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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Armin Weigel

Der neue Beschluss der Staatsregierung zum Bau von Flutpoldern an der Donau sorgt entlang des Flusses für unterschiedliche Reaktionen: Während man im Landkreis Regensburg entsetzt ist, herrscht im Raum Deggendorf eher Freude.

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Donau: Freude und Entsetzen nach dem Polderbeschluss

Der neue Beschluss der Staatsregierung zum Bau von Flutpoldern an der Donau sorgt entlang des Flusses für unterschiedliche Reaktionen: Während man im Landkreis Regensburg entsetzt ist, herrscht im Raum Deggendorf eher Freude.

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Von
  • Uli Scherr
  • Zara Kroiß

Große Freude und blankes Entsetzen: Das sind die Reaktionen aus den Donauregionen in Niederbayern und der Oberpfalz auf den Kabinettsbeschluss zum Polderbau.

Entsetzen im Landkreis Regensburg

Geschockt zeigen sich Aktivisten und Kommunalpolitiker aus den Donau-Anrainergemeinden im Landkreis Regensburg: "Das ist ein Schlag in den Magen", sagte Markus Hörner von der IG Polder aus der Gemeinde Pfatter bei Regensburg. "Wir dachten, es ist wirklich jetzt der Zeitpunkt, dass die Staatsregierung im Angesicht der Flutkatastrophen der letzten Tage umdenkt und sich mehr den tatsächlichen Gefährdungen der Sturzfluten in der Fläche zuwendet, als an diesem prestigeträchtigen Großprojekt festzuhalten", sagte Hörner dem BR.

Inwieweit die IG Polder ihre Proteste fortführen wird, konnte Hörner noch nicht sagen. "Im Moment bin ich überfahren."

Kommunalpolitiker spricht von Vertrauensbruch

Auch der zweite Bürgermeister der Stadt Wörth an der Donau, Gerhard Schmautz (SPD), zeigte sich entsetzt. "Das ist in meinen Augen ein absoluter Vertrauensbruch der Politik", kommentierte er den Kabinettsbeschluss. Solange bei den weiter flussabwärts liegenden Orten der hundertjährige Hochwasserschutz nicht realisiert sei, dürfe mit dem Bau der Polder nicht begonnen werden. "Ich bin überzeugt: wenn da unten der hundertjährige Hochwasserschutz gebaut ist, dass man dann die Polder nicht mehr braucht", sagt Schmautz.

Regensburger Landrätin stellt sich an die Seite der Wörther

Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) sieht in dem Beschluss der Staatsregierung, unter anderem den Polder in Wörthhof zu bauen, nicht jedoch den in Eltheim, einen Teilerfolg. Zwar spiegele die Entscheidung nicht die Erwartung der Bürger wieder, die nach dem Aus im Koalitionsvertrag suggeriert worden sei, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts, dennoch sei "unsere Argumentation" im Hinblick auf die Auswirkungen im Grundwasser durch den Wegfall des Polders Eltheim bestätigt. Eine direkte Betroffenheit für viele Bürger in Pfatter, Geisling und Mintraching bis nach Neutraubling sei nun weg.

Dennoch werde der Landkreis weiterhin solidarisch an der Seite der Wörther für einen vernünftigen, gesamtgesellschaftlich wichtigen Hochwasserschutz kämpfen. Der Kreistag habe dies auch mit einer einstimmigen Resolution zum Ausdruck gebracht und sich hinter die IG Polder gestellt.

Deggendorfer Landrat zeigt Verständnis für Sorgen

Erfreut reagierte hingegen der Landrat von Deggendorf, Christian Bernreiter (CSU): "Ich bin erleichtert und froh, dass das so gekommen ist. Die wissenschaftlichen Fakten liegen ja eindeutig auf der Hand. Wir haben ja die letzten Tage erlebt, was alles passieren kann", sagte er. Zugleich zeigte er aber auch Verständnis für die Sorgen in den betroffenen Anrainergemeinden donauaufwärts. Er erwarte, dass der Freistaat Bayern hier die Haftung für alle etwaigen Schäden übernehme.

Auch der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) nahm die Entscheidung zufrieden zur Kenntnis: "Wir begrüßen die heutige Entscheidung zum Bau der Polder entlang der Donau. Für die Hochwassersituation in Passau ist die Summe aller Maßnahmen entscheidend - und dazu leisten auch die Donaupolder einen wichtigen Beitrag, Deshalb haben wir uns von Anfang an dafür ausgesprochen."

Polder sollen besseren Schutz für 120.000 Menschen bringen

Der Ministerrat hatte am Mittag die Realisierung der umstrittenen Flutpolder zum Hochwasserschutz entlang der Donau beschlossen. Flutpolder sind Rückhaltebecken, die im Fall eines drohenden Hochwassers geflutet werden und so erhebliche Wassermassen aus den Flüssen nehmen. Somit können in flussabwärts liegenden Regionen Überschwemmungen verhindert oder abgemildert werden. Die geplante Polder-Kette soll bei Extrem-Hochwasser einen besseren Schutz für rund 120.000 Menschen in der Donauregion bringen. Einer neuen Studie zufolge soll ein Polder in Wörthhof mit einem Rückhaltevolumen von rund 30 Millionen Kubikmetern ein Hochwasser donauabwärts in Straubing um 40 Zentimeter und in Deggendorf um 24 Zentimeter reduzieren. Vor allem Naturschützer und Landwirte kritisieren die Polderpläne jedoch.

SPD-Abgeordneter kritisiert Staatsregierung

Der Passauer SPD-Landtagsabgeordnete Christian Flisek warf der Staatsregierung vor, einen Schlingerkurs beim Flutpolderprogramm fortzusetzen. Er verweist dabei vor allem auf den geplanten Baustart der Flutpolder Wörthhof und Bertoldsheim nach 2030. "Obwohl alle Untersuchungen die Wirksamkeit und Notwendigkeit der Polder in Bertoldsheim und Wörthhof eindeutig belegt haben, soll der Baubeginn frühestens in zehn Jahren erfolgen. Zudem sollen vor jedem Planungs- und Realisierungsschritt etwaige neue Erkenntnisse zur weiteren Erforderlichkeit der Vorhaben nochmals evaluiert werden. Damit hängt weiterhin das Damoklesschwert der Erforderlichkeit über den strittigen Poldern." Ein klares Bekenntnis zum Hochwasserschutz an der Donau sehe anders aus.

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