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Nach Synagogen-Anschlag: Anteilnahme und Kritik in der Oberpfalz | BR24

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Als Reaktion auf den Synagogen-Anschlag von Halle soll am Donnerstagabend vor der Jüdischen Gemeinde am Brixener Hof eine Mahnwache stattfinden. Die Deutsch-Israelische Gemeinschaft Regensburg-Oberpfalz hat dazu aufgerufen.

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Nach Synagogen-Anschlag: Anteilnahme und Kritik in der Oberpfalz

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle an der Saale ist heute eine Mahnwache vor der Regensburger Synagoge. Aus Amberg kommt Kritik: Der dortige Rabbiner Elias Dray fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.

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Als Reaktion auf den Synagogen-Anschlag von Halle soll am Donnerstagabend vor der Jüdischen Gemeinde am Brixener Hof eine Mahnwache stattfinden. Die Deutsch-Israelische Gemeinschaft Regensburg-Oberpfalz hat dazu aufgerufen.

Anteilnahme nach Anschlag

"Wir möchten unsere Anteilnahme und Solidarität gegenüber den Opfern des schrecklichen Anschlags in Halle gestern ausdrücken und uns gemeinsam schützend vor die Regensburger Synagoge stellen", erklärte Stefan Christoph, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gemeinschaft Regensburg-Oberpfalz.

Die Jüdische Gemeinde Regensburg hatte im Februar ihre neue Synagoge in der Altstadt feierlich eröffnet - 500 Jahre nach der Zerstörung der alten und 80 Jahre nach der Zerstörung der Jugendstil-Synagoge durch die Nationalsozialisten.

Das Polizeipräsidium Oberpfalz erklärte auf BR-Anfrage, man bewerte nach dem Anschlag in Halle laufend die Situation, habe die Einsatzmaßnahmen in Bezug auf die Regensburger Synagoge angepasst und die Einsatzkräfte sensibilisiert. Details wollte der Polizeisprecher nicht nennen.

© picture alliance/Gregor Fischer/dpa

Der Amberger Rabbiner Elias Dray

Der Amberger Rabbiner Elias Dray fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Jüdische Gemeinden würden von der Polizei zu wenig bewacht, sagte er dem BR. Außerdem würde zu wenig gegen Rechtsradikalismus getan.

Dray: Zugesagter Polizeischutz fehlte mehrfach

Es gebe für die jüdische Gemeinde in Amberg und die Synagoge die Abmachung mit der Polizei, während der Gottesdienste eine Polizeiwache vor der Tür zu haben. Das sei wiederholt nicht der Fall gewesen, kritisiert der Rabbiner - auch vorgestern, am Tag vor Jom Kippur, dem höchsten Feiertag der Juden. Er habe die Polizei angerufen und gefragt, warum keine Streife da sei und darum gebeten, dass zumindest zu den Feiertags-Feierlichkeiten am Mittwoch die Polizei kommt. Erst am Nachmittag seien die Beamten dann eingetroffen, nach dem Anschlag in Halle.

Brief an Innenminister

"Wir sagen seit Jahren, man muss die Sicherheit nicht abbauen, jüdische Gemeinden müssen weiter bewacht werden", so Dray. Was ihn unter anderem ärgere seien Äußerungen eines Polizisten aus Amberg, warum man eine Synagoge bewachen müsse. In einem Brief an Innenminister Joachim Herrmann will er nun darauf hinweisen, dass die Bewachung von jüdischen Einrichtungen gewährleistet sei. "Die Sicherheitslage hat sich nicht verbessert."

Rabbiner spürt zunehmenden Antisemitismus

Der Rabbiner habe den steigenden Antisemitismus in der Gesellschaft bereits lange gespürt und will seit etwa einem Jahr in Amberg ein Präventionsprojekt auf den Weg bringen. In einem "Zentrum gegen Radikalisierung" soll es Workshops für Schüler geben. Außerdem will er die Gemeinde und die Synagoge öffnen und darüber informieren. Im Januar war bereits Ludwig Spaenle in Amberg, der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung. Bislang aber seien nur Absagen auf Förderanträge gekommen, zeigt sich der Rabbiner geschockt. "Es reicht uns nicht, dass wir nach einem Anschlag sagen, wir sind in Trauer. Sind wir bereit Programme zu unterstützen?", fragt Rabbiner Dray mahnend. Die jüdische Gemeinde in Amberg hat etwa 120 Mitglieder.

Jüdische Gemeinde Regensburg erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Nach dem Anschlag in Halle werden im jüdischen Gemeindezentrum von Regensburg die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Das hat die Gemeindevorsitzende Ilse Danziger im BR-Gespräch angekündigt: "Ich habe es bisher etwas locker gesehen. Wir denken schon, dass hier noch eine heile Welt ist. Aber das hat man in Halle auch gedacht." Ab sofort werde es Ausweiskontrollen geben.

"Wir werden ganz anders kontrollieren als vorher. Es bleibt uns leider nichts anderes über." Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Regensburg