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Mysteriöser Künstler lädt zur Ausstellung in Neustadt ein | BR24

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Bildrechte: BR/Annika Svitil

Rästelhafter Künstler "Rage" zeigt seine Werke in einer Ausstellung in Neustadt Aisch.

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Mysteriöser Künstler lädt zur Ausstellung in Neustadt ein

Er nennt sich Rage, hat zwei Hütten im Wald künstlerisch gestaltet und einen riesigen QR-Code im Feld hinterlassen. Trotzdem weiß keiner, wer er ist. Jetzt lädt der "fränkische Banksy" zu einer Ausstellung nach Neustadt an der Aisch ein.

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Von
  • Annika Svitil

Den ganzen Sommer über rätseln die Menschen in Franken darüber, wer der mysteriöse Künstler ist, der sich im Wald zwischen Uehlfeld und Lonnerstadt ausgetobt hat. Zwei verlassene Hütten verwandelte er in Galerien mit Street-Art Kunstwerken. Der Urheber nennt sich "Ra.g.e", mehr weiß keiner von ihm. Doch er wendet sich an die Öffentlichkeit und lädt zu seiner Ausstellung ein. Diese war zuerst in Uehlfeld, aktuell ist sie in Neustadt an der Aisch zu sehen. Hier gewährt er Einblicke in seine Kunst, er selbst bleibt dabei aber weiter im Verborgenen. Trotzdem hat er sich mit mir, der BR-Reporterin Annika Svitil, getroffen und mich durch die Ausstellung geführt.

Treffen mit dem Phantom

Seit ich auf das Instagram-Profil des geheimen Künstlers gestoßen bin, warte ich gespannt, dass etwas Neues passiert. So wurde ich auch auf die Ausstellung "Hidden Gallery" aufmerksam. Also schrieb ich den Künstler, genannt "Ra.g.e", einfach direkt in dem Sozialen Netzwerk an. Ich hatte Erfolg: Er antwortete und schlug vor, mir seine Ausstellung in Neustadt vor der Eröffnung zu zeigen. Als seine beiden verlassenen Waldhütten auftauchten, war ich schon für Aufnahmen unterwegs. Das allein war aufregend, da ich beide Male allein im Wald filmte. Wie sollte es dann werden, den Künstler tatsächlich zu treffen? Und das in der verlassenen Müller-Filiale in Neustadt an der Aisch, in der die Ausstellung aufgebaut ist. Was soll ich sagen – es war toll und wahnsinnig interessant! Viel mehr werde ich nicht verraten, denn die Vereinbarung lautete: der Künstler ist und bleibt unbekannt.

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Eine Hütte hat es auch in die Ausstellung geschafft.

QR-Code auf Feld brachte alles ins Rollen

Ein riesiger QR-Code war der Anfang. Den hatte "Ra.g.e" in einer Nacht-und-Nebel Aktion in Lonnerstadt in ein Feld gegraben. Auf den ersten Blick waren das Gräben in einer Wiese. Von oben aber deutlich erkennbar: Ein Code aus einzelnen Pixeln, der beim Einscannen mit einem Smartphone die Botschaft "Hello World" (Hallo Welt) ergab. Das erregte große Aufmerksamkeit, und schnell entdeckten Bürger von Lonnerstadt eine verlassene Waldhütte voller Kunstwerken in unmittelbarer Nähe. Ein Drohnenvideo des QR-Codes ist in der Ausstellung zu sehen.

Hidden Gallery zeigt Street-Art

Hinter Bäumen versteckt schauen zwei große blaue Augen von einer Wand der Hütte in den Wald hinaus. Zwischen den Augen ist der Eingang zur "Hidden Gallery" (Versteckte Galerie). Auf einer anderen Wand ist dieser Name verewigt und auch auf einer Parkbank in der Nähe steht der Hinweis "Hidden Gallery 200m". In der alten, baufälligen Hütte dann zahlreiche Street-Art Werke: eingerahmte Farbspritzer, eine nackte Tänzerin, Greta Thunberg als Heiligenfigur, eine Jokerspielkarte mit EC-Karten-Chip und vieles mehr. Überall der Hinweis: "It’s a trap" (Es ist eine Falle). Eine Google-Suche nach "Hidden Gallery Lonnerstadt" ergibt den verlinkten Ort der Galerie und zeigt Bilder, die ein "Hans Müller" schon im Februar veröffentlichte. Somit entstanden auch die Werke im tiefsten Winter. Die Sprühdosen froren teilweise ein, seine Stirnlampe machte wegen der Kälte schlapp, erzählt "Ra.g.e". Aber er wollte in der Nacht arbeiten, und so zog er alle Jacken an, die er hat.

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Die "Hidden Gallery" in Lonnerstadt von außen

Blue Gallery in Uehlfeld aufgetaucht

Ein Aufruf in der örtlichen Zeitung ergab keinen Hinweis, wer hinter der Galerie steckt, aber einen Hinweis auf eine zweite Hütte. Diesmal im Wald in Uehlfeld. Ebenfalls eine verlassene Hütte, allerdings deutlich kleiner und alle Kunstwerke in blau. Neben dem Eingang auch das Schild mit dem passenden Namen "The Blue Gallery" und der Hinweis auf das Instagram-Profil. Schnell wird klar: diese Galerie ist bereits im Sommer 2019 entstanden, denn da wurden Fotos der Hütte auf dem Profil veröffentlicht. Außerdem sind die Werke in der Hütte mit Name und Datum beschriftet.

Kunst erinnert an Banksy

Sowohl in der Hidden Gallery als auch in der Blue Gallery ist Street-Art zu finden. Weil die im geheimen entstand und plötzlich auftauchte, liegt ein Vergleich mit dem britischen Street-Art-Künstler "Banksy" nahe. Auch ihn kennt keiner, seine Werke entstehen heimlich und sind gesellschaftskritisch. Die Kunst von "Ra.g.e" kritisiert ebenfalls, zeigt unter anderem Donald Trump mit einer Schere und betitelt dieses Werk mit "Who set the World on fire" (Wer setzte die Welt in Brand). Weitere gesellschaftskritische Motive waren in Neustadt auf dem Bahnhof zu finden, wie der aufgesprayte Spruch "Count Carps, no Carbs" (Zähle Karpfen, keine Kohlenhydrate) mit einigen Bildern von Karpfen daneben. "Ra.g.e" selbst will nicht mit Banksy verglichen werden. Er schätze ihn sehr, doch jeder Künstler wolle für sich selbst stehen und ungern an jemanden anderen erinnern.

Ausstellung "Hidden Gallery" in Neustadt zeigt Querschnitt aller Werke

Beide verlassenen Waldhütten sind Thema der Ausstellung, viele Fotos zeigen die einzelnen Kunstwerke. Dazu kommen weitere Werke, wie ein Portrait, das komplett aus Pillenhülsen besteht. Jede einzelne hat der Künstler mit Farbpigmenten gefüllt und dann auf eine Leinwand geklebt. Auch eine Skulptur ist zu sehen. Sie ist mit den geliebten Sprühdosen des Künstlers beklebt. Die "Hidden Gallery"-Ausstellung ist noch bis 1. November 2020 in Neustadt zu sehen. Danach zieht sie Ende November nach Höchstadt.

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Er nennt sich Rage, hat zwei Hütten im Wald künstlerisch gestaltet und einen riesigen QR-Code im Feld hinterlassen. Trotzdem weiß keiner, wer er ist. Jetzt lädt der "fränkische Banksy" zu einer Ausstellung nach Neustadt an der Aisch ein.