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Nach Rückkehr: Afghanischer Flüchtling beginnt Malerausbildung | BR24

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Vor dem Krieg geflüchtet, hatte er hier eine Wohnung, einen Job, zahlte Steuern und spricht deutsch - dennoch wurde Marof G. abgeschoben. Jetzt konnte er zurückkehren, weil er einen Ausbildungsvertrag in Deutschland abgeschlossen hat.

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Nach Rückkehr: Afghanischer Flüchtling beginnt Malerausbildung

Er hatte eine eigene Wohnung und einen Job, zahlte Steuern und spricht deutsch. Dennoch wurde Marof G. im vergangenen Sommer abgeschoben. Nun konnte er zurückkehren, weil er eine Lehrstelle gefunden hat.

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Letzten Sommer wurde Marof G. zusammen mit 68 weiteren abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan abgeschoben. Jetzt konnte er wieder einreisen. Laut Gesetz durfte Marof G. zurückkehren, weil er einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat, bei einem Malerbetrieb in Untergermaringen nahe Kaufbeuren.

Bürokratische Hürden

Gut ein Jahr lang hatte Marof G. sich von Afghanistan aus um seinen Ausbildungsplatz bemüht. Mit Unterstützung des Arbeitskreises Asyl Kaufbeuren kam es nun zum Vertragsabschluss. Der Weg dorthin war aber sehr beschwerlich, sagt Flüchtlingshelferin Waltraud Schürrmann.

"Die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit wurde zwei Mal verweigert, weil die Arbeit nicht qualifiziert genug war. Beim dritten Mal hat es geklappt." Waltraud Schürmann, Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren

Die Flüchtlingshelferin nennt ein zweites Problem: Ein Lehrvertrag müsse handschriftlich unterschrieben werden, komme aber in Afghanistan nie an, weil die Post dort nicht funktioniere. Darum musste Marof G. für die Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags zur deutschen Botschaft nach Pakistan reisen, sagt Schürrmann. Für all das hat sie zusammen mit ihren Unterstützern mehrere Tausend Euro an Spenden eingesammelt. Ohne die Unterstützung aus dem Ausland wäre seine Rückkehr kaum möglich gewesen.

Job neben der Lehre

"Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder in Deutschland bin, denn es ist schwierig, wenn man sieben Jahre in Deutschland gelebt hat und zurück nach Afghanistan muss. Man weiß nie, wann wieder eine Bombe fällt." Marof G.

Seit vergangener Woche ist er auch wieder im Besitz einer vorläufigen Arbeitserlaubnis. Zusätzlich zu seiner Ausbildung wird Marof G. im Nebenjob auch wieder bei der Burkhard Schweißtechnik GmbH in Kaufbeuren arbeiten, wo er bereits vor seiner Abschiebung vier Jahre lang als Schweißhelfer gearbeitet hatte. Das Unternehmen, das mehrere Flüchtlinge beschäftigt und immer auf der Suche nach Mitarbeitern ist, hatte sich ebenfalls stets für seine Rückkehr eingesetzt.

Hilfe aus Nächstenliebe

Zum neuen Ausbildungsjahr ab September beginnt Marof G. seine Lehre im Malerbetrieb von Melanie Pölt in Untergermaringen. Sie hatte ihren neuen Auszubildenden nie persönlich getroffen, als sie sich für ihn entschied.

"Es gibt keinen Grund dagegen, zum Beispiel das Vorstellungsgespräch am Telefon hat mich überzeugt, genau so wie das Arbeitszeugnis von der Firma Burkhard." Melanie Pölt

Zudem sei es für sie eine Frage der Nächstenliebe, Flüchtlingen auch mit Arbeitsangeboten zu helfen. Marof G. soll dabei in ihrem Betrieb nicht der letzte bleiben.

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Er hatte eine eigene Wohnung und einen Job, zahlte Steuern und spricht deutsch. Dennoch wurde Marof G. im vergangenen Sommer abgeschoben. Nun konnte er zurückkehren, weil er eine Lehrstelle gefunden hat.