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Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Balk

Schülerinnen und Schüler im Freistaat erwartet nach den Ferien eine Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen.

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Nach den Sommerferien: Schärfere Corona-Regeln an Schulen

Die Maskenpflicht im Klassenzimmer kommt zurück: Vor den Sommerferien in Bayern bereitet Kultusminister Piazolo die Eltern auf einen Schulstart im Herbst mit strengeren Corona-Regeln vor. An den Schulen soll es zudem Impfangebote geben.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Maximilian Heim

Jetzt haben es die Eltern in Bayern schwarz auf weiß: Die Corona-Schutzmaßnahmen an vielen bayerischen Schulen werden zum Start des neuen Schuljahrs Mitte September strenger sein als jetzt vor den Sommerferien. In einem Brief an die Eltern und Erziehungsberechtigten im Freistaat schreibt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler): "Der Schulstart kann für den weiteren Verlauf des Schuljahres entscheidend sein." Deswegen werde es in den ersten Unterrichtswochen "eine Maskenpflicht auch im Klassenzimmer geben, um vor allem Infektionen durch Reiserückkehrer zu verhindern".

Aktuell dürfen in den meisten bayerischen Regionen Schülerinnen und Schüler die Maske an ihrem Sitzplatz im Klassenzimmer ablegen. Nach tagelangen Differenzen hatte die Staatsregierung im Juni zunächst beschlossen, die Maskenpflicht am Platz in Grundschulen zu lockern - in Kommunen mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz unter 50. Seit 1. Juli können auch Schüler an weiterführenden Schulen die Mund-Nasen-Bedeckung am Platz abnehmen - sofern die Inzidenz vor Ort unter 25 liegt.

Dass diese Lockerung nach den Sommerferien in allen Schulen wieder zurückgenommen wird, hatten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und auch Piazolo schon mehrfach angekündigt. Wie lange genau die Maskenpflicht im Unterricht gelten soll, schreibt der Kultusminister in seinem Brief an die Eltern nicht. Söder sprach nach einer Kabinettssitzung in München von "zwei oder drei Wochen".

Piazolo bittet Eltern: Kinder am Ende der Ferien testen lassen

Piazolo appelliert darüber hinaus an die Eltern, ihre Kinder in der letzten Ferienwoche auf das Corona-Virus testen zu lassen: "Am besten mit einem PCR-Test in einem Testzentrum oder auch mit einem Schnelltest in einer Teststation oder einer Apotheke. Die Tests dort sind für Sie weiterhin kostenlos." Jede Infektion, die schon vor Schulbeginn erkannt werde, erhöhe die Sicherheit für die Mitschüler in den ersten Unterrichtstagen, verhindere Infektionen und Quarantäne-Anordnungen, betonte der Minister.

Der Bayerische Philologenverband begrüßte diesen Appell des Ministers als "Schritt in die richtige Richtung". Nach Überzeugung des Lehrerverbands sollten Tests grundsätzlich von Fachpersonal außerhalb der Schule vorgenommen werden" - eine Kritik an der derzeitigen Praxis, dass sich die Schülerinnen und Schüler in der Schule selbst testen.

Regelmäßige Tests an Schulen werden beibehalten

Piazolo kündigte allerdings schon an, dass die regelmäßigen Tests in den Schulen auch im neuen Schuljahr beibehalten werden. Ab Jahrgangsstufe 5 werde es weiterhin Antigen-Selbsttests geben. In Grundschulen werde nach einer Übergangsphase auf sogenannte PCR-Pool-Testungen umgestellt.

Dabei handelt es sich beispielsweise um sogenannte Lolly- oder Lutsch-Tests. Alle Proben einer Klasse werden gesammelt per PCR-Test untersucht. Sollte die Probe positiv sein, müssen die Kinder einzeln getestet werden.

Piazolo ruft die Eltern zudem auf, sich impfen zu lassen. "Auch Sie als Eltern können helfen, das Virus zu stoppen." Impfungen seien das wirksamste Mittel gegen Corona. "Bitte nehmen Sie dieses Angebot wahr und machen Sie die Schulen damit noch sicherer." Für volljährige Schüler seien Corona-Impfungen laut Ständiger Impfkommission (Stiko) empfohlen, für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 möglich. Für diese Altersgruppe empfiehlt die Stiko eine Corona-Impfung bisher nur bei bestimmten Vorerkrankungen.

