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Die Reaktionen der Spitzenkandidaten auf die Ergebnisse des Wahlabends.
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Autoren

Ulrich Trebbin
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Die Reaktionen der Spitzenkandidaten auf die Ergebnisse des Wahlabends.

Grüne in Hochstimmung

In Champagnerlaune sind natürlich die Wahlgewinner: Die Grünen haben im Vergleich zur Landtagswahl 2013 (8,6%) ihr Ergebnis mehr als verdoppelt auf derzeit 17,7 Prozent.

Dementsprechend war für die Spitzenkandidatin Katharina Schulze auf der Wahlparty der Grünen natürlich begeistert.

"Danke für dieses historische Ergebnis! Dieses Ergebnis hat Bayern jetzt schon verändert. Dafür vielen Dank!" Katharina Schulze, Grüne

Diesem Wunsch hat Ministerpräsident Markus Söder aber schon eine vorläufige Absage erteilt. Er werde mit allen bürgerlichen Parteien reden, bevorzuge aber ein bürgerliches Bündnis mit den Freien Wählern.

Der bayerische Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann wirbt trotzdem für eine pragmatische Arbeitsteilung in einer möglichen Koalition. Die beiden Parteien seien inhaltlich weit auseinander, sagt Hartmann in der ARD. "Aber ich glaube auch, man muss mal drüber nachdenken, ob man dieses 'Das Beste aus beiden Welten' vielleicht eines Tages zusammenbringen kann."

Grünen-Landesvorsitzender Eike Hallitzky

Grünen-Landesvorsitzender Eike Hallitzky

Wahlschlappe für die CSU

Die CSU hat sich nach den letzten Umfragen im BayernTrend auf eine große Schlappe vorbereiten müssen. Nach 47,7 Prozent bei der Landtagswahl vor 5 Jahren waren zuletzt 33 Prozent vorhergesagt. Nicht ganz so schlimm ist es gekommen, aber die absolute Mehrheit hat die CSU mit derzeit 37,3 Prozent trotzdem weit verfehlt. Sie braucht also mindestens einen Koalitionspartner.

Ministerpräsident Markus Söder ist vorhin zerknirscht vor die Kameras getreten. Er spricht von einem teils schmerzhaften Resultat.

"Wir nehmen das Ergebnis auch an, auch mit Demut, und wir werden aus dem Ergebnis auch Lehren ziehen müssen. Aber eines steht auch fest: Entgegen mancher Prognosen, entgegen mancher Diskussionen, mancher Kommentare - die CSU ist nicht nur stärkste Partei wieder geworden, sie hat auch den klaren Regierungsauftrag erhalten." Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident

Markus Söder weicht im ZDF der Frage aus, ob CSU-Chef Horst Seehofer Konsequenzen nach den Wahlverlusten ziehen muss. Es sei insgesamt kein Rückenwind gekommen vom Bund. "Berlin muss ein Stück weit stabiler, stärker, konstruktiver werden, da sitzen glaube ich alle im gleichen Boot", sagt Söder.

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer räumt ebenfalls ein "schlechtes Ergebnis" ein. Der Grund dafür sei aber am wenigsten in der Landesregierung zu suchen, verweist er nach Berlin. Personelle Konsequenzen will er aber am heutigen Abend ebenfalls noch nicht laut andenken.

"Personalfragen gibt es heute nicht zu besprechen, auch in den nächsten Tagen nicht." Thomas Kreuzer im BR Fernsehen

Die CSU habe den klaren Regierungsauftrag, seine Fraktion werde Markus Söder als Ministerpräsidenten vorschlagen, so Kreuzer.

Ministerpräsident Markus Söder

Ministerpräsident Markus Söder

Erwin Huber legt Seehofer Rücktritt nahe

Nach dem schlechten Wahlergebnis der CSU hat der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber dem aktuellen Parteichef Seehofer indirekt nahegelegt, sein Amt abzugeben. Er selbst habe nach der Landtagswahl 2008 ebenfalls die Verantwortung übernommen und sei zurückgetreten.

