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Bildrechte: HWK Oberfranken/S. Dörfler

Der Bamberger Diplomingenieur Matthias Grassmann tritt zur Wahl als Präsident der Handwerkskammer Oberfranken an. Er war als bisheriger Vizepräsident an der Aufklärung des Finanzskandals der Gewerbe Treuhand Oberfranken beteiligt.

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Nach Untreue-Skandal: Handwerkskammer wählt neuen Präsidenten

Der Bamberger Diplomingenieur Matthias Grassmann tritt zur Wahl als Präsident der Handwerkskammer Oberfranken an. Er war als bisheriger Vizepräsident an der Aufklärung des Finanzskandals um die HWK Tochter Gewerbe Treuhand Oberfranken beteiligt.

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Von
  • Markus Feulner

Die Handwerkskammer Oberfranken wählt eine neue Spitze. Die Nachwahl für das Präsidentenamt war notwendig geworden, nachdem der eigentliche Präsident Thomas Zimmer im Zuge eines Finanzskandals im September 2020 zurücktrat. Seitdem führt sein Vize Matthias Grassmann die Geschäfte der Handwerkskammer in Bayreuth. Grassmann, der in Bamberg einen familieneigenen Maler- und Bausanierungsbetrieb leitet, ist bislang der einzige Bewerber.

Veruntreuungen in Millionenhöhe

Die oberfränkische HWK kam ins Gespräch als im Sommer 2019 bekannt geworden war, dass ein ehemaliger leitender Mitarbeiter der HWK Tochter Gewerbe Treuhand Oberfranken (GTO), zwei Millionen Euro veruntreut hatte. In Folge der Aufklärung des Skandals gaben der damalige Hauptgeschäftsführer, Thomas Koller, und später auch der damalige Präsident der Handwerkskammer, Thomas Zimmer, ihre Posten auf. Bei beiden und weiteren ehemaligen Mitgliedern des Vorstandes der HWK sowie der ehemaligen Geschäftsführung der GTO besteht bzw. bestand der Verdacht der Untreue und der vernachlässigten Aufsichtspflicht. Die GTO erstellt Bilanzen und Jahresabschlüsse vor allem für Handwerksbetriebe, aber auch für Privatleute.

Nach Finanzskandal: Klagen gegen ehemalige Führungskräfte

Mittlerweile wurden fünf Zivilklagen wegen Veruntreuung und vernachlässigter Aufsichtspflicht eingereicht. Betroffen sind neben Koller und Zimmer auch der ehemalige Hauptgeschäftsführer der HWK Horst Eggers sowie ein ehemaliger leitender Angestellter und der ehemalige Geschäftsführer der GTO. Dabei geht es um mehrere Schadenersatzklagen der Handwerkskammer über Summen zwischen mehr als 200.000 und 600.000 Euro.

Eine dieser Klagen vor dem Arbeitsgericht Bayreuth ist bereits abgeschlossen. Darin wurde der ehemals leitende Angestellte der GTO zur Rückzahlung der veruntreuten zwei Millionen Euro verurteilt. Die übrigen vier Verfahren laufen noch. Noch nicht abgeschlossen sind die strafrechtlichen Ermittlungen zu diesen Fällen durch die Staatsanwaltschaft Hof.

Personeller Neuanfang bei HWK und Tochtergesellschaften

Der Vizepräsident der Handwerkskammer Oberfranken Matthias Grassmann hofft durch die seit Herbst 2020 erfolgte Aufarbeitung und Umstrukturierung der betroffenen Tochterfirmen GTO und dem Institut für Gewerbeförderung in Oberfranken (IFGO) Kulmbach die Kammer wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen und das Vertrauen der Handwerkerschaft zurückzugewinnen. Auch ein personeller Neubeginn solle so ermöglicht werden. Für die GTO und die IFGO wurden bereits neue Geschäftsführer bestellt. Vizepräsident Grassmann führt die HWK kommissarisch seit September 2020.

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