BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© pa/dpa/Bildagentur-online
Bildrechte: pa/dpa/Bildagentur-online

Bayern ist Bäder- und Reha-Land Nummer eins in Deutschland

Per Mail sharen

    Nach der Corona-Krise: Warum die Kur-Wirtschaft wieder läuft

    Gesundheitsminister Holetschek sieht nach vielen Monaten Corona einen hohen Kurbedarf in der Bevölkerung. Die Vertreter der Kurorte und Heilbäder freuen sich über höhere Einnahmen, denn die Badekur ist wieder eine Pflichtleistung der Krankenkassen.

    Per Mail sharen
    Von
    • Martin Breitkopf

    Die Corona-Pandemie hinter sich lassen und nach vorne blicken - das wollen die Vertreter der Kurorte und Heilbäder in Bayern. Sie treffen sich derzeit in Bad Kohlgrub auf dem Bayerischen Heilbädertag. Der Blick in die Zukunft ist positiv.

    Heilbäder als Tourismusmagnet

    Fast fünf Milliarden Euro im Jahr bescherte der Tourismus in den bayerischen Heilbädern und Kurorten der bayerischen Wirtschaft vor der Corona-Pandemie. Das geht aus einer Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e.V. (dwif e.V.) an der Universität München vom Jahr 2019 hervor. Das ist eine halbe Milliarde Euro mehr als noch 2015.

    Der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbandes, Alois Brundobler, wertete die Studie bei dem Treffen am Montag als Ergebnis massiver Investitionen der Heilbäder und Kurorte in ihre Infrastruktur und in die erfolgreiche Weiterentwicklung der Marke "Gesundes Bayern". Profitiert hat laut der Studie neben Beherbergungsbetrieben, Gastronomie und Dienstleistungen vor allem auch der Einzelhandel. Die Kurorte und Heilbäder stehen für 100.000 Arbeitsplätze im ländlichen Raum und sind deshalb von erheblicher strukturpolitischer Bedeutung.

    Holetschek: Bayern Nummer eins unter den Bädern

    Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der selbst jahrelang Vorstand im Bayerischen Heilbäderverband war, unterstrich in seiner Rede, dass Bayern Bäder-Land und Reha-Land Nummer 1 in ganz Deutschland sei. Nirgendwo sonst werde mehr Wert auf die Gesundheit der Menschen gelegt. Jetzt gehe es darum, an die Erfolge vor Corona anzuknüpfen und aus dem enormen Potential zu schöpfen, so Holetschek.

    Derzeit bieten schon einige Heilbäder Post-Covid-Therapien an. Das Angebote soll erweitert und durch therapeutische Studien gestützt werden. Ein weiterer Fokus sind maßgeschneiderte Präventionsprogramme etwa für Pflegekräfte, Pädagogen und für allergiegeplagte Menschen. Hier sollen in Kooperation mit den Krankenkassen in Zukunft umfassende, zielgruppenspezifische Angebote geschaffen werden.

    Post-Covid-Angebot soll erweitert werden

    Bayern sei durch die hohe Dichte der Reha-Klinken prädestiniert für die Behandlung von Post-Covid, so Brundobler. Bereits jetzt werden Menschen mit anhaltenden Corona-Beschwerden unter anderem in Bad Gögging, Bad Kissingen, Bad Tölz und Bad Grönenbach behandelt. Zudem sollen in Bad Aibling im Rahmen eines Forschungsprojekts neue Angebote für die Post-Covid-Therapie entwickelt werden.

    Auf dem Heilbädertag in Bad Kohlgrub wurden dazu Konzepte vorgestellt und beraten. Er habe den Eindruck, dass bei vielen das Gesundheitsbewusstsein seit der Corona-Pandemie eine wichtigere Rolle im Leben spiele, so der Heilbäder-Verbandschef weiter. Er erhoffe sich dadurch auch mehr Nachfrage nach Prävention. Dieser Nachfrage wollen die Heilbäder mit einem innovativen Angebot gerecht werden.

    Nach langer Zeit und vielen negativen Nachrichten gab es also wieder einmal richtig positive Aufbruchstimmung bei der alljährlichen Tagung in Bad Kohlgrub. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek wurde auch im Rahmen der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

    Fango, Massagen, Krankengymnastik - alles wieder Pflichtleistung

    Zum anderen bringt die Wiedereinführung der Kur als Pflichtleistung der Krankenkassen Rückenwind. Der Deutsche Bundestag hat mit dem Beschluss im Juni die ambulante Badekur wiederbelebt. Thermalbäder, Massagen, Krankengymnastik, Fango oder Schlammpackungen sind jetzt wieder Pflichtleistungen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen 90 Prozent der Kosten für Therapie und Kurarzt, wenn der Kurantrag vom Hausarzt bewilligt wird. Zudem zahlen einige Krankenkassen einen Tageszuschuss für die Unterkunft. Dadurch erhoffen sich die von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Kur-und Heilbäder wieder einen Aufschwung.

    Holetschek: Lassen Sie sich vom Hausarzt eine Kur genehmigen

    Für Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek ist die Kur trotz Pflichtleistung kein Selbstläufer. Im Interview mit BR24 stellte Holetschek die zentrale Rolle des Hausarztes heraus. Nur wenn der eine Kur für sinnvoll erachtet, läuft das Genehmigungsverfahren an. Gerade jetzt, nach vielen Monaten Corona und vielen Belastungen in Familien, sieht der Gesundheitsminister einen erhöhten Kurbedarf. Sein Appell: "Gehen Sie zum Hausarzt, informieren Sie sich über die Möglichkeiten!"

    Holetschek geht fest davon aus, dass die gesetzlichen Krankenkassen in begründeten Fällen ohne weiteres einen Großteil der Kosten tragen werden. Der Kurdirektor von Bad Aibling Thomas Jahn fordert im BR24-Gespräch klare Leitplanken für die Bewilligung einer Kur, hierfür braucht es seiner Meinung nach noch dringend klärende Gespräche zwischen Krankenkassen und dem Heilbäder-Verband. Mit der Pflichtleistung sei seiner Ansicht nach auch eine weitere Genehmigung über den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) hinfällig. Das würde bürokratische Hürden abbauen und den Kurantrag beschleunigen. Letztlich kenne der ausstellende Hausarzt am besten seine Patienten und es brauche keine weitere Prüfungsinstanz.

    150 Jahre Heilbad in Bad Kohlgrub

    Andrea Fend vom Biokur-Hotel Moor&Mehr in Bad Kohlgrub hofft, dass nicht nur die großen Betriebe von den neuen Möglichkeiten der Pflichtleistung profitieren. Weitere Zertifizierungen und Hürden von Seiten der Krankenkassen wären gerade für kleine Betriebe nicht zu leisten, so Fend. Ihr Familienbetrieb hat 20 Angestellte und hat sich auf ganz individuelle Kurangebote spezialisiert. Ihr Steckenpferd ist das Moorheilbad - eine Spezialität in Bad Kohlgrub.

    Der Kurbetrieb im Ort feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum. Jedoch gibt es im Ort nur noch wenige Einrichtungen, die eine Kur anbieten. Durch die Belastungen der letzten Jahre haben viele aufgegeben oder sich von der Kur abgewendet. Diejenigen, die aber im Gesundheitssektor durchgehalten haben und noch da sind, hoffen auf einen positiven Effekt durch die Wiedereinführung der Kur-Pflichtleistung.

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!