Archivbild: Kämpfer der Terror-Miliz "Islamischer Staat" im Jahr 2015 bei Raqqa in Syrien.
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In Oberfranken ist ein Mann festgenommen worden, der zum Islamischen Staat gehören soll. Es soll in Aleppo für den IS gekämpft haben.

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Mutmaßlicher IS-Kämpfer in Oberfranken festgenommen

In Oberfranken ist ein Mann festgenommen worden, den die Generalstaatsanwaltschaft in München zum sogenannten "Islamischen Staat" zählt. Der Beschuldigte soll unter anderem in Aleppo auf der Seite der Terror-Miliz gekämpft haben.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten Franken am .

In Zusammenarbeit mit der Polizei Ludwigsstadt im Landkreis Kronach und der Kriminalpolizei Oberfranken ist ein mutmaßliches Mitglied der Terror-Vereinigung "Islamischer Staat" (IS) festgenommen worden. Wie die Generalstaatsanwaltschaft München mitteilte, wurde der Mann aus Tadschikistan bereits am Mittwoch im Rahmen einer Wohnungsdurchsuchung in Oberfranken verhaftet. Er soll im Landkreis Kronach wohnhaft gewesen sein. Nähere Angaben wollte die Generalstaatsanwaltschaft auf Nachfrage von BR24 nicht machen - zum Schutz des Beschuldigten, wie es heißt.

In Aleppo auf Seiten des Islamischen Staats gekämpft

Der Mann soll Anfang 2015 bei einem Aufenthalt in Moskau vom IS angeworben worden sein. Daraufhin soll er im April 2015 über die Türkei nach Syrien gereist sein und sich dort auf einer Militärbasis in Tabqa in der Provinz Raqqa dem IS angeschlossen haben. In der terroristischen Vereinigung habe er sich bis zu seiner Ausreise im August 2015 als Mitglied betätigt.

Zunächst habe der Beschuldigte dort etwa einen Monat lang den Koran studiert und dann für etwa einen weiteren Monat eine militärische Ausbildung beim IS begonnen. Danach sei er weiter nach Palmyra gebracht worden und habe dort nochmals zwei Wochen lang eine militärische Ausbildung absolviert.

Mit Kalaschnikow syrische Militärbasis gestürmt

Anschließend habe der Mann in Aleppo 22 Tage lang auf Seiten des IS gekämpft. Dabei habe er an vorderster Front an dem Sturm auf eine große Militärbasis der syrischen Streitkräfte teilgenommen. Auf der Seite des IS seien etwa 150 Personen und auf der Gegenseite etwa 2.000 Personen beteiligt gewesen. Der Beschuldigte selbst soll mit einem Sturmgewehr AK47 Kalaschnikow an den Kämpfen teilgenommen haben. Nach viermonatiger Mitgliedschaft beim IS sei er im August 2015 wieder aus Syrien ausgereist.

Am Donnerstag wurde der Mann dem Ermittlungsrichter des Oberlandesgerichts München vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnete und den Vollzug der Untersuchungshaft anordnete.

Bereits Ende Mai hatte die Bundesanwaltschaft sieben mutmaßliche Unterstützer der Terrororganisation "Islamischer Staat" festnehmen lassen. Darüber hinaus gingen die Behörden gegen Beschuldigte vor, die Geld an den IS gespendet haben sollen. Dazu wurden am 31. Mai 90 Objekte durchsucht - unter anderem auch in Bayern.

Das "Kalifat" gilt als zerschlagen

Nach einem schnellen Aufstieg im Jahr 2014 im Irak und in Syrien, bei dem der IS weite Teile der Länder erobert hatte, gilt das selbsternannte "Kalifat" als besiegt. Die Hochphase endete laut dem Verfassungsschutz 2016. Der IS konnte 2017 aus dem Irak und zwei Jahre später aus Syrien vertrieben werden. IS-Zellen sind aber in beiden Ländern weiter aktiv. Sogenannte Schläferzellen verüben immer noch Anschläge, etwa in Afghanistan, wo sie zu den Feinden der seit 2021 herrschenden radikal-islamischen Taliban gezählt werden.

  • Zum Artikel: Der schwere Ausstieg – Islamisten vor der Haftentlassung
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