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Nach Rezo-Video: Wie die CSU cooler werden will | BR24

© Nicolas Armer dpa/lby

CSU sucht den Draht zu jungen Menschen

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    Nach Rezo-Video: Wie die CSU cooler werden will

    Eine Social-Media-Lounge für Influencer auf dem Parteitag, die Einführung einer Online-Mitgliedschaft in der CSU, mehrere neue Formate auf Youtube: Nach dem Rezo-Debakel sucht die CSU nach neuen Wegen, junge Menschen zu erreichen. Eine Analyse.

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    Die Einladung kam via Instagram, Twitter oder E-Mail - vom CSU-Generalsekretär persönlich. Zu ihrem Parteitag in der Münchner Olympiahalle lade die CSU nicht nur "klassische Medien ein, sondern gebe "auch Influencern, Youtubern und Bloggern" den Raum, sie zu begleiten, schrieb Markus Blume an ausgewählte Social-Media-Persönlichkeiten: "Ich bieten Ihnen an, uns bei der politischen Arbeit über die Schulter zu schauen, exklusive Einblicke zu erhalten und dabei mit den führenden Politikern der CSU ins Gespräch zu kommen."

    Schon vor Monaten hatte CSU-Chef Markus Söder die Losung ausgegeben, seine Partei müsse nicht nur weiblicher, sondern auch jünger und cooler werden. Das soll sich auch auf dem Parteitag am Freitag und Samstag zeigen. Für Influencer wird eigens eine Social-Media-Lounge eingerichtet. Die Delegierten sollen ferner die Möglichkeit einer Online-Mitgliedschaft beschließen, die es jungen Menschen erleichtern soll, sich in der Partei einzubringen. Nach Söders Willen soll die CSU die "erste Digitalpartei" Deutschlands werden.

    CSU-Generalsekretär Blume: Positive Resonanz

    Generalsekretär Blume sieht die CSU jetzt schon als Vorreiter: "Wir sind die erste Volkspartei in Deutschland, die Influencer genauso selbstverständlich zum Parteitag einlädt wie Journalisten", sagt er auf BR-Anfrage. Wie viele und welche Influencer die Einladung bekommen haben, verrät die CSU nicht - und folglich auch nicht, ob der Youtuber Rezo angeschrieben wurde, dessen Video "Die Zerstörung der CDU" vor der Europawahl großen Wirbel ausgelöst hat und auch mit der CSU hart ins Gericht ging.

    Bei der Frage nach der Resonanz auf die CSU-Einladung hält sich Blume ebenfalls bedeckt: "Das Signal, diese Multiplikatoren ernst zu nehmen und als mediale Beobachter willkommen zu heißen, ist sehr positiv aufgenommen worden."

    Politikberater: "Die CSU ist innovativ"

    Auch der Hamburger Politik- und Digitalberater Martin Fuchs attestiert der CSU, dass sie in dieser Hinsicht innovativ sei. "Sie ist meines Wissens die erste Partei, die das so institutionalisiert angegangen ist." Spätestens seit dem Rezo-Video sei klar, dass die Parteien auch mit anderen Multiplikatoren genauso umgehen müssten wie mit klassischen Journalisten. Zwar sei das Vertrauen von Bloggern, Instagramern, Youtubern und Co. zur CSU "im Moment nicht sehr groß", sagt Fuchs. Sollte die CSU das aber "langfristig durchziehen", werde es mit der Zeit sehr erfolgreich sein.

    CSU-Generalsekretär Blume jedenfalls lässt den Willen erkennen, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten: Die CSU sei zwar immer noch in der Experimentierphase, sagt er. "Sicher ist aber, dass wir diesen Dialog dauerhaft fortsetzen werden."

    Tilo Jung: Die CSU will mehr PR

    Zum Kreis derer, die von Blume eine Einladung bekommen haben, zählt auch Tilo Jung, "freier Chefredakteur" der politischen Interview-Sendung Jung & Naiv. "Das zeigt, wie sehr die CSU keine Ahnung hat, wen sie da einlädt - wenn sie einen Journalisten anschreibt, der gar kein Influencer ist", sagt Jung dazu.

