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Nach Aufhebung von Ausflugsverbot: Hochbetrieb am Spitzingsee | BR24

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Obwohl kein Ausflugswetter herrschte, tummelten sich wieder zahlreiche Tagesausflügler im Landkreis Miesbach rund um den Spitzingsee.

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Nach Aufhebung von Ausflugsverbot: Hochbetrieb am Spitzingsee

Wegen gesunkener Corona-Zahlen hatte der Landkreis Miesbach am Dienstag touristische Ausflüge aus anderen Regionen wieder erlaubt. Und so herrschte am Sonntag, obwohl das Wetter eigentlich nicht zu Ausflügen einlud, wieder Hochbetrieb am Spitzingsee.

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Von
  • Christoph Arnowski

Die Taubensteinbahn ist wie jeden Winter geschlossen und pandemiebedingt laufen auch die Skilifte drüben im Stümpflinggebiet nicht. Auf den großen Parkplätzen bei den Bahnen stehen die Autos trotzdem Stoßstange an Stoßstange. Zum Kurvenlift darf man gar nicht mehr hinauffahren, laut Schild am Spitzingsattel sind dort alle Parkplätze belegt. Und auch auf der Straße vom Spitzingsee hinauf zum Skigebiet steht ein Wagen hinter dem anderen.

Ausflügler schienen Abstandsregeln zu beachten

Und das, obwohl das Wetter alles andere als schön ist. Die Gipfel ringsum stecken im Nebel, der Schnee ist weich und pappig. Und trotzdem sind unzählige Menschen unterwegs. Die einen machen einen Spaziergang um den Spitzingsee, dessen Eis zugeschneit ist, aber bei den warmen Temperaturen der letzten Tage seine Tragfähigkeit eingebüßt hat.

Auf den Hängen des - wegen der Corona-Pandemie stillstehenden - Valeppalm-Schlepplifts tummeln sich viele Familien mit Kindern beim Schlittenfahren. Ein paar Meter weiter droben ziehen ganze Karawanen von Skitourengehern und Schneeschuhwanderern ihre Spur Richtung Stümfpling und Rosskopf. Die meisten scheinen wegen der Ansteckungsgefahr auf einen Abstand zueinander zu achten.

Chaos blieb am Wochenende aus

An diesem Sonntagmittag ist also alles gut. Der Parkplatzbetreiber macht ein schönes Geschäft - zehn anstatt der sonst üblichen fünf Euro kostet ein Stellplatz. "Die Toiletten sind auch geöffnet", versucht der Mann an der Einfahrt die 100-Prozent-Preissteigerung zur Vor-Corona-Zeit zu rechtfertigen.

Es gibt auch kein Chaos wie zwischen Weihnachten und Neujahr, als sich die Spitzingstraße vom Tal bis hinauf zum letzten Parkplatz in einen einzigen Stau verwandelt hatte.

"Sind froh, dass wir da sein dürfen"

Erst hinauf und dann später am Tag wieder hinunter. Die Ausflügler sind glücklich. "Es ist schön, ein bißchen mehr erleben zu können, als so um den eigenen Block spazieren zu gehen", sagt eine junge Frau aus Ingolstadt, die mit ihrer Freundin zum Schneeschuhwandern gekommen ist.

Und die ergänzt: "Natürlich haben wir Verständnis gehabt, dass wir nicht herfahren duften, als die Sieben-Tage-Inzidenz so hoch war. Aber jetzt sind wir froh, dass wir da sein dürfen." So geht es vielen. "Toller Schnee, a bißl viele Leute, aber sonst war es echt super", meint eine Skitourengeherin, die gerade ihre Abfahrt beendet hat. Wie die meisten stammt sie nicht aus dem Landkreis.

Auch nicht-bayerische Kennzeichen auf dem Parkplatz

Den Autokennzeichen auf dem Parkplatz zufolge, sind die Einheimischen deutlich in der Unterzahl. Viele Münchner sind natürlich da, aber auch Ebersberger, Freisinger, Dachauer und viele Ausflügler aus Rosenheim. Und vereinzelt sogar Autos mit Kennzeichen aus ganz anderen Teilen Deutschlands. Die weiteste Anfahrt dürfte eines aus Kiel gehabt haben, wenn sein Besitzer denn wirklich nur für diesen Ausflug in den Süden gefahren ist. Auch ein Vorarlberger aus Bregenz ist augenscheinlich am Taubenstein unterwegs.

Die Einheimischen trauern den Wochen ein wenig nach, in denen sie ihre Berge nur für sich hatten, sie sehen das Ganze mit eher gemischten Gefühlen. "Man hat auch mal nachmittags losgehen können und ist dann nicht im Stau gestanden, aber ich verstehe natürlich auch, dass die Leute rauswollen, aus der Großstadt, aus den kleinen Wohnungen, die wollen in die Natur", meint einer, der erst gegen 13 Uhr zu seiner Tour aufbricht.

Bei schönem Wetter könnte es wieder eng werden

Heute scheint die Stimmung relaxt. Keine Spur von Anfeindungen zwischen einheimischen und auswärtigen Ausflüglern - was wohl auch daran liegt, dass jede und jeder noch einen Parkplatz findet. Doch das kann sich schnell ändern, wenn das Wetter wieder besser wird und viele Menschen den Winter droben am Spitzingsee genießen möchten. "Dagegen hilft nur die Grenzen nach Tirol aufmachen", meint jemand, "dann müssen wir nicht mehr alle hierherfahren." Ein paar Umstehende auf dem Parkplatz stimmen dem unorthodox erscheinenden Vorschlag zu.

Natürlich würden sich die vielen Ausflügler aus München und Umgebung in den wenigen Gebieten auf oberbayerischer Seite nicht dauernd über den Weg laufen. Doch alle wissen: die Verantwortlichen in der Politik sehen das ganz anders, jeder Reiseverkehr erhöht das Ansteckungsrisiko.

Da wird es vermutlich erst recht für touristische Tagesausflüge nach Österreich keine Ausnahme geben, die freie Fahrt ins Nachbarland ist jedenfalls nicht in Sicht. Was umgekehrt heißt: an schönen Wochenenden könnte es in bayerischen Ausflugszielen wie dem Spitzinggebiet sowohl für Einheimische als auch für Besucher wieder ganz schön stressig werden.

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