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Nach BR-Recherche: Viel Zuspruch für überlastetes Klinikpersonal | BR24

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Wie belastet die Pflegekräfte in den Krankenhäusern aktuell sind, zeigen eine Umfrage von BR Recherche sowie dutzende Hintergrundgespräche mit Krankenhauspersonal. Der Tenor: Die Helfer sind an ihrem Limit.

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Nach BR-Recherche: Viel Zuspruch für überlastetes Klinikpersonal

BR-Recherchen zur Überlastung des Klinikpersonals sind auf ein breites Echo gestoßen: Weitere Pflegefachkräfte und Medizinerinnen bestätigen die Berichte. Nun übt die Opposition im Landtag scharfe Kritik an der Staatsregierung.

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Überarbeitung, hoher Krankenstand, Testlücken und der Normalbetrieb parallel zur Corona-Pandemie bringen vielerorts das Klinikpersonal an seine Grenzen. Das ist das Ergebnis zahlreicher Hintergrundgespräche und einer Umfrage unter Krankenhäusern. Jetzt melden sich weitere Pflegefachkräfte, Ärztinnen und Ärzte zu Wort.

"Endlich schreibt jemand über die Situation des gesamten Klinikpersonals. Herzlichen Dank dafür!" / "Bei uns am Haus wurde seit dem Frühling die zweite Welle geplant, aber wir Ärzte wurden rausgekickt. Unsere Vorschläge würden den Umsatz gefährden und wir würden schwarzmalen." / "Was müde macht ist, dass so gar keine Verbesserung für die Beschäftigten in Sicht ist." Reaktionen von Krankenhausmitarbeitern und -mitarbeiterinnen

Kommentar: "Schon vor Corona alle am Limit"

Auch viele BR-Hörer, Zuschauer und User melden sich zu Wort: "Da braucht sich wirklich niemand mehr wundern, dass jetzt die Personalnot zum Kollaps führt. Bereits vor Corona waren alle schon am Limit", schreibt ein User. "Wie ich hier lese, wird anscheinend oft getestet, wie man lustig ist", bemerkt ein Zweiter. "Jedes Krankenhaus macht es anders (…)! Das geht nicht! Hier ist die klare Vorgabe des Ministeriums gefordert", so ein dritter BR-User.

Der BR hatte eine stichprobenartige Umfrage durchgeführt, an der 20 Krankenhäuser, vor allem in Bayern, teilnahmen. Daraus ging hervor, dass die Kliniken völlig uneinheitlich testen. Außerdem gaben viele Krankenhäuser an, unter Personalmangel zu leiden, der durch Krankenstand und Quarantäne verschärft werde. Teils kommen bereits Hilfskräfte zum Einsatz, um offene Stellen zu kompensieren. Die Personalnot ist so groß, dass nach Angaben der Bayerischen Krankenhausgesellschaft in Ausnahmefällen bereits Corona-positives Klinikpersonal arbeitet.

Opposition übt nach BR-Berichten Kritik an Staatsregierung

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Schulze, fordert Schnelltests für das Krankenhauspersonal. Die Staatsregierung habe zwar wöchentliche Schnelltests versprochen, aber von den zehn Millionen georderten Schnelltests seien erst 625.000 ausgeliefert worden. Schulze sprach im BR-Interview von einem "Logistik-Missmanagement".

Gesundheitsexpertin Ruth Waldmann (SPD) verlangt, die "Jedermann-Tests ohne Anlass" abzuschaffen, um stattdessen Kapazitäten für das medizinische Personal und Risikogruppen zu haben. Die Zustände seien abenteuerlich, so Waldmann, es brauche eine echte Teststrategie in Bayern.

Dominik Spitzer, der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, meint, Corona-positives Personal sollte grundsätzlich in häuslicher Quarantäne bleiben. In Extremsituationen, so Spitzer, könnte positives Klinikpersonal weiterarbeiten, aber nur freiwillig. Man könne außerdem auf den Pflegepool, in dem sich Freiwillige zum Einsatz melden, zurückgreifen.

Die AfD dagegen plädiert dafür, Pflegepersonal aus Reha-Kliniken abzuziehen und die Bundeswehr in Krankenhäusern einzusetzen. Der gesundheitspolitische Sprecher Andreas Winhart erklärt, mit Unterstützung der Soldaten - etwa bei der Essensverteilung - könnte sich das Pflegepersonal wieder mehr auf pflegerische Kernaufgaben konzentrieren.

Neue Hilfszahlungen: Krankenhäuser skeptisch

Bund und Länder haben sich am Wochenende auf neue Pandemie-Hilfsmaßnahmen für die Krankenhäuser verständigt. Ab heute soll es gestaffelte Hilfen geben, deren Höhe von der Infektionsrate in Stadt oder Landkreis abhängt. Jedes Bundesland entscheidet, welche Kliniken Hilfen für Corona-bedingte Leerstände bekommen.

Das bayerische Gesundheitsministerium schreibt auf BR-Anfrage, man arbeite "mit Hochdruck daran, die neuen Regelungen rasch und unbürokratisch umzusetzen, damit die Ausgleichszahlungen so rasch wie möglich zur Verfügung stehen".

Manche Krankenhäuser wussten bis zur heutigen BR-Berichterstattung nichts von den neuen Hilfen. Auf Nachfrage zeigen sich die Kliniken nicht optimistisch: "Leider haben die Ausgleichzahlungen während der ersten Welle nicht ausgereicht, um die Einbußen (…) auszugleichen. Daher müssen wir davon ausgehen, dass die jetzt geplanten Maßnahmen ebenfalls nicht auskömmlich sein werden", so die Reaktion eines Krankenhaussprechers. Und ein weitere Reaktion: "Die Regelungen sind (…) nicht eindeutig (…). Es wird also Verlierer und Gewinner geben. Ich befürchte, dass wir zu den Verlierern zählen."

"Wir müssen klarmachen, wie es in den Krankenhäusern wirklich ist."

Einige Pflegefachkräfte und Medizinerinnen wollen die BR-Berichterstattung nutzen, um Missstände auch in ihren Krankenhäusern anzusprechen: Viele fürchten, dass manche Klinikleitungen und auch Teile der Öffentlichkeit nicht verstanden haben, wie ernst die Lage ist.

"Ich fühle mich nicht sicher. Die Entscheidungsträger in unserem Krankenhaus haben die Pandemie, die ganze Problematik nicht verstanden."/ Wir hätten alle üben müssen, uns anders aufstellen müssen, aber den Sommer über ist leider nix passiert." / "Ich habe die Bilder von Belgien im Kopf, die Einschläge kommen näher." Reaktionen von Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeitern
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Die zweite Corona-Welle ist im vollen Gange. Wir haben Krankenhäuser und Mitarbeiter*innen zu aktuellen Situation befragt.

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