie im März befürchtet. Das sei ein Glücksspiel, da helfe keine künstliche Intelligenz und auch nicht Erfahrung.

Kunden haben am Heiligen Abend nicht eingekauft

Am Heiligen Abend kam es dann ganz anders als erwartet. Wegen der geschlossenen Gastronomie hatten viele Händler für den 24.12. mehr als üblich geordert. Da die Kunden den Heiligen Abend aber als Einkaufstag nicht wahrgenommen hätten, sei diese Ware nun liegen geblieben.

Volle Lager bei den Tafeln für Bedürftige

Davon profitieren derzeit die Tafeln, die übrig gebliebene Lebensmittel an Bedürftige ausgeben. Etwa in der Münchner Tafel quillt das Lager im Moment über. Man werde "förmlich überschüttet", sagt Axel Schweiger von der Münchner Tafel. Der Verein hat seinen Sitz auf dem Gelände der Großmarkthalle in Sendling.

Zwar sei die Gastronomie in diesem Jahr weggefallen, aber vom Einzelhandel komme dafür mehr. So könne man an Bedürftige größere Mengen abgeben - zum Beispiel Stollen und Lebkuchen. Trotzdem sei es eine große logistische Herausforderung, alles so zu verteilen, dass möglichst nichts im Müll landen muss.

Initiative "Foodsharing" rettet Lebensmittel

Genau das ist auch das Ziel von Foodsharing, einer deutschlandweiten Initiative, die sich ehrenamtlich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Tom Majer ist am Mittwochabend wieder im Raum München unterwegs, um Lebensmittel von einem Supermarkt abzuholen. Dafür musste er mehrere Autos organisieren, um all die Kisten der übrig gebliebenen Lebensmittel auch mitnehmen zu können. "Stressig" seien diese Tage für ihn. Doch vor allem tue es ihm weh, dass Tiere sterben mussten, deren Fleisch dann im Müll landet.

Tafeln: Januar und Februar sind magere Monate

Axel Schweiger von der Münchner Tafel befürchtet dagegen, dass die Zeit, in der sie im Überfluss Lebensmittel an Bedürftige abgeben können, schon bald vorbei sein wird. Januar und Februar seien mageren Monate: "Da müssen wir ganz schön rudern, um an die benötigten Lebensmittel zu kommen."

Lebensmittelhändler verzeichnen 2020 deutlichen Zuwachs

Bei einer Steigerung von zehn bis 20 Prozent zeigt sich der bayerische Lebensmitteleinzelhandel sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Mit über 30 Milliarden Umsatz habe man im Corona-Jahr einen neuen Rekordwert erreicht, sagte der Sprecher des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

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© BR

Der erwartete Ansturm auf die Supermärkte vor Weihnachten ist ausgeblieben, die Ware bleibe in den Regalen liegen. Nun stapeln sich unverkäufliche Lebensmittel bei den Tafeln. Sie müssen versuchen, den Überfluss zu verteilen.