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Papst Benedikt XVI. im Profil in weißem Gewand, im Rollstuhl sitzend, beide Hände zum Gruß erhoben. Archivbild aus dem Jahr 2020.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist Ehrenbürger mehrerer Kommunen. Nun wird diskutiert, ob er das bleiben soll. (Archivbild)

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe
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    Nach Missbrauchs-Gutachten: Bleibt Benedikt XVI. Ehrenbürger?

    Das Gutachten über Fälle sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese München hat Schockwellen ausgelöst - weit über die katholische Kirche hinaus. Einige oberbayerische Gemeinden diskutieren, ob sie Ex-Papst Benedikt noch als Ehrenbürger haben wollen.

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    Susanne HagenmaierSusanne HagenmaierChristine HaberlanderChristine HaberlanderBirgit GrundnerBirgit GrundnerChristina SchmittChristina Schmitt
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    235 mutmaßliche Täter, vermutlich weit mehr als 500 Geschädigte, Straftaten, Fehlverhalten und Vertuschung allerorten: Das war das dramatische Bild, das ein am 20. Januar veröffentlichtes Gutachten zu Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum München und Freising offenlegte. Das Gutachten belastet auch den emeritierten Papst Benedikt XVI. schwer - spätestens seit er noch eine Falschaussage zugeben musste, ist die Empörung enorm.

    Lange Zeit war man stolz auf den emeritierten Papst, an seinem Geburtsort Marktl am Inn sowie an seinen Wirkungsstätten. Benedikt XVI. wurde mancherorts zum Ehrenbürger ernannt. Doch jetzt stellen sich einige die Frage: Kann er das bleiben?

    Freisinger Stadtrat will über Ehrenbürger-Würde diskutieren

    Diese Frage wird etwa in Freising diskutiert. Joseph Ratzinger, der spätere Papst, hat insgesamt zwölf Jahre dort gelebt. Er hat dort studiert und gelehrt. 1977 wurde er Erzbischof von München und Freising. An seine Zeit in der Domstadt erinnerte auch sein päpstliches Wappen, in dem der "Freisinger Mohr" und der Korbiniansbär zu sehen waren. Als Papst hat Ratzinger die Stadt im September 2006 erneut persönlich besucht, und er wurde 2010 zu deren Ehrenbürger ernannt.

    Anträge zum Thema der Ehrenbürger-Würde seien im Stadtrat zwar bisher nicht eingegangen, teilte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) auf BR-Anfrage mit. Allerdings sei das auch gar nicht nötig, "da wir den Sachverhalt von uns aus prüfen und bewerten werden".

    Aus Eschenbachers Sicht ist das Thema "sicher nicht so schnell im Stadtrat behandelbar". Ein Zeitpunkt lasse sich noch nicht nennen. Denn die aktuelle Entwicklung und die Umstände seien sehr komplex. "Auch wir müssen uns die Vorwürfe, sprich das Gutachten, genauer durchlesen, von Verwaltungsseite bewerten und dann politisch entscheiden", so der Freisinger Rathauschef.

    Diskussion um Ehrenbürger-Würde in Traunstein

    Auch in Traunstein und Tittmoning ist der emeritierte Papst Ehrenbürger. Joseph Ratzinger hat als Kind einige Zeit in Tittmoning verbracht, seine Jugend in Traunstein - dort feierte er auch zusammen mit seinem Bruder Georg seinen ersten Gottesdienst als Priester.

    Auf BR-Anfrage teilte die Pressestelle der Stadt Traunstein mit, dass im Stadtrat in Sachen Ehrenbürgerwürde von Papst Benedikt "eine breite und intensive Diskussion geführt werden wird". Andreas Bratzdrum (CSU), der Bürgermeister der Stadt Tittmoning, bat schriftlich um Verständnis, dass man die Angelegenheit zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren werde. Der Stadtrat werde sich zu gegebener Zeit damit beschäftigen.

    "Grüne Jugend" plant Protest-Aktion in Traunstein

    In Traunstein gibt es bereits Proteste. Die Bronze-Büste des emeritierten Papstes vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald wurde für kurze Zeit von einem Unbekannten mit braunem Paket-Band zugeklebt. Nach kurzer Zeit war die Verhüllung wieder entfernt. Bereits am Tag, an dem das Missbrauchs-Gutachten vorgestellt worden war, war die Büste Ziel einer Protestaktion einer Unterwössener Künstlerin gewesen. Sie verdeckte ein Auge der Papst-Büste mit einer schwarzen Augenklappe.

    Die "Grüne Jugend Traunstein" plant für kommenden Montag eine Aktion an der Papst Benedikt-Büste vor der Stadtpfarrkirche am Traunsteiner Stadtplatz. Die Jung-Politiker wollen kritische Zitate von Papst Benedikt an der Büste anbringen und so zeigen, dass der emeritierte Papst kein Vorbild für die Jugend sein könne. In der Einladung zu dem Protest fordert die Organisation "eine kritische Auseinandersetzung der Stadt mit ihrem Ehrenbürger und dem Träger ihres Traunsteiner Ehrenrings".

    Auch in Benedikts Geburtsort Marktl wird diskutiert

    Geboren wurde der spätere Papst 1927 in Marktl am Inn; auch dort ist er Ehrenbürger. "Natürlich schlägt die Veröffentlichung des Gutachtens auch in Marktl hohe Wellen", so Marktls Erster Bürgermeister Benedikt Dittmann in einer Mitteilung auf BR-Anfrage. "Aus meiner Sicht sollte man Papst Benedikt XVI. zunächst die Möglichkeit geben, das Gutachten zu lesen, und eine eigene, detaillierte Stellungnahme dazu abzugeben, bevor wir über weitere Schritte beraten werden."

    Auch im Regensburger Stadtrat zeichnet sich eine Debatte über die Ehrenbürgerwürde für Papst Benedikt ab.

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