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Muttertag: Gleichberechtigung den Heldinnen der Corona-Krise! | BR24

© dpa/pa, Jan Richter

Junge Mutter mit Baby arbeitet zu Hause am Laptop

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Muttertag: Gleichberechtigung den Heldinnen der Corona-Krise!

Mütter haben es in Coronazeiten schwer: Kinder betreuen, Haushalt und Job. Sie sind die Krisenmanagerinnen. Der Staat scheint sich auf sie zu verlassen. Zum Muttertag fordern Soziologen und Frauenverbände Entlastung statt Blumen für Mütter.

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"Mama, kann ich an den Computer, damit ich etwas für Bio machen kann?“ "Maaaaama, kannst Du mir in Chemie helfen?" "Mami, Mami, Mami, ich hab mir weh getan!" Clarissa Marhewka aus Gräfelfing versucht, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren. Ihre vier Kinder brauchen sie zur Zeit besonders viel.

Belastung der Mütter hat stark zugenommen

Emma, 15, Bennett,12 und Julius, 9 Jahre alt sind im Homeschooling. Auch die fünfjährige Mathilda muss beschäftigt werden. Dann gibt es noch die Wäsche und ihr Telefon, das immer wieder klingelt. Auch die Küche muss gemacht werden. Die 44-jährige weiß gar nicht, was sie zuerst machen soll.

"Ich kann das Wort Mama schon nicht mehr hören!"

Seit sieben Wochen herrscht Ausnahmezustand im Hause Marhewka. Seit die Schulen geschlossen sind, seit die Corona-Krise existiert. Sohn Bennett erträgt das Wort "Corona" schon nicht mehr. Dafür kann Clarissa Marhewka das Wort "Mama" nicht mehr hören. "Weil es bei jeder Sache kommt: beim Streit, bei den Schulaufgaben, wenn es um den Rechner oder das Ausdrucken geht", erzählt die Gräfelfingerin genervt. Ihren Job hat die vierfache Mutter vorübergehend aufgegeben, seit sie ihre Kinder zu Hause betreuen muss. Sie arbeitet freiberuflich in der Firma ihres Vaters. Dafür arbeitet ihr Mann noch mehr als vor Corona. Wie bei vielen anderen ist auch Familie Marhewka in die klassische Rollenverteilung zurückgefallen. Die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt, der Mann verdient das Geld.

Frauen tragen die Hauptlast in der Coronakrise

Genau diese Aufgabenaufteilung kritisieren Soziologen und Frauenverbände. Die Coronakrise habe die Lage der Frauen verschärft. Erste Studien belegen diesen Rückschritt. Die Münchner Gender-Forscherin und Soziologin Paula Irene Villa Braslavsky sagt: "Mütter sind im Moment an einem Punkt, an dem sie aus der Erwerbsarbeit herausgedrängt werden. Sie müssen in der Arbeitsaufteilung daheim das Gros an Homeschooling schultern, auch wenn die Väter zu Hause sind". Das alles passiert zu Lasten ihrer eigenen Gesundheit und ihres Wohlbefindens und vor allem zu Lasten ihrer eigenen Erwerbstätigkeit und ihrer materiellen Absicherung. Diese Probleme der Mutterschaft sind nicht neu und haben nicht nur etwas mit der Krise zu tun, sagt die LMU-Professorin.

"Coronazeit wirft Gesellschaft 30 Jahre zurück"

Der Staat scheint sich in der Corona-Krise darauf zu verlassen, dass die Mütter die Krise meistern. Die ganzen Bemühungen der letzten Jahre, die Mütter zu entlasten, scheinen vergessen. Von Applaus und Blumen haben sie keine Entlastung, wenn sie als selbstverständliche und hauptamtliche Krisenmanagerinnen verstanden werden. Die repräsentative Mannheimer Corona-Studie, die Paare 2018 und Mitte April 2020 befragte, zeigt, dass bei den Müttern von Kindern unter 16 Jahren die Arbeitszeit nur in der Familie - Haushalt und Betreuung - von durchschnittlich 6,9 auf 8,2 Stunden am Tag gestiegen ist.

Forderung: Echte Entlastung statt billiger Blumen

Frauen sind das Rückgrat unser Systems. Ob als Mutter, Kassiererin, Ärztin oder Erzieherin, stellt der bayerische Landesfrauenrat fest. "Die Hauptlast liegt nach wie vor leider bei den Frauen. Sozialforscher sagen eine Retraditionalisierung voraus, die die frauenpolitischen Bemühungen um 30 Jahre zurückwerfen könnte", sagt die Präsidentin des Landesfrauenrats Hildegund Rüger. Deswegen sei der Muttertag wichtig, um die Leistungen der Mütter gerade jetzt in der Coronakrise zu würdigen. Das sieht die Soziologin Paula Irene Villa anders: "Die Mutterschaft wird dadurch überhöht und romantisiert, was nichts mit der Realität zu hat", meint sie dazu.

Auch Clarissa Marhewka aus Gräfelfing ist der Muttertag nicht wichtig. Sie sehnt sich einfach nur danach, dass die Coronazeit bald zu Ende geht. Im Interesse ihrer Kinder, denn die würden am meisten leiden, sagt sie. Und damit sie nicht immer nur das eine hören muss: "Maaaaaama!"

© BR

Gleichberechtigung statt Gladiolen

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