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Das Müttergenesungswerk in Bad Windsheim ist eine wichtige Einrichtung für Familien, vor allem aber für Mütter, die Freiraum für die eigene Gesundheit und Genesung brauchen. Aufgrund der Pandemie haben es die Kliniken jedoch nicht leicht.

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Mutter-Kind-Kur: Kliniken ohne Rettungsschirm gefährdet

Der Corona-Rettungsschirm für Vorsorge- und Rehakliniken läuft Mitte Juni endgültig aus. Für die AWO-Klinik in Bad Windsheim ist das existenzbedrohend, dabei steigt bei Familien sogar die Nachfrage nach Kuren während der Corona-Pandemie.

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Von
  • Sandra Lohse

Die zweifache Mutter Jana Lippert hat einen ganzen Vormittag Zeit für sich – neben dem Sport- und Therapieprogramm, an dem sie während ihrer dreiwöchigen Mutter-Kind-Kur teilnimmt. Ihre zweijährige Tochter Tia ist im Betreuungsangebot der AWO Klinik zur Solequelle in Bad Windsheim. Zuhause in Köln würde Jana Lippert nun zwischen Home-Office, Haushalt und Home-Schooling mit dem 14-jährigen Sohn rotieren. "Ich habe gemerkt, dass ich im letzten Jahr, im letzten Drittel, gar nicht mehr geschlafen hab, viele Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen gehabt habe", erzählt Jana Lippert, "die Mutter-Kind-Kur gibt einfach jetzt schon so viel Freiheit zurück."

Familien während der Pandemie extrem erschöpft

So wie Jana Lippert geht es wohl vielen Eltern während der Pandemie. Das fällt auch der Leiterin der Klinik in Bad Windsheim Ute Horak auf. "Wir erleben so viele Familien als extrem erschöpft", sagt Horak. Die Nachfrage nach einer Mutter-Kind-Kur ist groß. Das Angebot ist dagegen klein: Im ersten Lockdown musste die Klinik schließen. Im August durfte sie teilweise wieder öffnen, jedoch nicht alle Betten belegen. Die dadurch entstandenen Einnahmeausfälle glich bisher ein Rettungsschirm aus. Zum 15. Juni läuft dieser Schutzschirm jedoch endgültig aus. "Wir sind da für Familien. Und gleichzeitig aber haben wir dieses Risiko, dass wir gegen null fahren", sagt Ute Horak über die Finanzierung.

Ohne finanzielle Hilfe droht das Aus für die Kliniken

Der Rettungsschirm des Bundes sicherte bisher 50 Prozent Ausgleichszahlungen für Vorsorge- und Rehakliniken. Nach einigen Fristverlängerungen laufen die Zahlungen zum 15. Juni endgültig aus. Die Begründung dafür ist das abflachende Infektionsgeschehen. Sonja Borzel, Mitglied des AWO-Vorstands, hat dafür kein Verständnis: "Im Moment sind wir in einer Situation in der die Politik riskiert, dass Häuser schließen müssen. Deshalb brauchen wir eine Sicherheit, falls es wirklich zu einem Einbruch kommen sollte."

Die Forderung: Unterstützung bis Jahresende

Kurgruppen reisen in der Bad Windsheimer Klinik immer zum gleichen Zeitpunkt an – gäbe es in Zukunft nur einen positiven Fall, müsste eine ganze Kurgruppe abreisen. Das bedeutet mindestens drei Wochen Einnahmeausfälle und Kurzarbeit für die Mitarbeiter. Die Forderung der Einrichtung an die Politik: Der Rettungsschirm soll bis Ende des Jahres weiterlaufen. "Es gibt aus meiner Sicht kein Argument das anders handzuhaben", sagt Sonja Borzel und ergänzt: "Es ist ja nicht davon auszugehen, dass die Pandemie in zwei Wochen vorbei ist."

Rehakliniken wichtig für die Pandemie-Nachsorge

Kurpatientin Jana Lippert kann der Forderung an die Politik nur zustimmen. Sie sieht die Familien während der Corona-Pandemie im Stich gelassen: "Wenn die Kur für mich nicht hätte stattfinden können, hätte ich nicht gewusst, was ich machen soll. Weil einfach die Auszeit fehlt", sagt Jana Lippert. Während die Krankenhäuser in Zukunft weniger Corona-Patienten verzeichnen, machen sich bei den Rehakliniken die Nachwirkungen der Pandemie immer mehr bemerkbar – wenn die Einrichtungen denn die Pandemie finanziell überleben.

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Sport-Einheit in der AWO-Klinik in Bad Windsheim

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