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Nach Anschlag in Halle: Bayernweit Aktionen gegen Antisemitismus | BR24

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In ganz Bayern haben Bürger ihre Solidarität mit den Opfern von Halle und mit den Jüdinnen und Juden in Deutschland bekundet.

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Nach Anschlag in Halle: Bayernweit Aktionen gegen Antisemitismus

Nach dem Terrorangriff in Halle haben am Abend Menschen in ganz Bayern ihre Solidarität mit jüdischen Mitbürgern bekundet und ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Mit Menschen- und Lichterketten demonstrierten sie für Zusammenhalt.

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Das Ziel des mutmaßlichen Attentäters von Halle war die örtliche Synagoge. Sein Versuch ins Gebäude einzudringen, scheiterte zwar. Aber zwei Menschen wurden getötet. Nach diesem Terrorakt sind heute Abend Tausende Menschen in vielen bayerischen Städten gegen Antisemitismus auf die Straße gegangen und gedachten der Opfer des Anschlags. In Versammlungen - oft vor den Synagogen - haben sie ihre Solidarität mit jüdischen Mitbürgern ausgedrückt, bildeten Menschen- und Lichterketten.

Menschenkette auf Münchner Jakobsplatz

In München versammelten sich hunderte Menschen am Jakobsplatz zu einer Menschenkette, an der unter anderem auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) teilnahm. Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich im BR-Interview sehr bewegt. Die Menschen würden ihr und allen jüdischen Mitbürgern das Gefühl geben, ein Teil der Stadtgemeinschaft zu sein. "Glücklich, geschützt und geborgen – das Gefühl habe ich, wenn ich die Menschen hier sehe", so Knobloch. Als Reaktion auf das Attentat in Halle müsse man mehr zuhören und auf die Menschen eingehen. "Wir müssen auch alle überzeugen, ein Teil unserer Gesellschaft zu sein, die sich ausgegrenzt fühlen."

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zeigte sich "überwältigt von so vielen Menschen, die gekommen sind". Das gebe Hoffnung. Er rief zum Einsatz gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus auf.

"Wir fühlen uns tief verbunden mit den jüdischen Schwestern und Brüdern. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

An der Versammlung in München nehmen prominente bayerische Politiker teil, unter anderem Kultusminister Michael Piazolo (FW), FDP-Fraktionschef Martin Hagen, der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) und Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU).

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Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, zeigte sich tief bewegt von der Solidarität vieler Münchner Bürger, die am Abend eine Lichterkette um die Münchner Synagoge bildeten.

Mehrere Tausend Teilnehmer in Nürnberg

In Nürnberg haben sich mehrere Tausend Menschen vor der Synagoge versammelt - darunter Oberbürgermeister Ulrich Maly, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und dessen Vorgänger Günther Beckstein.

"Wir senden damit das Signal, dass wir jüdisches Leben in Nürnberg wollen, dass wir wollen, dass sie bei uns leben." Ulrich Maly, Oberbürgermeiser von Nürnberg

Weiter sagte Maly, dass Antisemitismus nichts sei, was sich gegen Juden richte, sondern „es ist eine Menschenfeindlichkeit, die sich gegen die Menschenwürde und auch gegen unsere Demokratie insgesamt richtet und darum müssen wir sie verteidigen."

Ex-Innenminister Günther Beckstein zeigte sich fassungslos: "Dass jemand derartige Mengen Waffen und Sprengstoff sich besorgen kann, ohne dass er den Sicherheitsbehörden auffällt, also da merke ich, dass manches noch im Argen liegt." Umso mehr freue er sich, dass in Nürnberg so viele Menschen kurzfristig erschienen:

"Dass die Leute es für wichtig halten, finde ich ganz großartig, es zeigt, dass die jüdische Gemeinde mitten in unserer Stadt ist und wir stolz drauf sind, dass wir eine starke jüdische Gemeinde Nürnberg haben." Ex-Innenminister Günther Beckstein zum zahlreichen Erscheinen der Menschen an der Nürnberger Synagoge

