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Nach Böhmermann-Kritik: Heftiger Streit um Brose in Coburg | BR24

© picture alliance/Christophe Gateau

Nach Kritik von ZDF-Moderator Jan Böhmermann an einer Straßenumbenennung gibt es Streit in Coburg.

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Nach Böhmermann-Kritik: Heftiger Streit um Brose in Coburg

Nach Kritik von Jan Böhmermann an der Benennung einer Straße in Coburg nach Max Brose, gibt es Streit im Coburger Stadtrat. Es geht um die NS-Vergangenheit des Brose-Firmengründers und die Frage, ob sich die Stadt von dessen Enkel erpressen lässt.

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Coburgs früherer Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und der Zweite Bürgermeister und CSU-Stadtrat Hans-Herbert Hartan (CSU) haben die Vorwürfe des ZDF-Moderators Jan Böhmermann im Zusammenhang mit der Max-Brose-Straße zurückgewiesen. In einem gemeinsamen Schreiben der beiden heißt es, die CSU-Fraktion selbst habe im Jahr 2004 den Antrag in den Stadtrat eingebracht, den verdienten Unternehmer Max Brose und sein Unternehmen mit einer Straßenbenennung zu ehren. Dies sei weder auf Initiative des Unternehmens Brose, der Familie Stoschek, noch auf Grund irgendeines Drucks geschehen.

Böhmermann: Stoschek hat Coburg erpresst

Moderator Jan Böhmermann hatte zuvor in der Sendung "ZDF Magazin Royale" behauptet, der Unternehmer Michael Stoschek habe die Stadt mit der Straßenbenennung regelrecht erpresst und im Falle einer Ablehnung gedroht, die finanzielle Unterstützung für die Stadt einzustellen. Die Benennung einer Straße nach Stoscheks Großvater und Brose-Firmengründer Max Brose gilt als umstritten. Brose habe mit den Nazis sympathisiert und in besonderer Weise vom Unrecht an den Coburger Juden profitiert, so Böhmermann.

Ex-OB Tessmer: Vergangenheit von Max Brose vollumfänglich aufgeklärt

Tessmer und Hartan halten dagegen: Weder die Firma Brose noch die Familie Stoschek hätten von den Plänen der CSU gewusst, eine Straße nach dem Firmengründer zu benennen. Nach langen Diskussionen im Bausenat und im Stadtrat sei der Antrag 2004 bei Stimmengleichheit der Stadträte abgelehnt worden. Tessmer habe daraufhin im Jahr 2015 das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt und zwar nachdem die Vergangenheit von Max Brose in der NS-Zeit voll umfänglich aufgeklärt worden sei. Der Coburger Stadtrat habe daraufhin mit einer großen Mehrheit von 30 zu acht Stimmen der Umbenennung der von-Schulte-Straße in Max-Brose-Straße zugestimmt. Jede andere Darstellung der Ereignisse sei eine "böswillige Verdrehung der Tatsachen", so Tesmmer und Hartan.

"Liebesentzug" durch Michael Stoschek

Die Grünen in Coburg sehen das ganz anders. Nach Ansicht des Vorstands und der Stadtratsfraktion hat Moderator Böhmermann die Vorgänge rund um die Straßenbenennung zu Recht kritisiert. Der Enkel des Firmengründers habe sehr wohl eine Max-Brose-Straße in Coburg gewollt. Das Scheitern dieses Anliegens im ersten Anlauf 2004 im Coburger Stadtrat sei ein Grund für den "Liebesentzug" und das stark abgekühlte Verhältnis zwischen Stoschek und der Stadtspitze gewesen.

Direkt von der Enteignung der Juden profitiert

Es sei durchaus brisant, ausgerechnet in Coburg eine Straße nach dem Firmengründer zu benennen, der während der Weimarer Republik mindestens stark mit den Nazis sympathisiert habe, ab 1933 Mitglied der NSDAP gewesen sei, 1935 vom Reichswirtschaftsministerium zum Präsidenten des Industrie- und Handelskammer ernannt worden sei und 1938 den Ehrentitel Wehrwirtschaftsführer führen durfte. Unter anderem habe Max Brose direkt von der Enteignung des Coburger Juden Abraham Friedmann profitiert.

Grüne: Verrat an den Opfern des Nazi-Terrors

Nach Ansicht der Grünen sind die Nationalsozialisten in Coburg sehr früh aktiv gewesen. Als Beispiel werden in einer Mitteilung unter anderem die Gründung einer NSDAP-Ortsgruppe im Jahr 1923 und eine Stadtratsmehrheit der Nazis ab 1929, deutlich vor der Machtergreifung 1933, genannt. In Sachen Nationalsozialismus sei in Coburg daher mehr Sensibilität angebracht, heißt es weiter. Das starke Entgegenkommen des ehemaligen Oberbürgermeisters Tessmer in Richtung Stoschek und das damit verbundene Ausblenden historischer Fakten, sei nur mit dessen Bedürfnis nach Harmonie zu erklären. Für manchen möge das bereits ein Verrat an den Opfern des Nazi-Terrors aus den Reihen der Coburger SPD sein.

Brose und Stoschek wollen sich nicht äußern

Der Automobilzulieferer Brose und Michael Stoschek, der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Brose Unternehmensgruppe, wollten sich auf BR-Nachfrage nicht zu den Vorwürfen Böhmermanns äußern. Die Stadt Coburg ließ über ihren Sprecher mitteilen, die Stadt Coburg fühle sich durch die Aussagen nicht angegriffen. Satire dürfe alles. Sie dürfe auch zuspitzen und es mit den Fakten mal nicht ganz so genau nehmen.

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