    Er hält die Einladung von ausgewählten Influencern durch die CSU in erster Linie für ein PR-Manöver. Statt Blogger und Youtuber zu ermuntern, sich wie Journalisten für den Parteitag zu akkreditieren, suche sich die CSU bestimmte Influencer aus, die wie Promis behandelt würden. "Sie sollen ein eigenes Angebot bekommen, eine Social-Media-Lounge, damit es eine Berichterstattung gibt, wie cool die CSU ist." Die Partei behandle Influencer wie menschliche Litfaßsäulen. Jung wertet dies als Signal dafür, dass die CSU weniger Journalismus wolle, sondern "mehr PR und mehr unkritische Berichterstattung".

    Seehofers Facebook-Party

    Doch die CSU sucht nicht erst seit dem Rezo-Video nach neuen Wegen, junge Menschen zu erreichen. Vor der Bundestags- und Landtagswahl gab es zu den TV-Duellen der Spitzenkandidaten jeweils eine CSU-Twitter-Party mit Public Viewing. Seit drei Jahren können User auf Facebook dem CSU-Chatbot Leo Fragen stellen. Und schon 2012 lud der damalige Parteichef Horst Seehofer als erster deutscher Politiker zu einer Facebook-Party ein - in die Münchner Nobeldisco P1. Sie bescherte Seehofer zwar ein großes Medieninteresse, wurde von Beobachtern aber als Flop gewertet. Es blieb eine einmalige Aktion.

    "Die CSU war immer die Erste, die Sachen ausprobiert hat", sagt Digitalberater Fuchs und bescheinigt der Partei in dieser Hinsicht eine Art Start-Up-Mentalität. "Ich finde es sehr gut, dass die CSU mit neuen Formaten um die Ecke kommt, ohne jahrelang Theorien geschrieben zu haben, und einfach ausprobiert, ob man politische Kommunikation verändern kann."

    Suche nach neuen Youtube-Formaten

    Einen Youtube-Kanal hat die CSU zwar schon seit 2008. In den vergangenen Wochen ist bei den Christsozialen aber verstärkt die Suche nach neuen Formaten zu beobachten. So kommentieren in unregelmäßigen Abständen Generalsekretär Blume oder sein Stellvertreter Florian Hahn den "Fail des Tages". Pünktlich zum morgigen Parteitag veröffentlichte die CSU die zweite Episode ihres Politik-Podcasts "Neue Töne" - ein Dialog-Format, das Politik greifbarer machen soll.

    Häme für CSYOU

    Dass sie im Umgang mit sozialen Medien noch einiges lernen muss, bekam kürzlich vor allem die CSU-Landesgruppe zu spüren, als sie die erste Folge ihrer neuen Youtube-Show "CSYOU" veröffentlichte: Das Ergebnis wurde mit Hohn überschüttet. "CSYOU ist die schlechtmöglichste Antwort auf Rezo gewesen, die man machen konnte", sagt Fuchs. Rezo und andere hätten der Union ja vorgeworfen, dass sie die junge Generation und deren Themen nicht ernst nehme. "Das erste Video von CSYOU macht aber genau das wieder: Es nimmt auf provokante Art die Forderungen und die Lebensrealität junger Bürger nicht ernst." In der Show spottete Moderator Armin Petschner unter anderem über die Klimabilanz des Segeltörns der Klimaaktivistin Greta Thunberg in die USA und die Flüge von Bundestagsabgeordneten der Grünen.

    Ein falscher Ansatz sei auch Söders Vorgabe, die CSU solle cooler werden, betont Fuchs, der Ministerien und Parteien zu digitaler Kommunikation berät. Politik müsse einen seriösen Anspruch haben, um die Probleme des Landes und der Welt zu lösen. "Es geht nicht darum, ob es cool ist." Sehr wohl sollte aber die Art und Weise der politischen Kommunikation frischer werden, sagt der Experte. Dabei gehe es um eine Änderung der Kultur, der Struktur und der Prozesse in der Partei. "Bis da die CSU moderner und cooler ist, dauert das noch ein paar Jahre."