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Franken89: Nach Musikwunsch mit Briefen aus der DDR überschwemmt | BR24

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Am 17.Juni 1989 hört Marion Martin aus Schondra (Lkr. Bad Kissingen) die Bayern 3-Sendung "Grüß doch mal rüber". Sie ruft dort an und wünscht sich ihr Lieblingslied. Danach wird sie mit Briefen aus der DDR überflutet.

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Franken89: Nach Musikwunsch mit Briefen aus der DDR überschwemmt

Es ist der 17. Juni 1989. Im Westen damals ein Feiertag: Tag der Deutschen Einheit. Marion Martin aus Schondra hört die Bayern 3-Sendung "Grüß doch mal rüber". Sie ruft dort an und wünscht sich ihr Lieblingslied. Die Reaktionen konnte niemand ahnen.

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Es ist der 17. Juni 1989. Im Westen damals ein Feiertag: Tag der Deutschen Einheit. Marion Martin aus dem unterfränkischen Schondra hört die Sendung "Grüß doch mal rüber" auf Bayern 3. Spontan beschließt sie, dort anzurufen und sich ihr Lieblingslied zu wünschen. Was dann geschieht, macht sie bis heute fassungslos.

25-Jährige wollte einfach ihr Lieblingslied im Radio hören

So richtig hatte Marion Martin, gar nicht mitbekommen, dass die Sendung, die sie gerade im Radio hörte, zum Tag der Deutschen Einheit war. Sie wusste nur, man kann sich Lieder wünschen. Kurzerhand wählte die damals 25-Jährige die Nummer und wünschte sich ihr Lieblingslied "Don't cry Daddy" von Elvis Presley. Gefragt nach ihren Hobbys, erzählte sie dann, dass sie gerne Briefe schreibt. Was sie nicht ahnte: hunderte von DDR-Bürgern hörten auf der anderen Seite der Grenze mit.

"Es war schon eine gewisse Aufregung dabei, dass man jemand aus Bayern hörte mit so einem Anlass." Ronald Matthes aus Thüringen

Gewaltige Resonanz aus der DDR

Zwei Wochen später bekam Marion Martin Post – ein großer dicker Umschlag vom Bayerischen Rundfunk. Drin waren mehr als 70 Briefe, alle aus der DDR. Alle von Leuten, die Kontakt zu der sympathischen jungen Frau aus dem Westen suchten, die so gerne Briefe schreibt. Und es wurden immer mehr. Briefe, Fotos, getrocknete Blumen, selbstgetöpferte Keramik. Marion Martin war überwältigt.

"Es war der Wahnsinn, ich hätte ja nie gedacht, dass das so ausgeht – gar nicht." Marion Martin

Besuchslawine nach der Grenzöffnung

Dann kam der 9. November 1989: Die Grenzen waren offen und die Begeisterung im Osten wie im Westen grenzenlos. Dass kurz darauf der erste Trabbi bei Marion Martin vor der Haustür stehen würde – damit hätte sie nie gerechnet. Das ganze Wochenende klingelte ein Ost-Besuch nach dem anderen bei Martins. Nachdem der erste Schreck überwunden war, wurden auch alle herzlich aufgenommen. Essen, Trinken, Übernachtungsplätze, alles haben die Martins organisiert. Bis tief in die Nacht wurde geredet, gelacht, gefeiert.

"Es war einfach Euphorie, die Grenze war offen, das konnte man gar nicht so schnell verarbeiten. Und die Euphorie hat uns dann einfach in's Auto setzen lassen und wir sind losgefahren." Ronald Matthes

Freundschaft hält bis heute an

Zu einer der Familien hat Marion Martin bis heute Kontakt: Ronald und Marion Matthes aus Bodelwitz nahe Jena waren damals nach der Schule mit ihren Kindern spontan ins Auto gestiegen und losgefahren. Heute sind sie selbst überrascht, wie selbstverständlich sie damals davon ausgegangen sind, dass Marion Martin sie mit offenen Armen empfangen würde. Doch die Euphorie nach der Grenzöffnung war wie ein Rausch. Geblieben ist eine Freundschaft, die jetzt schon seit 30 Jahren hält. Jedes Jahr rund um den Tag der Deutschen Einheit treffen sie die Familien und feiern quasi ihre ganz persönliche Wiedervereinigung.

© Sigrid Korn/BR-Mainfranken

Es ist der 17. Juni 1989. Im Westen damals ein Feiertag: Tag der Deutschen Einheit. Marion Martin aus Schondra hört die Bayern 3-Sendung "Grüß doch mal rüber". Sie ruft dort an und wünscht sich ihr Lieblingslied. Die Reaktionen konnte niemand ahnen.