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Eva Lell.

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    Kommentar: Huml-Rettung vorerst geglückt

    In einer Sondersitzung mussten Gesundheitsministerin Huml und Staatskanzleichef Herrmann Rede und Antwort stehen. Wie konnte es zu der Corona-Test-Panne kommen? Trotz Rücktrittsforderungen bleibt Huml im Amt. Vorerst. Ein Kommentar von Eva Lell.

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    Von
    • Eva Lell

    Ist die Corona-Test-Panne nach dieser Sondersitzung für die Staatsregierung ausgestanden? Sollten nicht noch mehr Details ans Licht kommen vermutlich ja. Doch anders als von Gesundheitsministerin Melanie Huml behauptet sind nicht alle Fragen beantwortet. Beispielsweise konnte sie nicht sagen, warum nicht von Anfang an die Daten an den Teststationen digital erfasst wurden. Sie wiederholte das, was sie bisher immer gesagt hat: Es habe so schnell gehen müssen, in der Kürze der Zeit habe es keine Alternative zu Zettel und Stift gegeben.

    Strategie der Staatsregierung geht vorerst auf

    Überhaupt hielten sich sowohl Huml als auch Staatskanzleichef Florian Herrmann genau an ihre Sprechzettel, an ihre verabredete Strategie. Die geht so: Fehler einräumen, betonen, dass nur wer handelt, auch Fehler machen kann. Rechtfertigen, warum die Teststationen so schnell in Betrieb genommen werden mussten und dann herausstellen, dass Bayern weit vor allen anderen solche Teststellen für Urlaubsrückkehrer anbietet.

    In vielem hat die Staatsregierung ja recht. Bayern hat als erstes Bundesland solche Teststationen eingerichtet. Der Bund und Bundesländer, die längst Sommerferien hatten, hatten kein Konzept. Und ja, ohne die Teststationen wären die Menschen auch infiziert, die Zahl der Infizierten wäre nur nicht bekannt.

    Staatsregierung dürfte aus Panne gelernt haben

    Dennoch dürfte die Staatsregierung aus der Panne gelernt haben: Dass sich über denjenigen, der sich stets als Musterknabe über andere stellt, bei einem Fehler besonders viel Häme ergießt. Dass die Fachminister die Umsetzung der Maßnahmen enger kontrollieren müssen. Dass auch bei Pannen die Öffentlichkeit so früh wie möglich informiert werden muss. Oft hat Melanie Huml im Ausschuss geschildert, warum sie nicht schon am Montag darüber informiert hat, dass es Probleme gibt. Aus heutiger Sicht war das eine Fehlentscheidung. Das hätte die Ministerin deutlicher einräumen müssen.

    Huml unter verschärfter Beobachtung

    Staatsregierung und CSU haben bei der Sondersitzung fast alles aufgefahren, was sie personell haben: Neben der zuständigen Fachministerin kamen der Corona-Beauftragte und Staatskanzleichef Florian Herrmann und der Amtschef des Gesundheitsministeriums. Markus Blume, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär, war auch im Ausschuss und übernahm die "Abteilung Attacke". Er unterstellte der Opposition, ihr ginge es nicht um Sachaufklärung, sondern um Skandalisierung. Dabei schlug gerade er einen scharfen Ton an.

    Der Plan für die Huml-Rettung ist aufgegangen. Melanie Huml hat noch einmal eine Chance bekommen. Aber sie muss damit rechnen, dass sie nun noch mehr unter Beobachtung steht, nicht nur bei der Opposition, sondern auch bei ihren Parteifreunden, allen voran bei Ministerpräsident Markus Söder.

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