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Nach Testpanne: 46 positive Befunde immer noch nicht zuordenbar | BR24

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Weiter Wirbel um die Ergebnisse der bayerischen Corona-Teststationen: Anfangs hieß es, über 900 positive Ergebnisse seien übermittelt worden. Bei 46 fehlten die Daten. Nun zeigt sich: Auch da, wo Daten vorliegen, sind noch nicht alle informiert.

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Nach Testpanne: 46 positive Befunde immer noch nicht zuordenbar

Weiter Wirbel um die Ergebnisse der bayerischen Corona-Teststationen: Anfangs hieß es, über 900 positive Ergebnisse seien übermittelt worden. Bei 46 fehlten die Daten. Nun zeigt sich: Selbst da, wo Daten vorliegen, sind noch nicht alle informiert.

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Am Nachmittag hatte das Haus von Gesundheitsministerin Melanie Huml mitgeteilt, mittlerweile seien 903 Personen ermittelt worden, die an den bayerischen Teststationen positiv auf Corona getestet wurden. Zu weiteren 46 positiv Getesteten lägen jedoch keine genauen Personendaten vor. Deren positive Testergebnisse konnten deshalb bisher keinen konkreten Personen zugeordnet werden - und das, obwohl das bayerische Gesundheitsministerium auf die Mitarbeiter der Polizei zurückgreifen konnte.

Wie ein Ministeriumssprecher dem BR nun mitteilte, bedeutet das aber nur, dass man die Daten von 903 Betroffenen kennt. Denn bis Sonntag Mittag konnten nur 844 Personen tatsächlich erreicht werden. Das heißt, zu den 46 Personen, deren Daten nicht ermittelt werden konnten, kommen 59 weitere, deren Daten zwar vorliegen, die von den Behörden aber noch nicht verständigt werden konnten.

Keine Informationen darüber, woher die positiv Getesteten kamen

Um die Personen ausfindig zu machen, waren zigtausende Dokumente untersucht worden, teilte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml per Pressemitteilung mit. Unklar ist nach wie vor, wie viele der positiv Getesteten aus Bayern kommen und woher die anderen stammen. Ebenso wenig wurde mitgeteilt, aus welchen Länder die positiv getesteten Urlaubsrückkehrer gereist kamen.

Wie das Ministerium weiter erklärte, sollten nun auch die negativ Getesteten informiert werden. Für weitere Fragen hat das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Hotline eingerichtet. Sie ist auch am Sonntag von 08.00 bis 18.00 Uhr zu erreichen unter der Telefonnummer 09131/6808-5101.

Panne am Mittwoch eingestanden

Bayern hatte als erstes Bundesland Teststationen für kostenlose Tests an Autobahngrenzübergängen und an Bahnhöfen eingerichtet. Allerdings wurde bis zum 11. August nicht einmal die Hälfte der Getesteten zeitnah über ihr Ergebnis informiert. Am Mittwoch hatte Gesundheitsministerin Melanie Huml eingeräumt, dass rund 44.000 Menschen, die sich an Teststationen an Autobahnen und Bahnhöfen hatten testen lassen, noch kein Ergebnis bekommen hätten. Darunter waren auch die über 900 positiv Getesteten.

Insgesamt seien seit dem 25. Juli rund 128.000 Menschen an den bayerischen Teststationen getestet worden, bei rund 1.800 Menschen sei eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden, so das LGL.

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In der Rundschau bedauert Florian Herrmann, der Corona-Koordinator der Bayerischen Staatsregierung, zwar die Fehler, die passiert sind, betont aber auch die Notwendigkeit der schnellen Aufnahme der Testungen.

Huml blieb im Amt

Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der mit der Einrichtung der Autobahn-Teststationen bundesweit vorgeprescht war, entschuldigte sich am Donnerstag für die Panne. Huml, die ihm zweimal den Rücktritt angeboten hatte, ließ er im Amt und sprach ihr sein Vertrauen aus. Andreas Zapf wurde hingegen als Leiter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit abgelöst und ins Ministerium versetzt.

"Die Hauptverantwortung liegt beim Ministerpräsidenten"

Es sei nicht damit getan, Köpfe auszuwechseln und Verantwortung abzuwälzen, kommentierte am Nachmittag der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Horst Arnold die Testpanne. Die Hauptverantwortung liege beim Ministerpräsidenten und seinen Ministerinnen und Ministern, sagte Arnold im BR.

"Da sieht man auch die Planlosigkeit, die bei der Staatsregierung vorherrscht, denn die Übersicht über die Problematik, die war ja offensichtlich nicht da. " Horst Arnold, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion

Grüne, SPD und FDP haben nun eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses beantragt, wo die Ministerin Rede und Antwort stehen soll.

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Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag ist die Panne bei den Corona-Tests noch lange nicht erledigt. Die Staatsregierung dürfe sich nicht aus der Verantwortung herausnehmen.

"Klärung zieht sich hin wie Kaugummi"

Sein Fraktionskollege Florian von Brunn erklärte auf Twitter, die Klärung des Corona-Testversagens ziehe sich hin wie Kaugummi.

Grüne: Testchaos darf sich nicht wiederholen

In einer Stellungnahme erklärte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Ludwig Hartmann, Ministerpräsident Söder und seine Gesundheitsministerin Huml müssten lernen, ihr Handeln danach auszurichten, was leistbar und vertretbar sei:

"Das CSU-Testchaos mit deutschlandweiten Auswirkungen darf sich nicht wiederholen." Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag

"Planloses Vorpreschen von Söder"

Der Fraktionschef der FDP im bayerischen Landtag, Martin Hagen, sagte, 46 Corona-Infizierte steckten in Unkenntnis ihres positiven Testergebnisses möglicherweise weitere Menschen an. Heftige Kritik übte er an Ministerpräsident Markus Söder (CSU):

"Söders planloses Vorpreschen mag seinem Image als entschlossener Macher nützen, in der Sache hat es sich als schädlich erwiesen." Martin Hagen, FDP-Fraktionschef im Bayerischen Landtag

Statt Aktionismus brauche es eine zwischen Bund und Ländern koordinierte Strategie für das Reiserückkehrer-Management. Reisende aus Risikogebieten müssten dabei Priorität haben, so Hagen.

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Es hat lange gedauert - jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch: Nach dem Corona-Daten-Debakel bei Reise-Rückkehrern in Bayern bleiben noch 46 ungeklärte Positiv-Fälle - das gab heute das Gesundheitsministerium bekannt.