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CSU-Chef Seehofer am Wahlabend
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Petr Jerabek
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CSU-Chef Seehofer am Wahlabend

Nein, sich zum alleinigen Schuldigen abstempeln und aus dem Amt drängen lassen, will der Parteichef nicht: Das machte Horst Seehofer schon früh am Wahlabend deutlich. Einmal mehr verwies er darauf, dass die Ursache für das CSU-Debakel bei der Landtagswahl nicht allein auf die Bundespolitik geschoben werden könne. Dennoch: Die CSU-Vorstandssitzung am Vormittag in München verspricht Spannung. Schon vergangene Woche hatte sich dort der Unmut einiger CSU-Spitzenpolitiker über Seehofer entladen.

Zwar fielen die Verluste für die CSU bei der Landtagswahl letztlich nicht ganz so dramatisch aus, wie es zeitweise schien, dennoch ist es das schlechteste Resultat seit 1950. Und in der CSU hatte sich schon vor der Wahl reichlich Unmut über Seehofer angesammelt.

Der Erste, der sich am Wahlabend indirekt für einen Seehofer-Rücktritt aussprach, war einmal mehr dessen Vorgänger an der Parteispitze, Erwin Huber. Dieser verwies darauf, dass er selbst nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 2008 die Verantwortung übernommen habe und zurückgetreten sei.

CSU-Generalsekretär Blume will die Partei nach den Verlusten bei der Landtagswahl wieder attraktiver für breitere Wählerschichten machen.

CSU-Generalsekretär Blume will die Partei nach den Verlusten bei der Landtagswahl wieder attraktiver für breitere Wählerschichten machen.

Ramsauer: Führungsdebatte unvermeidlich

Der frühere CSU-Vizechef Peter Ramsauer legte später nach. "Eine Führungsdebatte wird sich gar nicht vermeiden lassen", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Die Landtagswahl habe ein "verheerendes Ergebnis für die CSU" ergeben, das "durch nichts, aber auch gar nicht zu relativieren" sei.

Seehofer räumte ein, dass er als Parteivorsitzender auch Mitverantwortung für das Wahlergebnis trage. Und über personelle Konsequenzen könne man gerne diskutieren. Für die Niederlage gebe es aber zahlreiche Ursachen - auch in München. Und er stellte klar, dass er "natürlich" seine Verantwortung weiterhin wahrnehmen wolle. Angesichts der anstehenden Regierungsbildung rief Seehofer die CSU zur Geschlossenheit auf.

Söder zurückhaltend

Während Seehofer den Spitzenkandidaten Söder am Sonntagabend für dessen "famosen" Wahlkampf lobte, wich der Ministerpräsident Fragen nach dem Parteichef und dessen politischer Zukunft konsequent aus. Söder befeuerte die Personaldebatte nicht - er tat aber auch nichts, um Seehofer den Rücken zu stärken.

Seit 10.00 Uhr tagt die CSU-Spitze in der Landesleitung bei einer Vorstandssitzung. Über die Ergebnisse soll anschließend bei einer Pressekonferenz informiert werden.

Auch andere Parteien beraten

Auch die anderen Parteien wollen heute darüber beraten, welche Konsequenzen aus dem Ergebnis der Landtagswahl zu ziehen sind. SPD-Landeschefin Natascha Kohnen, deren Partei einen beispiellosen Absturz erlebte, wird zu einem gemeinsamen Statement mit SPD-Bundeschefin Andrea Nahles in Berlin erwartet.

Kohnen hatte gleich nach den ersten Hochrechnungen ihren Rücktritt nicht ausgeschlossen. "Wir dürfen nie wieder halbe Wege gehen, sondern nur ganze", betonte sie. Man werde in den kommenden Tagen im Landesvorstand über alles reden, sagte sie. "Und ich meine über alles."

Grüne und Freie Wähler zu Koalitionsgesprächen bereit

Deutlich fröhlichere Gesichter dürfte es am Mittag bei den Pressekonferenzen der Grünen und der Freien Wähler (FW) in München geben. Beide Parteien zählen zu den Gewinnern der Wahl - und haben ihre Bereitschaft zu Koalitionsgesprächen mit der CSU signalisiert. FW-Chef Hubert Aiwanger machte am Morgen in der Bayern 2 radioWelt schon Ansprüche auf drei Ministerposten geltend.

Der AfD-Landeschef, dessen Partei es erstmals in den bayerischen Landtag schaffte, gibt in Berlin eine Pressekonferenz mit den Bundesvorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen.

Die Liberalen waren die Einzigen in Bayern, für die die Wahl bis tief in die Nacht spannend blieb: Sie mussten bis weit nach Mitternacht um ihren Einzug in den Landtag bangen - und durften dann doch noch jubeln. Ihr Spitzenkandidat Martin Hagen ist auch der Letzte, der heute vor die Presse tritt: Er lässt sich Zeit bis zum Abend.

Grüne zweitstärkste Kraft

Laut dem vorläufigen Wahlergebnis hat die CSU die absolute Mehrheit im Freistaat klar verloren und erhielt nur noch 37,2 Prozent (-10,4 Prozentpunkte). Die SPD brach ein auf 9,7 Prozent (- 10,9 Punkte) und ist im neuen Landtag nur noch fünftstärkste Kraft. Neue Nummer zwei in Bayern sind die Grünen, die sich um 8,9 Punkte auf 17,5 Prozent verbesserten.

Die Freien Wähler legten 2,6 Punkte zu auf 11,6 Prozent, die AfD schaffte mit 10,2 Prozent auf Anhieb den Sprung ins Maximilianeum. Auch die FDP ist mit 5,1 Prozent im neuen Landtag vertreten (plus 1,8 Punkte). Die Linke scheiterte mit 3,2 Prozent (plus 1,1 Punkte) dagegen klar an der Fünf-Prozent-Hürde.

Das vorläufige Endergebnis

Das vorläufige Endergebnis