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Nach Christchurch: Augsburger Muslime fordern mehr Zusammenhalt | BR24

© pa/dpa

Moschee der Ahmadyya- Gemeinde in Augsburg

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Nach Christchurch: Augsburger Muslime fordern mehr Zusammenhalt

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde Augsburg zeigt sich erschüttert nach dem Anschlag auf ihre Glaubensbrüder im neuseeländischen Christchurch. Politik und Gesellschaft müssten verstärkt gegen Hetze und Ausgrenzung vorgehen.

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"Wir sind sehr betroffen. Und nicht in erster Linie, weil es Muslime sind, die getötet wurden, sondern weil es Unschuldige getroffen hat. Das ist für uns sehr schmerzhaft", sagt Imam Usman Naveed von der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde Augsburg dem Bayerischen Rundfunk. Politik und Gesellschaft müssten verstärkt gegen Ausgrenzung und Hetze vorgehen, um derartige Anschläge in Zukunft zu verhindern, so der Augsburger Imam.

"Egal ob Anschlag auf Moscheen oder Synagogen. Es sterben unschuldige Menschen und das ist natürlich traurig. Dagegen müssen wir uns positionieren und dürfen uns als Gesellschaft nicht spalten lassen." Imam Malik Usman Naveed

Ahmadiyya-Gemeinde steht für Offenheit

Die Ahmadiyya-Gemeinde sieht sich bestätigt darin, weiterhin auf Nichtmuslime zuzugehen und den interreligiösen Dialog zu suchen. Zu diesem Zweck beteiligten sich die Augsburger Ahmadis an einem deutschlandweiten Projekt: "Wir sind alle Deutschland". Ziel ist, in jedem Landkreis in Fußgängerzonen mit Bürgern zu sprechen oder sie zu Informationsveranstaltungen einzuladen.

Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft versteht sich als islamische Reformgemeinde, die den deutschen Rechtsstaat als Gesetzgeber uneingeschränkt anerkennt. Spirituelles Oberhaupt ist der Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, Nachfolger des Gründers der Ahmadiyya. Von den meisten Muslimen wird die Ahmadiyya-Religionsgemeinschaft nicht anerkannt, in einigen Ländern sogar verfolgt.

Augsburger Muslime lassen sich nicht entmutigen

Um ihre Sicherheit machen sich die Gemeindemitglieder in Augsburg keine Sorgen. Die Ahmadis wollen weiterhin eine Moschee betreiben, die offen ist für neugierige und dialogbereite Nichtmuslime.

"Im Januar wurde in Stuttgart unser Gebetszentrum beschädigt. Wahrscheinlich haben Rechtsradikale die Moschee in Brand gesetzt. Da waren wir geschockt und traurig. Beim Freitagsgebet, bei dem viel los ist, positionieren wir nun zwei bis drei kräftige Männer an der Tür, um für Sicherheit zu sorgen." Imam Malik Usman Naveed

Seehofer: "Wo nötig, wird der Schutz verstärkt"

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten auf zwei Moscheen in Neuseeland mit 50 Toten keine verstärkte Gefahr für Muslime in Deutschland. Der "Bild"-Zeitung vom Montag sagte Seehofer auf die Frage, ob in Deutschland ein verstärkt islamfeindliches Klima herrsche: "Nein. Der Großteil der Menschen in Deutschland lebt friedlich miteinander. Davon bringen uns auch gewaltbereite Extremisten nicht ab." Der Bundesregierung sei die freie Religionsausübung ein Kernanliegen.

"Auch religiöse Einrichtungen können Ziele von Terroristen sein. Wenn es Anhaltspunkte für Gefahren gibt, wird der Schutz verstärkt. Islamfeindlichen Straftaten und Angriffen auf Moscheen gilt es entschieden und mit aller Härte des Rechtsstaats entgegenzutreten." Bundesinnenminister Horst Seehofer

Bei akutem Bedarf würden auch Moscheen mit erhöhtem Personalaufwand geschützt, so Seehofer weiter: "Die Polizeibehörden der Länder beraten gefährdete Einrichtungen, wo nötig und gewünscht, und führen mit großem personellem Aufwand den Objektschutz und bei einer Erfordernis auch Personenschutzmaßnahmen durch."

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Bundesinnenminister Seehofer sieht "religiöse Einrichtungen" auch in Deutschland als mögliche Ziele von Terroristen. Wenn es Anhaltspunkte für Gefahren gäbe, würde deren Schutz verstärkt.

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Nach dem Terroranschlag in Neuseeland mit bislang 50 Toten fordert der Zentralrat der Muslime einen besseren Schutz von Moscheen in Deutschland. Er beklagt, dass das Sicherheitsbedürfnis der Muslime nicht ernst genug genommen werde.