BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Trotz tödlichem Sturz: keine Geländer für die Walhalla | BR24

© BR

Über 140.000 Besucher haben die Walhalla bei Regensburg im vorigen Jahr besucht. In den vergangenen zehn Jahren gab es dort aber auch Unfälle. Einer endete vor vier Wochen tödlich. Geländer gibt es an der Walhalla nicht - aus Denkmalschutzgründen.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Trotz tödlichem Sturz: keine Geländer für die Walhalla

Über 140.000 Besucher haben die Walhalla bei Regensburg im vorigen Jahr besucht. In den vergangenen zehn Jahren gab es dort aber auch Unfälle. Einer endete vor vier Wochen tödlich. Geländer gibt es an der Walhalla nicht - aus Denkmalschutzgründen.

4
Per Mail sharen

Trotz Regenwetters herrscht Betrieb auf der Walhalla. Auch Felix Kompenhans läuft mit seiner Frau und seinen beiden Kindern durch einen der Säulengänge im Außenbereich der Walhalla. Schon zu Beginn der Tour hat der Frankfurter seine Kinder darauf hingewiesen, beim Laufen gut auf die steilen Treppen zu achten. Die weißen Markierungen auf dem Boden dürfen sie nicht überschreiten.

"Ganz am Anfang sieht man noch nicht, wie steil das ist, sagt den Kindern dann schon, wenn man es gelesen hat – bitte nicht den weißen Streifen übertreten." Felix Kompenhans, Besucher aus Frankfurt am Main
© BR/Sebastian Wintermeier

Die weiße Linie sollten Walhalla-Besucher stets beachten.

65 Jahre alter Mann stirbt nach Sturz

Während des gesamten Spaziergangs um den rund 50 Meter hohen Monumentalbau behält Koppenhans seine Kinder deshalb im Blick. Ein älterer Besucher ist hier vor einem Monat verunglückt: Der Mann verlor das Gleichgewicht und stürzte etwa drei Meter in die Tiefe, auf eine der steinernen Terrassen. Wenig später starb der schwer verletzte 65-Jährige in einem Regensburger Krankenhaus.

Polizei: Nur wenige Stürze an der Walhalla

Der Fall ist auf dem Schreibtisch von Josef Neft von der zuständigen Polizei in Wörth an der Donau gelandet. Dem stellvertretenden Dienststellenleiter zufolge hat es in den letzten zehn Jahren fünf Unfälle an den Walhalla-Stufen gegeben. Damit seien die Stürze kein Hauptproblem an der Walhalla, so Neft zum Bayerischen Rundfunk.

Spannungsverhältnis: Denkmalschutz contra Sicherheit

Auch wenn die Polizei selten wegen Stürzen zur Walhalla ausrücken muss: Immer wieder mal wird der Ruf nach Geländern an den Walhalla-Stufen laut. Laut Denkmalschutzgesetz steht der Sicherheit der Besucher aber auch die Denkmalerhaltung des über 175 Jahre alten Bauwerks gegenüber.

Schon aus optischen Gründen sieht deshalb Wolfgang Ederer eine Absicherung mit Geländern kritisch. Ederer ist im Vorstand des Gästeführer-Vereins Kultouren in Regensburg. Sein Verein hat im letzten Jahr etwa 100 Besuchergruppen an der Walhalla geführt. Vor der Führung würden die Teilnehmer ausdrücklich auf Gefahrenstellen hingewiesen. Ein Geländer würde die Denkmaltopografie des Gebäudes elementar schädigen, sagt Ederer. "Das komplette Bauwerk würde nicht mehr die Ästhetik ausstrahlen, wenn man sie so sicher macht, dass man die Walhalla nicht mehr so erleben kann, wie man sie gewohnt ist."

Schlösserverwaltung lehnt Geländer an der Walhalla ab

Zuständig für ein Geländer wäre die Bayerische Schlösserverwaltung. Den tragischen Unfall vor vier Wochen bedauere man sehr, sagt Sprecherin Ines Holzmüller. Die Walhalla solle aber in ihrer historischen Form erhalten bleiben - ohne Geländer. Holzmüller beruft sich dabei auf einen Landtagsbeschluss aus dem Jahr 1981. Vor knapp 40 Jahren war einstimmig beschlossen worden, dass es keine Schutzgeländer an der Walhalla geben soll. Das gilt bis heute. Für die Sicherheit der Besucher sei außerdem schon jetzt ausreichend gesorgt: Neben den zahlreichen Warnschildern gebe es auch die Bodenstreifen, die auf Gefahren hinweisen.

Besucher sind uneinig, ob es Geländer geben soll

Trotz der Gefahren: Die meisten Besucher lassen sich an der Walhalla unbekümmert fotografieren, übertreten für ein gutes Motiv manchmal sogar die weißen Linien. Andere blicken vorsichtig in die Tiefe. Über die Frage, ob Geländer sinnvoll wären, ist man sich auf den Stufen der Walhalla aber nicht einig. Eine Besucherin aus Regensburg bedauert zwar den tödlichen Unfall. Trotzdem sei sie gegen ein Geländer an den Walhalla-Stufen. Man könne nicht alles absichern. Die Gäste müssten eigenverantwortlich handeln.

Ein anderer Besucher meint, mit Warnschildern mache man es sich zu einfach. Es müsse denkmalgerecht nach einer Lösung für die Sicherheit gesucht werden. Auch wenn es steil hinuntergehe: "Ich fühle mich sicher, solange ich hier konzentriert unterwegs bin." Ein anderer Gast fordert, die teils verblichenen Sicherheitslinien an den steilen Stufen nachzuzeichnen. Geländer an dem Denkmal lehnt aber auch er ab.

© BR

Immer wieder kommt es auf der Walhalla zu Unfällen - der letzte endete tödlich: Im August stürzte ein 65-jähriger Mann und erlag seinen Verletzungen. Welche Konsequenzen sollte man daraus ziehen? Ist die Walhalla ausreichend gesichert?

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!