Auch Bayerns Innenminister Herrmann freute sich, dass so viele Menschen an der Aktion, zu der erst gestern aufgerufen wurde, teilgenommen haben. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erklärt er:

"Wir müssen deutlich machen, da schauen wir nicht zu, da schauen wir nicht einfach weg, da sagen wir deutlich unsere Meinung." Bayerns Innenminister Herrmann

Die große Solidaritätsaktion ist von der „Allianz gegen Rechtsextremismus der Metropolregion Nürnberg“ zusammen mit der "Bürgerinitiative für Menschenrechte Mittelfranken" organisiert worden.

Straubing: Lichterkette um Synagoge

In Straubing haben verschiedene Initiativen und Kirchen zur Solidaritätskundgebung aufgerufen. Einige hundert Menschen kamen unter dem Motto "Wir stehen auf gegen Antisemitismus" vor der Synagoge zusammen. Die Teilnehmer gedachten der Opfer des Anschlags von Halle.

"Es ist wichtig für uns Straubinger, jetzt Gesicht zu zeigen." Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) in seiner Ansprache

Es sei wichtig, dass sich die Menschen in der Stadt mit Respekt und Achtsamkeit begegnen, so Pannermayr.

Anschließend bildeten die einigen hundert Teilnehmer mit Kerzen eine große Menschen- und Lichterkette rund um die Synagoge in der Straubinger Innenstadt. Danach begann in der Synagoge das Gebet zum Beginn des Schabbat. Dazu läuteten auch die Glocken der christlichen Kirchen.

Stille Solidarität in Bayreuth, Ansbach und Hof

Nach den Angriffen von Halle fand auch in Bayreuth eine Solidaritätsveranstaltung statt. Es sollte ein stilles Gedenken sein, in dem anschließend ein Psalm gelesen und Kerzen als Zeichen der Verbundenheit angezündet wurden. Treffpunkt war am markgräflichen Opernhaus. Eingeladen hatte die evangelische Kirche in Bayreuth. Auch in Ansbach und Hof wurde zu Demonstrationen gegen Hass und Gewalt aufgerufen.

Würzburg: Versammlung am jüdischen Kulturzentrum

In Würzburg haben heute Abend rund 150 Menschen eine Lichterkette gebildet. Die evangelische und die katholische Kirche hatten dazu aufgerufen, nach dem Terroranschlag von Halle ein Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gesellschaft zu setzen. Die Teilnehmer versammelten sich am Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum 'Shalom Europa'.

In Fürth schweigen am Samstag die Kirchenglocken

In Stadt und Landkreis Fürth sollen als Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern am Samstag sämtliche Kirchenglocken schweigen. "Wir rufen auf zur Besinnung, gegen die Hetze, für Solidarität, gegen Hass", teilten Jörg Sicherstiel, evangelischer Dekan in Fürth, und Andre Hermaty, katholischer Dekan der Stadt, mit.

Der gesellschaftliche und rechtsstaatliche Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus müsse stärker und entschiedener werden, so die beiden Dekane. Das Schweigen der Glocken sei eine Stellungnahme gegen Gewalt, ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in den jüdischen Gemeinden und der Trauer mit den Angehörigen der Toten von Halle sowie ein Bekenntnis zum Recht auf freie Religionsausübung.

Erste Solidaritätsaktionen bereits am Donnerstag

In München, Nürnberg, Regensburg, Augsburg und Bamberg gab es bereits am Donnerstag Mahnwachen und Friedensgebete als Zeichen der Solidarität.

Unser Artikel bringt eine Auswahl der Solidaritätsaktionen und wird gegebenenfalls ergänzt, kann aber keine Vollständigkeit bieten.

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Während der Sabbatgottesdienst gefeiert wird, haben Hunderte Menschen eine Lichterkette um die Münchner Synagoge geschlossen. Ein Zeichen, dass alle Menschen jüdischen Glauben geschützt sind, so der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm.