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Nach Fund des toten Babys: Wo verzweifelte Mütter Hilfe finden | BR24

© BR/Zara Kroiß

Immer wieder kommt es zu solchen Katastrophen, in denen Babys tot aufgefunden werden. Im vergangenen Jahr zum Beispiel in Landshut und in Tirschreuth- trotz zahlreicher Hilfsangebote für werdende Mütter in Notsituationen.

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Nach Fund des toten Babys: Wo verzweifelte Mütter Hilfe finden

Am ersten Weihnachtsfeiertag ist in einer Mülltonne in Regensburg ein totes Neugeborenes gefunden worden. Als die Mutter es aussetzte, lebte es womöglich noch. Wäre die Tragödie zu verhindern gewesen? Hilfsangebote gibt es.

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Von
  • Zara Kroiß

Der Fall hat an Weihnachten viele berührt: Eine Frau fand am ersten Weihnachtsfeiertag ein totes Baby in einer Mülltonne im Regensburger Osten. Der Säugling starb möglicherweise durch Ersticken oder an einer Unterkühlung. Die Mutter sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Angeblich befand sich die 24-Jährige in einem psychischen Ausnahmezustand.

Immer wieder kommt es zu solchen Katastrophen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel in Landshut und in Tirschreuth, wo tote Babys gefunden wurden - trotz zahlreicher Hilfsangebote für werdende Mütter in Notsituationen.

Babyklappe an der Hedwigsklinik

An der Klinik St. Hedwig in Regensburg gibt es seit 20 Jahren unter anderem die sogenannte Babyklappe, hier erfolgt eine mögliche anonyme Kindsabgabe. Die Babyklappe befindet sich in einem geschützten Bereich, der von außen zugängig ist. In der Klappe befindet sich ein Bett, in das das Baby hineingelegt werden kann. Durch das Hineinlegen wird ein Sensor aktiviert, der anschließend mit einer 30 sekündigen Zeitverzögerung beim Klinikpersonal ein Alarm ertönen lässt. Gleich darauf wird das Baby für weitere Behandlungen und Untersuchungen entnommen.

Jedes Jahr

Sabine Beiser ist seit elf Jahren Geschäftsführerin der Klinik St. Hedwig in Regensburg. In dieser Zeit hat sie zwölf Kindsabgaben durch die Babyklappe miterlebt, unter anderem auch im letzen Jahr. Sie ist dankbar für dieses Konzept.

"Wenn eine Mutter in den Notstand kommt und für sich erkennt, das Kind nicht versorgen zu können, dann hat sie hier die Möglichkeit, das Kind abzugeben, um es dann auch in Hände geben zu können, wo das Kind für sich eine gesicherte und eine gute Zukunft hat." Sabine Beiser, Geschäftsführerin der Klinik St. Hedwig

Wünschenswert wäre laut Beiser, wenn eine Mutter ihrem Kind etwas Persönliches mitgeben würde. Einen Zettel zum Beispiel, auf dem der Geburtszeitpunkt notiert ist, einen persönlichen Wunsch, Kleidung oder ein Stofftier. "Damit das Kind auch einfach einen Anfang seines Lebens erlebt.", so Sabine Beiser.

Anonyme Geburten im Moses-Projekt

Neben der Babyklappe gibt es auch noch die Option einer anonymen oder einer vertraulichen Geburt. Bei der anonymen Geburt, dem sogenannten Moses-Projekt, das die Klinik St. Hedwig zusammen mit dem Beratungsverein "Donum Vitae" durchführt, muss die Mutter ihre Identität bis zuletzt nicht preisgeben. Sie gebärt das Kind in der Klinik und gibt es anschließend zur Adoption frei. Im Vergleich zur Babyklappe sehen die Verantwortlichen hier den Vorteil, dass die Geburt in einem medizinischen Setting erfolgen kann.

Wichtige Infos für die Kinder

Bei der vertraulichen Geburt werden die Kontaktdaten der Mutter nämlich erfasst - im Gegensatz zur anonymen Geburt. Das Kind hat somit die Möglichkeit, mit dem 16. Lebensjahr diese Kontaktdaten einsehen zu können und anschließend Kontakt aufzunehmen. Der Wunsch der Kinder, zu wissen woher sie kommen und warum ihre Mutter sie damals zur Adoption freigegeben hat, sei oftmals sehr groß.

Respekt für die betroffenen Frauen

Klinik-Geschäftsführerin Beiser zollt jeder Frau größten Respekt, die sich für eine anonyme oder vertrauliche Geburt entschließt, um ihrem Kind eine Zukunft geben, weil sie es sich vielleicht selber nicht leisten kann: "Es steht uns nicht zu darüber zu urteilen. Ich glaube, es sind Einzelschicksale. Das sind wirklich Ausnahmezustände, in denen sich diese Frauen befinden."

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Sabine Beiser, Geschäftsführerin der Klinik St. Hedwig, in Regensburg.

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30 Sekunden nachdem das Baby in die Klappe gelegt wurde, erhält das Klinikpersonal einen Alarm.

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Seit 20 Jahren gibt es an der Klinik St. Hedwig die Babyklappe zur anonymen Kindsabgabe.

Hinweis: Die nächste Babyklappe für die Region Regensburg ist in der Klinik St. Hedwig in der Steinmetzstraße 1-3 in Regensburg zu finden. Zu erreichen sind die Zuständigen auch telefonisch, unter 0941/20800.

Psychologische Unterstützung für Betroffene gibt es unter anderem von Pro Familia. An der Schergenbreite 1 in Regensburg ist die Einrichtung mit einer Beratungsstelle vertreten. Beratung gibt es dort auch telefonisch unter der 0941/704455.

Hilfsangebote gibt es auch von Seiten der Caritas. Hier bietet die Schwangerschaftsberatungsstelle in Regensburg Hilfe für Frauen vor und nach der Geburt an. Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsanfragen ist in der Adolf-Schmetzer-Str. 2-4 in Regensburg und telefonisch erreichbar unter 0941/799920.

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