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Nach mutmaßlichem Neonazi-Angriff: Vorwürfe gegen Polizei | BR24

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Zwei mutmaßliche Neonazis haben einen Reisenden in einem Zug zwischen Würzburg und Lohr angegriffen und im Gesicht verletzt. Der 64-Jährige hatte die beiden zuvor angeblich aufgefordert, ihre laute Rechtsrockmusik auszuschalten.

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Nach mutmaßlichem Neonazi-Angriff: Vorwürfe gegen Polizei

Nachdem ein Reisender in einem Regionalexpress zwischen Würzburg und Lohr am Main von zwei Männern angegriffen wurde, wird der Bundespolizei in den sozialen Medien vorgeworfen, sie habe die Tat vertuschen wollen und sei "auf dem rechten Auge blind".

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Zwei Männer waren laut Bundespolizei mit dem Regionalexpress von Würzburg kommend in Richtung Frankfurt am Main unterwegs und hörten dabei über einen Lautsprecher Musik. Als ein 64-Jähriger sie aufforderte, die Lautstärke zu verringern, gingen die beiden auf diesen los.

Wie der 64-Jährige später im Krankenhaus Reportern berichtete, habe es sich bei der Musik um Rechtsrock gehandelt. Zudem hätten die Männer wie Neonazis ausgesehen.

Pressebericht: kein Wort von rechtsradikalen Texten

Davon ist in der gemeinsamen Presseerklärung der Bundespolizeiinspektion und der Staatsanwaltschaft Würzburg jedoch nichts zu lesen. Stattdessen heißt es nur, dem 64-Jährigen sei die Musik zu laut gewesen und er habe die Männer deshalb aufgefordert, die Lautstärke zu verringern.

Nach der Schilderung des Opfers wird nun der Polizei in sozialen Medien vorgeworfen, sie wolle die Tat vertuschen und sei "auf dem rechten Auge blind".

Ermittler werten Material aus

Peter Wolf, Sprecher der Bundespolizei Würzburg, widerspricht diesem Vorwurf. Bisher könne noch nicht zweifelsfrei bestätigt werden, dass es sich bei den Männern um Neonazis handelt und dass sie Rechtsrock gehört haben. "Wir sichten derzeit das Bildmaterial und werten die sichergestellten Handys der Tatverdächtigen aus."

Da der Geschädigte deutscher Staatsbürger sei, vermute man bei der Tat keinen rechtsradikalen Hintergrund. "Deshalb halten wir uns mit Aussagen derzeit zurück."Rein optisch seien die Männer – unter anderem aufgrund der Kleidung und der Tätowierungen – allerdings tatsächlich der rechten Szene zuzuordnen.

Opfer massiv im Gesicht verletzt

Die Tat hat sich laut Bundespolizei Würzburg bereits am 15. Juli ereignet: Die beiden aus Sachsen stammenden Männer im Alter von 34 und 40 Jahren waren am Abend mit dem Regionalexpress unterwegs gewesen und hatten dort über einen transportablen Lautsprecher Musik gehört. Auf die Aufforderung des 64-jährigen Mitreisenden hin, die Musik leiser zu machen, waren sie sie aufgesprungen und hatten dem aus dem Landkreis Main-Spessart kommenden Mann mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Erst als ein Zugbegleiter dazu kam, hatten die Angreifer von ihrem Opfer abgelassen.

Der 64-Jährige erlitt durch die Schläge massive Verletzungen im Gesichtsbereich und musste ins Klinikum Lohr gebracht werden. Die beiden Männer sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Tatverdächtige sind polizeibekannt

Die beiden seien polizeibekannt und in der Vergangenheit wegen diversen Straftaten aufgefallen. Auf Nachfrage des BR wollte sich Wolf nicht dazu äußern, ob diese Straftaten mit dem rechten Milieu zusammenhängen.

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Nachdem ein Reisender in einem Regionalzug zwischen Würzburg und Lohr am Main von zwei Männern angegriffen wurde, wird der Bundespolizei in den sozialen Medien vorgeworfen, sie habe die Tat vertuschen wollen. Pressesprecher Peter Wolf widerspricht.