Hart ins Gericht mit ihrer Partei geht die langjährige Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Die CSU habe lange nicht begriffen, dass man rechts nicht so viele Wähler zugewinnen könne, wie man sie in der Mitte verliere.

Barbara Stamm, CSU

Barbara Stamm, CSU

SPD halbiert ihr Ergebnis

Grabesstimmung herrscht natürlich bei der SPD. Sie sind - noch schlimmer als erwartet - der große Wahlverlierer. Während die Sozialdemokraten 2013 (20,6%) noch zweitstärkste Kraft waren, müssen sie sich nach derzeitigem Stand (9,6 Prozent) mit einem kläglichen 5. Platz begnügen.

Die bayerische SPD-Spitzenkandidatin und Landesvorsitzende Natascha Kohnen schließt einen eigenen Rückritt nicht aus. Man werde nach der Niederlage über alles reden und damit meine sie auch über alles, sagt Kohnen in München. Die SPD müsse den "tiefen Glauben an die Sozialdemokratie" wieder herstellen und eine ganz klare Haltung zeigen.

"Das wird kein einfacher Weg." Natascha Kohnen

Der ehemalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) fordert "grundlegende Konsequenzen" für seine Partei. Die SPD befinde sich im freien Fall. Es müsse deshalb alles auf den Prüfstand.

Natascha Kohnen, Spitzenkandidatin der SPD

Natascha Kohnen, Spitzenkandidatin der SPD

Freie Wähler voller Hoffnung

Die Freien Wähler können hoffen: Ihr Ergebnis mit vorerst 11,6 Prozent ist zwar nur ein Stück besser als vor 5 Jahren (9,0%), aber sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach der schmerzloseste Partner der CSU für eine Koalition. Derzeit würde es für eine Koalition von CSU und Freien Wählern reichen.

"Wir können uns vorstellen, Verantwortung zu übernehmen", Michael Piazolo, Generalsekretär der Freien Wähler

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, rechnet mit einer Koalition mit der CSU. Man werde der CSU "machbare Vorschläge" auf den Tisch legen. "Ich bin sicher, die CSU wird anbeißen", sagt Aiwanger im ZDF.

"Ich wär bereit. Wenn er (Söder) Ja sagt, dann pack mer's." Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler

Hubert Aiwanger, Spitzenkandidat der Freien Wähler

Hubert Aiwanger, Spitzenkandidat der Freien Wähler

AfD will Neuwahlen im Bund

Die AfD ist das erste Mal bei einer Bayerischen Landtagswahl angetreten und hat aus dem Stand derzeit 10,2 geholt.

Die AfD-Politikerin Alice Weidel forderte angesichts der Ergebnisse in Bayern Neuwahlen im Bund.

"Das ist keine große Koalition mehr in Berlin. Das ist eine Mini-Koalition die den Wählerwillen nicht mehr abbildet." Alice Weidel, AfD

Martin Sichert, AfD-Vorsitzender

Martin Sichert, AfD-Vorsitzender

Zentralrat der Juden: AfD in Bedeutungslosigkeit versenken

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert alle Demokraten auf, der AfD entschieden entgegenzutreten.

"Denn eine Partei, die gegen Minderheiten hetzt, die die Religionsfreiheit einschränken will und Antisemiten in ihren Reihen duldet, ist von nun an auch im bayerischen Landtag vertreten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die AfD in die Bedeutungslosigkeit zu versenken." Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

FDP zittert noch

FDP-Spitzenkandidat in Bayern, Martin Hagen, bedauerte den "spannenden Abend" für seine Partei, die nach ersten Hochrechnungen knapp an der 5-Prozent-Hürde rangiert. Derzeit sind es 5,0 Prozent.

"Wir würden gerne weniger zittern." Martin Hagen, Spitzenkandidat der FDP

Martin Hagen, Spitzenkandidat der FDP

Martin Hagen, Spitzenkandidat der FDP