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Einsamer Fahrgast wartet auf einen Zug.
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Rüdiger Hennl
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Einsamer Fahrgast wartet auf einen Zug.

Bei der Münchner S-Bahn könnte sich der Verkehr schon bis zum Mittag wieder auf den normalen Fahrplan einpendeln, erklärte Bahn-Sprecher Michael-Ernst Schmidt. Bei der Nürnberger S-Bahn wird es wohl noch etwas länger dauern, bis wieder alles fahrplanmäßig läuft.

Auch der Regionalverkehr findet bayernweit bereits wieder ins gewohnte Gleis zurück und normalisiert sich langsam. Im Fernverkehr dürfte es Schmidt zufolge noch am längsten zu Einschränkungen kommen. Es könne bis zum Abend oder auch bis zum Betriebsschluss dauern, bis der Verkehr wieder nach Fahrplan abgewickelt werden kann.

Aktuelle Infos im Internet

Über das aktuelle Zugangebot sollten sich Reisende auf jeden Fall vorab informieren. Mehr über die aktuelle Betriebslage bei der Münchner S-Bahn kann man hier erfahren, auch zum Regionalverkehr und zur S-Bahn Nürnberg gibt es Informationen im Netz, für den Fernverkehr empfiehlt sich die Reiseauskunft der Bahn.

Fahrscheine bleiben gültig

Auf der DB-Website gibt es auch Online-Formulare für Fahrgäste, die von ihrer Fahrt zurücktreten und sich den Fahrpreis erstatten lassen wollen. Bahntickets, die auf heute ausgestellt sind, gelten bis einschließlich Sonntag, 16.12. Die Mitarbeiter sind laut DB gehalten, große Kulanz zu zeigen. Für die Fahrgäste wurde eine Hotline unter der Rufnummer 08000 996633 eingerichtet.

Weitere Warnstreiks vorerst nicht vorgesehen

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Warnstreiks. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk schätzte der Geschäftsstellenleiter der Gewerkschaft in Nürnberg, Matthias Birkmann, die Streikbeteiligung am Morgen auf etwa 60 bis 70 Prozent. Mit dem Streik wolle man den Verhandlungen Nachdruck verleihen, so Birkmann. Die EVG zeigt sich gesprächsbereit und will ab Dienstagnachmittag die Gespräche wieder aufnehmen. Weitere Warnstreiks seien vorerst nicht geplant, betonte die Verhandlungsführerin der EVG Regina Rusch-Ziemba.

Die Gewerkschaft will mit dem Warnstreik im Tarifkonflikt mit der Bahn ihre Forderungen durchsetzen. Ihr reicht die Höhe der von der Bahn bisher angebotenen Entgelterhöhung nicht aus, auch bei der Laufzeit eines neuen Tarifvertrages sind sich DB und Gewerkschaft nicht einig. Laut EVG-Geschäftsstellenleiter in München, Isidoro Peronace, fordert die Gewerkschaft eine Entgelterhöhung um 7,5 Prozent und eine Weiterentwicklung des EVG-Bahnmodells.

Bisher sei der Arbeitgeber diesen Forderungen jedoch nicht nachgekommen. "Der Arbeitgeber hat uns 5,1 Prozent geboten - allerdings auf 29 Monate. Diese Laufzeit ist uns viel zu lang und dafür sind es uns auch viel zu wenig Prozentpunkte."

Verärgerte Bahnkunden

Die vom Streik betroffenen Bahn-Passagiere zeigten dennoch teilweise wenig Verständnis für die Zugausfälle, im Gespräch mit dem BR waren viele verstimmt über die Arbeitsniederlegungen. Auch über die Informationspolitik der Bahn äußerten sich einige Kunden verärgert. So hieß es am Würzburger Hauptbahnhof, es sei erst nach und nach durchgesickert, dass sowohl der Fern- als auch der Regionalverkehr vom Warnstreik betroffen ist.

Der Zugverkehr rollt zwar wieder. Der Ärger der Fahrgäste hält aber an.

Der Zugverkehr rollt zwar wieder. Der Ärger der Fahrgäste hält aber an.

Fahrdienstleiter legen alles lahm

Nach dem Abbruch der Tarifgespräche mit der Bahn hatte die EVG ihre Mitglieder zu dem Warnstreik aufgerufen. Sie schaffte es insbesondere durch Arbeitsniederlegungen der Fahrdienstleiter in den Stellwerken, von denen besonders viele bei der EVG organisiert sind, den Verkehr flächendeckend lahmzulegen.

Durchschlagende Streik-Wirkung

Die Wirkung des Warnstreiks war in ganz Bayern massiv. Der Fernverkehr wurde in Bayern völlig eingestellt, bei der Müncher S-Bahn hielten bis Streikende zwischen Pasing und Ostbahnhof nur drei Langzüge einen spärlichen Notverkehr aufrecht, auf den Außenästen verkehrten mehrere S-Bahn-Linien gar nicht, andere fuhren mit deutlichen Einschränkungen.

Die Folge waren volle U-Bahnen, verärgerte Fahrgäste und lange Staus auf Autobahnen und Einfallstraßen. Die Nürnberger S-Bahn fuhr überhaupt nicht, im Regionalverkehr gab es bayernweit massive Einschränkungen.