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In der Gastronomie geht es langsam aufwärts

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In der Gastronomie geht es langsam aufwärts

Vor vier Wochen durften die Innenräume von Lokalen öffnen. Die strengen Hygieneauflagen und die Angst vor Corona schrecken viele Gäste noch ab. Die Gaststätte Hofbräu am Oberwiesenfeld meldet einen starken Umsatzrückgang, hofft aber auf Besserung.

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Es ist 13.45 Uhr am Freitagmittag in der Gaststätte Hofbräu am Oberwiesenfeld in München. Sechs Tische, mit jeweils zwei Personen sind besetzt, die übrigen neun sind leer.

"Wir sind jetzt ungefähr bei 35 bis 40 Prozent vom Normalumsatz. Es entwickelt sich, aber ganz, ganz zäh und langsam." Martin Rupp, Wirt

Noch haben viele Gäste Angst

Bei schönem Wetter kämen deutlich mehr Gäste, so Rupp. Am am liebsten säßen sie draußen. Er sage dann: "Und wenn's regnet, kommt ihr dann auch?" Nein, dann kämen sie nicht. Sie warteten sehnsüchtig auf den heißen Sommer, der versprochen worden sei.

Martin Rupp spürt bei seinen Gästen noch Verunsicherung, Ängste, sich im Wirtshaus mit Corona anzustecken. Das ist auch sein Hauptkritikpunkt an der Regierung:

"Da muss noch viel passieren: Mich hat es sehr gefreut, dass man diese Lockerungen beschlossen hat, dass man in Gruppen mit zehn Leuten wieder ins Gasthaus gehen darf und dass man wieder Feiern annehmen darf mit 50 Menschen." Martin Rupp, Wirt

Gleichzeitig warne man die Leute, dass das Virus immer noch da sei. Das bereite ihm schlaflose Nächte, sagt Rupp. Man brauche ein ganz deutliches Signal: "Ja, Ihr könnt wieder ins Gasthaus gehen, das ist genauso sicher, als würde man in einen Großmarkt gehen oder in einen Baumarkt oder einen Supermarkt."

Kaum Fälle von Ordnungswidrigkeiten bekannt

Dabei halten er und sein Team die Vorschriften nahezu mustergültig ein. Nach Angaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes gibt es bislang nur wenige bekannte Verstöße gegen die Vorschriften – die allermeisten Betriebe nehmen die Vorschriften sehr ernst, so wie Martin Rupp auch. Die Hälfte der Tische hat er aus dem Lokal geräumt, die wenigen übrigen stehen in großem Abstand.

"Für den Gast ist's ab und an schwer, wenn er den Stuhl an die Kopfseite stellt und dann komm ich und sage: 'Nein, du musst den auf die Längsseite stellen, sonst haben wir die Abstände nicht." Dann schaut er dich zwar komisch an, aber er akzeptiert's letztlich doch." Martin Rupp, Wirt

Personal hofft auf Face Shields statt Masken

Das Personal im Oberwiesenfeld trägt die Masken immer und korrekt über Mund und Nase, auch wenn sie es wie Kellnerin Eleni wirklich atemberaubend finden:

"Ich freu mich, dass wir wieder aufgemacht haben und ich wieder arbeiten darf. Aber es ist anstrengend wegen der Atemnot durch die Maske, definitiv." Kellnerin Eleni

Das Thema Masken birgt einiges an Problemen, und der Geschäftsführer der Dehoga, Thomas Geppert, hofft dringend darauf, dass die sogenannten Face Shields erlaubt werden, nach dem österreichischen Vorbild. Allerdings ein Modell, das sich am Kinn wieder zum Gesicht hin wölbt und bei dem der Luftstrom seitlich entweicht. Für viele Angestellte im Gastgewerbe seien die Mund-Nasen-Masken ein großes Problem, sagt Geppert.

Was passiert mit den Kontaktzetteln?

Alle, die im Hofbräu am Oberwiesenfeld arbeiten und mit den Gästen zu tun haben, achten auf die Einhaltung der Regeln, bei sich und auch bei den Gästen. Die Kontaktzettel, auf denen pro Tisch ein Gast mit Name und Telefonnummer eintragen muss, werden hier ordnungsgemäß jedem Gast einzeln gereicht. Dann werden sie sicher verwahrt, bis sie nach vier Wochen geschreddert werden. Manche Lokale legen unerlaubterweise Listen am Eingang aus, auf denen sich die Gäste eintragen sollen, das ist aber definitiv nicht erlaubt. Gäste sollten, so Thomas Geppert von der Dehoga, in solchen Fällen den Wirt darauf hinweisen und um einen eigenen Zettel bitten, der nicht öffentlich ausliegt.

Kontaktzettel bald Vergangenheit?

Bislang habe es noch keinen Fall von Corona in einem bayerischen Lokal gegeben und die Daten von den Kontaktzetteln habe noch niemand benötigt. Künftig soll eine QR-Code–Regelung an die Stelle der Kontaktzettel treten, so die Dehoga. An der Lösung werde derzeit bereits gearbeitet: Am Tisch soll ein QR-Code ausliegen, den die Gäste auf ihr Handy laden können und wo sie sich dann digital registrieren können. Die persönlichen Daten bleiben dann dem jeweiligen Wirt komplett unbekannt und würden nur im Corona-Fall aus einem kommunalen Speicher von den Behörden abgerufen. Langfristig hoffen die Gastwirte, dass die Corona-Warn-App all diese Aufgaben übernimmt – wirksam wird die App dann, wenn mindestens 15 Prozent der Bevölkerung - also umgerechnet 12,4 Millionen Menschen - mitmachen. Derzeit sind es laut Robert-Koch-Institut 11,8 Millionen Downloads (Stand: 22. Juni 2020).

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