BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

N2025: Verloren und doch gewonnen | BR24

© BR/ Maximilian Albrecht

Die Zeppelinbühne wurde im Zuge der Kulturhauptstadt-Bewerbung Nürnbergs bunt bemalt.

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

N2025: Verloren und doch gewonnen

Nürnberg wird nicht Europäische Kulturhauptstadt 2025 und die Enttäuschung in der gesamten Metropolregion ist riesengroß! Alles umsonst? Mitnichten - bereits die Bewerbung hat viele Impulse gesetzt. Die Stadt profitiert in jedem Fall.

5
Per Mail sharen

Nürnberg hatte in seiner Bewerbung für den Titel Kulturhauptstadt nicht nur mit seiner facettenreichen Vergangenheit geworben, sondern vor allem mit vielen Projekten, die zukunftsweisend für die Stadtentwicklung werden sollten. Schließlich stand schon der ganze Bewerbungsprozess unter dem Motto "Past Forward" – was heißen soll: Mit dem Blick zurück auf die Vergangenheit die Zukunft gestalten.

Virtuelles Dürerhaus

Nürnberg ist stolz auf das Dürerhaus, in dem allerdings kein einziges berühmtes Werk des Meisters im Original zu finden ist. Das ist für Nürnberger und Touristen gleichermaßen höchst ärgerlich. Deshalb war für die Bewerbung ein kühner Plan entwickelt worden: Zusätzlich zum tatsächlichen Museumshaus könnte ein virtuelles Dürerhaus entstehen – mit Dürers Gesamtwerk in einer digitalen Installation. Dem Meister selbst könnten die Besucher dann sogar als Hologramm begegnen.

Brettspiele sollen für ur-demokratische Impulse sorgen

Das sogenannte Pellerhaus am Egidienberg beherbergt das Deutsche Spielearchiv mit einer Sammlung von allein 30.000 Brettspielen, und es werden immer mehr. Und da Spielen die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt und deshalb ur-demokratisch ist, soll dieses Haus künftig, ganz spielerisch, wertvolle, grenzüberschreitende und integrative Impulse liefern. Das geht auch ohne Kulturhaupststadt-Titel.

Mitmachmuseum Industriekultur

Das Museum Industriekultur will ein Mitmachmuseum werden. Die ehemalige Schraubenfabrik zeigt die Industriegeschichte und den Wandel in der Arbeitswelt. Diese soll im wahrsten Sinne des Wortes begreifbarer gemacht werden. Außerdem will das Museum vermehrt ein Forum bieten für Stadtgespräche aller Art.

Kultur statt Feuerwehr

Es gibt auch Pläne für die alte Feuerwache. Wenn die letzten Einsatzfahrzeuge in ihr neues Domizil umgezogen sind, soll hier kulturelles Leben einziehen. Ein Zentrum für die Kunst- und Kreativwirtschaft ist im Gespräch, als Infobörse für die Branche mit viel Raum für Ideen und Projekte.

Erinnerungskultur

Buchstäblich in Stein gemeißelt ist die Sanierung der Zeppelintribühne. Denn die Finanzierungszusagen von Bund und Ländern liegen bereits vor, und die gelten unabhängig vom Kulturhauptstadt-Titel. Im Rahmen der Erinnerungskultur gilt das auch für den Umbau und die Erweiterung des Dokumentationszentrums, das in einem kleinen Teil der Kongresshalle untergebracht ist.

Für den Rest der Halle allerdings braucht es ohne die erhofften Zuschüsse, die der Titel mit sich gebracht hätte, mutige Ideen und noch mutigere Finanzierungskonzepte, um diesen Rohbau der Nationalsozialisten in Räumlichkeiten für die Kultur umzubauen.

Räume für Kunst und Kultur fehlen

Ein wichtiger und gleichzeitig auch schmerzhafter Teil der Bewerbungsphase war das Aufspüren und Zusammentragen von Bedürfnissen der Kunst- und Kulturschaffenden. Was die Szene schon lange bemängelte, wurde plötzlich auch den Verantwortlichen klar vor Augen geführt: Es fehlen in Nürnberg Räume, um Kunst und Kultur zu ermöglichen, Werkstätten, Ateliers, Tonstudios, Proberäume, Bühnen.

Was braucht eine lebenswerte Stadt?

Die Nürnberger wurden nach ihren Wünschen und Vorstellungen von einer lebenswerten Stadt gefragt. Die Bewerbung hat sich um Einblicke in die Gesellschaft bemüht, und Ergebnisse und Analysen geliefert, die sich eine Stadtverwaltung sonst kaum leisten kann und will. Europaweite Kooperationen und Netzwerke innerhalb der Kunst- und Kulturszene entstanden ebenfalls im Bewerbungsprozess.

Diese Kontakte können auch ohne den Kulturhauptstadt-Titel sehr wertvoll und wirkungsvoll sein. Ebenso die Erkenntnis, wie wichtig Kunst, Kultur und Kreativität für die Stadt und ihre Menschen sind.

Einige Projekte werden trotzdem verwirklicht

Gleich nach der enttäuschenden Nachricht verkündete Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU), dass einige Projekte aus dem Bewerbungsprozess dennoch verwirklicht werden sollen. Dazu gehört etwa die Umwandlung der wuchtigen Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in einen Ort für Kunst und für Kulturschaffende. Auch das "Haus des Spiels" soll weiterentwickelt werden.

Der Freistaat gibt Geld für Nürnberger Kultur

Trotz der verlorenen Bewerbung bekommt Nürnberg zwei Millionen Euro vom Freistaat. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) erklärte, dass sein Ministerium zudem prüfen werde, welche Projekte darüber hinaus finanziell unterstützt werden könnten. Nach Meinung von Minister Sibler hat Nürnberg mit viel Herzblut und höchster Expertise um den Titel der Kulturhauptstadt 2025 gekämpft. Davon werde die Stadt trotz der verlorenen Bewerbung profitieren.

© BR

Der Nürnberger Kultursommer startet eigentlich Anfang Mai mit der Blauen Nacht - Kunst erobert die Innenstadt. Ein Besuchermagnet, der Hunderttausende in die Altstadt lockt. Leider nicht in diesem Jahr.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!