Söder: Impf-Angebote an den Schulen

Söder betonte in München, Ziel der Staatsregierung sei, "das Impfen bei den Jüngeren, bei den Schülern voranzubringen". Bisher gebe es diese Impfungen bei Kinder- und Jugendärzten, ab Mitte August werde es Angebote für Schüler auch in den Impfzentren geben - "natürlich immer freiwillig, immer nach Rücksprache mit Arzt und Eltern", wie der Ministerpräsident sagte. "Ab Anfang September werden wir Angebote auch in und mit den Schulen machen über die mobilen Dienste der Impfzentren – auch da freiwillig." Söder betonte, es müsse jede Chance genutzt werden, mit einer Impfung eine Ansteckung und damit auch Quarantäne zu verhindern - und damit den Schulbetrieb zu erleichtern.

Piazolo will "vollen Präsenzunterricht"

Kultusminister Piazolo gab als Maxime für das kommende Schuljahr "vollen Präsenzunterricht" aus. Die Schülerinnen und Schüler bräuchten ihren Alltag, ihre Mitschüler und die sozialen Kontakte. Daher tue Bayern beim Infektionsschutz an den Schulen "alles, was machbar ist", um täglichen Unterricht auch im Herbst zu ermöglichen.

Die Wochen seit den Pfingstferien hätten deutlich gemacht, dass Schule mit den richtigen Hygienekonzepten ein sicherer Ort für die Kinder und Jugendlichen seien. Ansteckungen in der Schule seien sehr selten - die Schutzinstrumente wirkten.

Weiter viele Klassenzimmer ohne Luftfilter

In dem Schreiben verweist der Minister auch auf das Lüften, das ein sehr wirksames Mittel gegen Corona und "durch nichts zu ersetzen" sei. Luftreinigungsgeräte könnten das Lüften ergänzen. Deshalb unterstütze der Freistaat die Kommunen bei der Anschaffung der Geräte. Besonders bei den Luftfiltern liegt die Messlatte allerdings hoch. Ende Juni hat Ministerpräsident Söder angekündigt: "Im Herbst soll es in jedem Klassenzimmer und den Kitas mobile Luftfilter geben." Das Angebot an die Kommunen: Die Staatsregierung übernimmt die Hälfte der Anschaffungskosten, die andere Hälfte zahlen die Kommunen selbst.

Das Problem: Die Umsetzung des millionenschweren Förderprogramms läuft weiterhin schleppend. Nicht alle Kommunen sind überzeugt vom Sinn der Luftfilter – auch finanzielle Erwägungen lassen manche zögern. Die Unterschiede in Bayern sind immens, wie eine Auswertung des FDP-Landtagsabgeordneten Matthias Fischbach zeigt. Demnach gibt es einzelne Kommunen, etwa den oberbayerischen Landkreis Ebersberg, der sehr viele Klassenzimmer mit mobilen Luftfiltern ausgestattet hat. In den allermeisten Kommunen liegt die Quote allerdings zwischen 0 und 20 Prozent – bestenfalls jedes fünfte Klassenzimmer hat dort also einen Luftfilter im Raum.

FDP-Bildungspolitiker Fischbach geht deshalb davon aus, dass die meisten Schüler zum Schulstart kein Gerät im Klassenzimmer vorfinden. Das sagte er dem BR. Seine Auswertung basiert demnach auf der Antwort auf eine schriftliche Anfrage, mit der die Ergebnisse der ersten beiden Förderrunden abgefragt wurden. Zunächst hatte die "Süddeutsche Zeitung" über die Luftfilter-Auswertung der FDP-Fraktion im Landtag berichtet. Fischbach rechnet nicht damit, dass sich die Lage in den kommenden Wochen noch deutlich verändert – auch weil viele kommunale Gremien in den Sommerferien nicht tagen.

Ist der Präsenzunterricht im Herbst gefährdet?

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) wollte sich am Montag nicht darauf festlegen, dass es für Schülerinnen und Schüler in Deutschland im Herbst täglichen Präsenzunterricht geben wird. Es werde gerade viel getan, um den Schulbetrieb zu verbessern, sagte er im "Bild"-Interview. "Ich bin überzeugt: Bei einem niedrigen Infektionsgeschehen kann man mit Maßnahmen auch den Schulbetrieb sicherstellen." Sollten die Infektionszahlen aber zu hoch werden, "wird's auch da schwierig".

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