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Fässer im Kraftwerk Würgassen, die nach Grafenrheinfeld verladen werden sollen

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Nach vielen Jahren: Atommüll-Transport nach Unterfranken geplant

Nach vielen Jahren: Atommüll-Transport nach Unterfranken geplant

Nach vielen Jahren soll wieder Atommüll zum ehemaligen AKW Grafenrheinfeld transportiert werden. Vom AKW Würgassen in Nordrhein-Westfalen soll Müll nach Unterfranken gebracht werden. Gegner kritisieren die "Hin- und Her-Karrerei" des Atommülls.

Das Energieunternehmen PreussenElektra will vier Container mit schwachradioaktiven Abfällen vom 1994 stillgelegten Atomkraftwerk Würgassen in Nordrhein-Westfalen ins Atommüll-Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am 2015 abgeschalteten Atomkraftwerk Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt bringen. Das teilt PreussenElektra mit.

Termin für Atommüll-Transport noch unklar

Laut Almut Zyweck, der Pressesprecherin von PreussenElektra, wird der Transport ein reiner Straßentransport per LKW sein. Zusätzliche Sicherungen etwa durch Begleitfahrzeuge – wie man sie bei Schwertransporten kennt – sind daher nicht notwendig. Ob der Termin und die Strecke des Transports überhaupt im Vorfeld bekannt gegeben werden, ist ungewiss.

Nach Angaben von PreussenElektra, habe das Unternehmen bereits anlässlich der Inbetriebnahme des Atommüll-Zwischenlagers in Grafenrheinfeld Anfang Mai 2021 darüber informiert, dass es dort Abfälle lagern wolle. Die bundeseigene "Gesellschaft für Zwischenlagerung" prüfe nun die von PreussenElektra eingereichten Unterlagen. Der Termin für den geplanten Transport der Container sei noch unklar.

Atomkraft-Gegner: Kritik an "Hin- und Her-Karrerei"

Die Sprecherin des "Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft", Babs Günther, sagte auf Anfrage von BR24, dass der Transport natürlich im Rahmen des Erlaubten sei. Die Genehmigung für das Atommüll-Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Grafenrheinfeld beinhalte, dass bis zu 20 Prozent Material von anderen AKW-Standorten hier eingelagert werden dürfen. Sie kritisiert jedoch: "Das große Problem werden Atommüll-Transporte mit all ihren Gefahren darstellen. Das ist eine Hin- und Her-Karrerei, die man mit anderer Planung hätte vermeiden können", so Günther.

Auch am einstigen AKW-Standort Würgassen gibt es ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Dieses muss jedoch laut dem Schweinfurter Bund-Naturschutz-Vorsitzenden Edo Günther geräumt werden, weil an gleicher Stelle ein Eingangslager für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle von AKW aus ganz Deutschland gebaut werden soll, bevor die Abfälle letztlich ab 2027 in Schacht Konrad endgelagert werden sollen.

Proteste gegen Lagerung von Müll aus anderen AKW

Laut PreussenElektra sieht die Lagergenehmigung für Grafenrheinfeld vor, dass 20 Prozent des Einlagerungsvolumens maximal zehn Jahre lang für Abfälle aus anderen Atomkraftwerken der PreussenElektra genutzt werden darf. Gegen die Option, in der Halle auch Müll von anderen AKW – speziell vom AKW Würgassen – einzulagern, hatten in der Region bereits in der Vergangenheit Atomkraftgegner, Naturschutzverbände, Grünen-Politiker oder auch die Gemeinde Bergrheinfeld und die CSU-Kreisverbände Schweinfurt Stadt und Land protestiert.

Eine gesundheitliche Gefahr für die Bevölkerung besteht laut PreussenElektra nicht. Die Strahlung dürfe einen Wert von zehn Mikrosievert auf den Körper eines Menschen pro Jahr nicht übersteigen. Das entspreche einer Strahlung, die man bei einem Flug nach Mallorca, bei einer Röntgenaufnahme für Zähne, bei einer Mahlzeit von 150 Gramm Fisch oder bei zwei Tagen Aufenthalt in geschlossenen Räumen aufnehme.

Endlager für hochradioaktive Abfälle noch lange unklar

Ende Juni 2015 war das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld nach 33 Betriebsjahren endgültig abgeschaltet worden. Wie berichtet, soll es bis 2035 komplett verschwunden sein. Das Lager für hochradioaktive Abfälle mit 54 Castoren hat eine Betriebsgenehmigung bis 2046. Ein Endlager für solche hochradioaktiven Abfälle gibt es bundesweit jedoch noch lange nicht. Die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung und PreussenElektra gehen davon aus, dass es rund 30 Jahre lang dauern werde, bis der letzte Container aus der 101 Meter langen, 28 Meter breiten und 17 Meter hohen Halle des Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Grafenrheinfeld in den Schacht Konrad gebracht worden sein wird.

Zunächst sollte der Bundestag bis 2031 einen Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland festlegen. Dieses Endlager sollte dann bis 2050 betriebsbereit sein. Dieser Zeitplan soll aber nicht zu halten gewesen sein. Laut dem "Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung" soll jetzt zwischen 2046 bis 2068 die Entscheidung über einen Standort für die Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland fallen.

Bildrechte: BR/Norbert Steiche

Archivbild Mai 2021: Bau der Bereitstellungshalle für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Grafenrheinfeld.

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